Initiative Frieden und Menschenrechte
Das Wettrüsten der beiden Machtblöcke in Ost und West führt auch in der DDR zur Gründung von Friedensinitiativen. Damit verbunden entsteht bei den Menschen das Bewusstsein, dass Friedensengagement eng mit dem Einsatz für grundlegende Menschenrechte zusammenhängt.
Mitglieder der Initiative Frieden und Menschenrechte im Oktober 1987 im Hof der Rykestraße 28 in Ost-Berlin. V.l.n.r. (ohne Kinder): Ulrike Poppe,
Martin Böttger, Antje Böttger, Monika Haeger (IM des MfS), Stephan Bickhardt, Ralf Hirsch, Reiner Dietrich (IM des MfS), Wolfgang Templin, Regina Templin.
Gründungserklärung der Initiative Frieden und Menschenrechte (24. Januar 1986). Das Papier wird als Dokument III (Menschenrechtsseminar) in
Anlehnung an die Charta 77 in der ČSSR herausgegeben.
Gründungserklärung der Initiative Frieden und Menschenrechte (24. Januar 1986). Das Papier wird als Dokument III (Menschenrechtsseminar) in
Anlehnung an die Charta 77 in der ČSSR herausgegeben.
Gemeinsame Erklärung der Initiative Frieden und Menschenrechte mit ungarischen, tschechischen und polnischen Bürgerrechtlern zum 30. Jahrestag des
ungarischen Volksaufstandes (Oktober 1986). Veröffentlicht wird die Erklärung im grenzfall 3/86.
Maßgeblich für den Druck des grenzfalls verantwortlich sind Peter Rölle (im Bild) und Peter Grimm.
Peter Grimm (links) und Wolfgang Templin von der Initiative Frieden und Menschenrechte 1987 in der Wohnung von Ralf Hirsch. Dort werden von
Oppositionellen Fotos gemacht, die im Verhaftungsfall für die Pressearbeit im Westen verwendet werden sollen. Die Fotos werden bei Roland Jahn in West-Berlin aufbewahrt.
In der DDR entsteht 1986 die Ostberliner
Die Organisation eines solchen Seminars ist auch unter dem Dach der Kirche ein Wagnis. Eine Diskussion über Menschenrechtsfragen ist immer auch eine Diskussion über das
Als die
Meinungsverschiedenheiten bei den Menschenrechtlern
Daraufhin gibt es heftige Auseinandersetzungen zwischen den Initiatoren des gescheiterten Seminars: Ein Teil von ihnen fordert in einem Grundrechtekatalog bürgerliche und politische Grundrechte ein und strebt die Gründung einer Menschenrechtsgruppe an. In dieser Gruppe aktiv sind
Der andere Teil um
Die Gruppe um
Die IFM versteht sich als von der Kirche unabhängige Gruppe. Dennoch hält sie Kontakte zur kirchlich gebundenen
grenzfall 9/87: Zwischen 1986 und 1989 gibt die Initiative Frieden und Menschenrechte insgesamt 17 Ausgaben des grenzfalls heraus (Auflage bis zu 800
Exemplare). Die Zeitschrift ist eine der wenigen, die vollkommen unabhängig von der Kirche erscheinen. Sie ist die erste Untergrundzeitschrift seit Gründung der DDR 1949 und gehört zu den meistgelesenen der DDR-Opposition.
1986 wird der illegale grenzfall aus der Taufe gehoben
Bereits am 29. Juni 1986 gibt die IFM 1.000 Exemplare der in Oppositionskreisen für ihre kritische Position bald berühmten Zeitschrift grenzfall heraus. Die unter einfachsten Bedingungen auf billigem Papier hergestellte Zeitschrift geht mit zahlreichen Appellen und Aufrufen an die Öffentlichkeit, zum Beispiel zum
Es ist genau diese Unabhängigkeit, die den grenzfall für viele Oppositionelle in der DDR so attraktiv macht. Maßgeblich für den Druck verantwortlich sind
Allen Schwierigkeiten zum Trotz etabliert sich die Berliner IFM und gewinnt bald relativ großen Einfluss auf die oppositionelle Szene in der DDR. So gibt die Gruppe zum 30. Jahrestag des
In einer unbeantwortet gebliebenen
Mit solchen Aktivitäten steigert die IFM ihre Bekanntheit in der Oppositionsbewegung und wird zum Vorbild für verschiedene Friedens- und Menschenrechtsinitiativen. So kommt es später auch in Leipzig zur Gründung einer IFM. Das erhöht die Aufmerksamkeit der Stasi. Ein Höhepunkt der Stasi-Bemühungen ist die Verhaftungs- und Beschlagnahmeaktion in der Umwelt-Bibliothek Berlin im November 1987. Im Januar 1988 werden unter anderem Ralf Hirsch,
Ungeachtet der Festnahmen und Ausbürgerungen existiert die IFM bis zur Gründung von
Klare politische Forderungen lassen sich nicht gut unter dem Fähnlein einer kirchlichen Gruppe erheben. Anfang 1986 gründet sich daher die eigenständige Initiative für Frieden und Menschenrechte.
Wir hatten überlegt, dass man das jetzt auch mal irgendwo formulieren muss. Wir können nicht bei Erklärungen und Positionen, die wir öffentlich beziehen, bleiben. Wir müssen eine klarere politische Stellung beziehen. Wir mussten uns nicht lange streiten. Es war relativ schnell klar, worauf man sich einigen konnte. Der Gradmesser für ein politisches System – gleich, welche Vorstellung die verschiedensten Leute in diesen Kreisen hatten – sind natürlich die grundlegenden Menschenrechte, die Bürgerrechte, die Grundrechte. Wenn man die einfordert, das ist in jedem Falle etwas, was als Basis notwendig ist. Das ist ein Gradmesser für die Bewertung eines politischen Systems.
Wenn man klare politische Forderungen erheben will, dann muss man sich doch als das formulieren, was man ist. Man kann nicht unter dem Fähnlein einer kirchlichen Gruppe fungieren. Auch deswegen war für uns diese eigenständige Gründung der Initiative 'Frieden und Menschenrechte' wichtig.
Außerdem haben wir versucht zu demonstrieren. Wir haben versucht, am Tag der Menschenrechte 1988 mit Transparenten vor das offizielle DDR-Komitee für Menschenrechte zu ziehen. Solche Aktionen endeten natürlich mit Festnahmen, bevor wir überhaupt irgendetwas entrollen konnten. Und wir haben darauf gesetzt, dass es eine Medienöffentlichkeit gibt.
Peter Grimm, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
© 2004 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350