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Aktionen in Berlin: "Holt Biermann in die DDR zurück!"

Aktionen in Berlin: "Holt Biermann in die DDR zurück!"

Redaktion

In Berlin, Biermanns Heimat, protestierten besonders viele Schüler und Studierende gegen seine Ausbürgerung. Die Stasi protokollierte jede dieser spontanen Aktionen gewissenhaft mit.

(© BStU, MfS, HA XX/9 1269) (© BStU, MfS, HA XX/9 1269 ) (© BStU, MfS, HA XX/AKG 5367, Bl. 179) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Gerold Hildebrand / RHG_Fo_HAB_14932) (© Robert-Havemann-Gesellschaft ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_14934) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_12346)

Eine unbekannte Gruppe fertigt postkartengroße Flugblätter in Interner Link: Linolschnitttechnik an, mit denen sie gegen die Ausbürgerung protestiert (Bildergalerie). 200 dieser Karten werden in Briefkästen in Ost-Berlin gefunden. Eine weitere Gruppe bringt, laut Stasi-Bericht, „in der Nacht vom 24. zum 25.11.1976 im Stadtgebiet von Berlin mehrere Plakate im Format 63 x 24,5 cm an, auf denen in Interner Link: Siebdruckverfahren ein Biermannkopf aufgebracht war“ (Bildergalerie).

Acht Monate Haft für ein paar kopierte Tonbänder

Bis zum Ende der DDR 1989 bleiben Interner Link: Linolschnitt- und Interner Link: Siebdrucktechnik für die Oppositionsgruppen wichtige Mittel zur illegalen Vervielfältigung ihrer Flugblätter. Die Rohmaterialien (Linoleum und Farbe) sind selbst in der DDR leicht zu beschaffen. Anders als bei der Verwendung von Schreib- oder gar Druckmaschinen kann die Stasi den Verursacher anhand der Flugblätter nur schwer identifizieren. Nachteile dieser Technik: Es sind nur kleine Auflagen möglich, und für die Anfertigung brauchbarer Druckvorlagen ist eine gewisse künstlerische Geschicklichkeit nötig.

An einer Schule im Stadtteil Prenzlauer Berg wird die Losung „Helft dem Volkssänger Biermann“ gefunden (Bildergalerie). Der Parteisekretär der Schule lässt die Schrift in der Pause schnell von Schülern entfernen. In einer Toilette im Verlagshaus des Parteiblatts Interner Link: Neues Deutschland schreibt jemand „Übt Solidarität mit Biermann“ an die Wand. Penibel nimmt die Stasi auch diesen Klo-Spruch in ihre Unterlagen auf (Bildergalerie).

Der Berliner Interner Link: Bausoldat Reinhard Schult (25) hört, wie viele andere auch, erstmals im Zusammenhang mit Wolf Biermanns Ausbürgerung von dessen Musik. Er besorgt sich einen Mitschnitt von Biermanns Konzert in Köln, macht Tonband-Aufnahmen von Biermann-Platten und verbreitet sie unter Freunden (Bildergalerie). Fast drei Jahre nach der Ausbürgerung wird Reinhard Schult verhaftet, weil er angeblich an der Vorbereitung zu einer Republikflucht beteiligt war.

Die Stasi spitzelt sogar auf dem Klo

Bei der Hausdurchsuchung findet die Stasi das belastende Material. Die Biermann-Aufnahmen gelten als Beweisstücke von Reinhard Schults Interner Link: Opposition gegen die DDR. Er wird wegen „Interner Link: öffentlicher Herabwürdigung der DDR“ (Interner Link: § 220) zu acht Monaten Haft verurteilt. (Über seine Wahrnehmung der Biermann-Ausbürgerung, die illegale Verbreitung der Biermann-Texte und seine Verhaftung berichtet Reinhard Schult im Zeitzeugen-Video.)

Erschütternd endet auch der Protest von Thomas Evler, Friedemann Gehlke und Christoph Rohr. Die jungen Krankenpfleger entwerfen Flugblätter gegen die Biermann-Ausbürgerung, von denen eine 19-jährige Freundin aus West-Berlin, Interner Link: Heike Waterkotte, 500 Exemplare drucken lässt und sie über die Grenze schmuggelt. In der Nacht zum 2. Dezember 1976 verteilen die Ostberliner die Flugblätter in Hausbriefkästen. Im Morgengrauen werden sie entdeckt und verhaftet. Die DDR-Justiz verurteilt sie in Windeseile zu drei bis vier Jahren Haft, die sie im Interner Link: Gefängnis Brandenburg absitzen müssen.

Interner Link: Heike Waterkotte, die nichts von den Verhaftungen weiß, fährt nach Ost-Berlin, um ihre Freunde zu besuchen. An der Grenze wird sie von der Stasi abgefangen und wegen „Einmischung in innere Angelegenheiten der DDR“ sowie „Interner Link: staatsfeindlicher Hetze“ zu 44 Monaten Haft verurteilt. Nach anderthalb Jahren im Interner Link: Bautzener Gefängnis wird sie vom Westen Interner Link: freigekauft.

Fussnoten

Weitere Inhalte

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Kontext

Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

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Biermann – die Biografie

1936 in Hamburg geboren, verlässt Wolf Biermann als 16-Jähriger seine Heimatstadt und siedelt in die DDR über. Er hält den jungen Arbeiter- und Bauernstaat damals für den besseren Teil Deutschlands.

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Die Ausbürgerung von Wolf Biermann

Am 16. November 1976 gibt die DDR-Nachrichtenagentur ADN in der Sache Wolf Biermann eine Meldung heraus, die politische Sprengkraft entwickelt.

Zeitzeuge

Reinhard Schult

Reinhard Schult verweigert den Dienst an der Waffe bei der NVA und wird Anfang November 1976 im Alter von 25 Jahren als Bausoldat eingezogen. Nach zwei Wochen gibt es plötzlich eine Nachrichtensperre.

Zeitzeuge

Christian Kunert

Christian Kunert ist seit 1971 Keyboarder der Band Renft. Diese wird 1975 endgültig verboten. Gerulf Pannach, seinem Musikerkollegen, ist schon vorher ein Auftrittsverbot erteilt worden.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350