Luxemburg-Liebknecht-Demonstration
Trotz geballter Staatsmacht und vieler Verhaftungen im Vorfeld gelingt es einigen Andersdenkenden mit eigenen Plakaten an der offiziellen Demonstration entlang der Karl-Marx-Allee zu Ehren Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs teilzunehmen.
„Kampfdemonstration“: Anzeige vom 15. Januar 1988. Wie jedes Jahr wird in allen Zeitungen zur Teilnahme an der offiziellen Demonstration für Rosa
Luxemburg und Karl Liebknecht aufgerufen.
Oppositionelle am Vorabend der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration mit ihren selbstgefertigten Transparenten.
Sozialistische Heldenfeier zum Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht: Offizieller Demonstrationszug am 17. Januar 1988 in Berlin.
Am 17. Januar 1988 beteiligen sich Oppositionelle und Ausreisewillige mit selbst gefertigten Transparenten an der offiziellen Demonstration zu Ehren
von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Es kommt zu zahlreichen Verhaftungen. Die Stasi behindert die Arbeit eines ARD-Teams, indem sie offizielle Transparente vor die Kamera hält. Es soll nicht filmen, wie Oppositionelle verhaftet werden.
Die Stasi behindert die Arbeit eines ARD-Teams, indem sie offizielle Transparente vor die Kamera hält. Es soll nicht filmen, wie Oppositionelle
verhaftet werden.
„Landesverräterische Beziehungen“: So wird die DDR-Bevölkerung über die Verhaftungen auf und nach der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration
informiert.
Vor ihrer Abschiebung in den Westen wird Vera Wollenberger noch wegen „Zusammenrottung“ zu sechs Monaten Haft verurteilt.
„Voller Empörung“: Zwei Tage nach den Verhaftungen auf der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration protestieren acht oppositionelle Gruppen und
erklären ihre Solidarität mit den Inhaftierten.
Im Gedenken an Karl und Rosa: Von der Stasi beschlagnahmte Transparente der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 17. Januar 1988 in Berlin.
Im Gedenken an Karl und Rosa: Von der Stasi beschlagnahmte Transparente der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 17. Januar 1988 in Berlin.
Im Gedenken an Karl und Rosa: Von der Stasi beschlagnahmte Transparente der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 17. Januar 1988 in Berlin.
Im Gedenken an Karl und Rosa für mehr Demokratie! Die Stasi verhaftet den 24 jährigen Erling Plaethe am 17. Januar 1988, weil er dieses Transparent
bei der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration zeigen will.
Im Gedenken an Karl und Rosa: Von der Stasi beschlagnahmte Transparente der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 17. Januar 1988 in Berlin.
Ein Dokument der Kontakttelefon-Gruppe, die sich nach den Verhaftungen auf der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 17. Januar 1988 in Berlin bildet.
Neben Notizen über Telefongespräche wird auch festgehalten, wo in der DDR überall Protestaktionen organisiert werden. Diese Notizen heute zu lesen bringt überraschende Erkenntnisse, da die fehlende Öffentlichkeit in der DDR ein Bekanntwerden über das wahre Ausmaß der Solidarität verhindert hat.
Ein Dokument der Kontakttelefon-Gruppe, die sich nach den Verhaftungen auf der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 17. Januar 1988 in Berlin bildet.
Neben Notizen über Telefongespräche wird auch festgehalten, wo in der DDR überall Protestaktionen organisiert werden. Diese Notizen heute zu lesen bringt überraschende Erkenntnisse, da die fehlende Öffentlichkeit in der DDR ein Bekanntwerden über das wahre Ausmaß der Solidarität verhindert hat.
Das Programm „Pässe und Parolen“ in der Ostberliner Samariterkirche: Seit 1985 erarbeiten und inszenieren Freya Klier und Stephan Krawczyk
gemeinsam Theaterprogramme. Im selben Jahr werden beide mit einem Berufsverbot belegt. Die SED setzt auch die evangelischen Kirchen unter Druck. Nicht wenige Gemeinden beugen sich, so dass Stephan Krawczyk und Freya Klier immer weniger Auftrittsmöglichkeiten finden.
Die von der Regierung der DDR im Januar zwangsweise in den Westen abgeschobene Bärbel Bohley ist nach sechs Monaten im englischen und italienischen
Exil in ihre Wohnung zurückgekehrt. Bärbel Bohley am 28. September 1988 im Hinterhof ihres Wohnhauses.
Mahnwache auf der Westberliner Seite des Grenzübergangs Checkpoint Charlie: Die Initiative Freiheit für Andersdenkende geht für die inhaftierten
DDR-Bürger auf die Straße (31. Januar 1988).
Jahr für Jahr inszeniert die DDR-Führung Mitte Januar die „Kampfdemonstration zu Ehren von
Im Vorfeld der Demonstration vom 17. Januar 1988 ruft die
Die wie üblich gut informierte
Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht ...
Trotzdem gelangen einige Protestierer bis zum offiziellen Demonstrationszug und entrollen Plakate mit Rosa-Luxemburg-Zitaten: „Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“, „Der einzige Weg zur Wiedergeburt – breiteste Demokratie“ und „Wer sich nicht bewegt, spürt die Fesseln nicht. R. L.“ (Bildergalerie). Schnell greift die Stasi zu und verhaftet die Demonstranten.
Einem
Ungeachtet der aufmerksamen Westpresse rollt eine Woche später, am 25. Januar 1988, eine zweite Verhaftungswelle an, die vor allem gegen bekannte Oppositionelle gerichtet ist. Die Stasi nimmt die unbequeme Künstlerin
... Die Oppositionelle erkämpft das Menschenrecht
Diese Westverbindung wird zum Hauptvorwurf im Ermittlungsbericht der Stasi. Roland Jahn wird kurzerhand zum Geheimdienstler erklärt. Es wird behauptet, die Verhafteten hätten in jedem Telefonat mit Roland Jahn Informationen an einen westlichen Geheimdienst übermittelt.
Im Stadtjugendpfarramt Berlin bildet sich nach den Festnahmen eine Koordinierungsgruppe aus Mitgliedern verschiedener Berliner Oppositionsgruppen. Sie organisiert Mahngottesdienste und Informationsveranstaltungen, in denen die Freilassung der Inhaftierten gefordert wird. Auch in Leipzig und anderen Städten kommt es in den nächsten Tagen zu
Die Inhaftierten werden unter Druck gesetzt. Der Staat will die unbequemen Streiter loswerden und sie am liebsten in den Westen abschieben. Dann würde endlich das Geschrei aufhören, dass in der DDR Menschenrechte verletzt werden! Die Vernehmer drohen mit Haftstrafen bis zu zehn Jahren. Zusätzlich werden die Gefangenen, völlig isoliert und ohne Nachrichten von außen, von ihrem Rechtsanwalt
Till Böttcher schreibt Rosa Luxemburgs „Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden“ auf ein Transparent. Er will damit zur staatlichen Luxemburg-Liebknecht-Demo, kommt aber nicht weit.
„Die Russische Revolution war ja so ein Standardwerk, das jeder politisch Interessierte irgendwann mal gelesen hat. Und da war viel von Freiheit und Demokratie die Rede. In dieser Tradition gab es die Idee, sich daran zu beteiligen – und zwar mit einem Spruch aus der Russischen Revolution: 'Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden'. Damit sollte zum Ausdruck kommen, dass Demokratie fehlt, dass es Leute gibt, die dafür eintreten, und dass es eine Phase ist, die der Staat vollzieht mit dieser Gärung. Damals waren wir zu dritt,
Wir wurden eingesperrt, unter Anklage gestellt, später verurteilt. Viele wurden in den Westen abgeschoben, entlassen.
In dieser Haft wurde ich durch Kirchenvertreter gefragt, wenn ich entlassen werden würde, wohin. Ich habe ganz klar gesagt: in die DDR. Da ist mein Zuhause, da habe ich gewirkt, da will ich weiter wirken und mich an der Gesellschaft beteiligen. Damit nahm ich natürlich eine weitere Haft in Kauf. Dieses Angebot kam aufgrund des öffentlichen Drucks, denn unsere Verurteilung war ja in den Medien. Sie war der Tagesschau eine Meldung wert. Es war also nicht unbekannt, was da passierte. Meine Mutter versuchte hinter den Kulissen mit Bürgschaften, Zusagen und Versprechen dafür zu sorgen, dass ich nicht abgeschoben wurde. Ich war ja immer noch minderjährig!“
Till Böttcher, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
© 2004 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350