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Die Ausbürgerung von Wolf Biermann

Die Ausbürgerung von Wolf Biermann

Redaktion

Am 16. November 1976 gibt die DDR-Nachrichtenagentur ADN in der Sache Wolf Biermann eine Meldung heraus, die politische Sprengkraft entwickelt.

(© BStU, MfS, ZAIG 1971, Seite 1 von 6) (© BStU, MfS, ZAIG 1971, Seite 2 von 6) (© BStU, MfS, ZAIG 1971, Seite 3 von 6) (© BStU, MfS, ZAIG 1971, Seite 4 von 6) (© BStU, MfS, ZAIG 1971, Seite 5 von 6) (© BStU, MfS, ZAIG 1971, Seite 6 von 6) (© BStU, MfS, HA XX/9 1076) (© BStU, MfS, HA XX/9 896, Bl. 20, Seite 1 von 3) (© BStU, MfS, HA XX/9 896, Bl. 21, Seite 2 von 3) (© BStU, MfS, HA XX/9 896, Bl. 22, Seite 3 von 3) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_14883) (© Neues Deutschland vom 17. November 1976, S. 2 ) (© BStU, MfS, HA XX/9 896, Bl. 19) (© REGIERUNGonline, Lothar Schaak)

Am 16. November 1976 gibt die DDR-Nachrichtenagentur Interner Link: ADN eine kurze Meldung heraus, die politische Sprengkraft besitzt: Wolf Biermann ist ausgebürgert. Die Nachricht, die auch in der wichtigsten Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens, der Interner Link: Aktuellen Kamera, gesendet wird, besagt, der gebürtige Hamburger habe sich mit seinem feindseligen Auftreten gegenüber der DDR den Boden für weitere Gewährung der Staatsbürgerschaft entzogen.

Am nächsten Tag begründet das Interner Link: SED-Parteiorgan Interner Link: Neues Deutschland die Entscheidung wie folgt: „Zur Staatsbürgerschaft gehört eine Treuepflicht gegenüber dem Staat. [...] Biermann hat diese Treuepflicht bewusst und ständig grob verletzt. Die Konsequenzen daraus wurden entsprechend dem Staatsbürgerschaftsgesetz der DDR gezogen.“

Wolf Biermanns Rausschmiss ist keine spontane Reaktion der DDR-Oberen: Er ist von langer Hand geplant und gut vorbereitet. Seit den 1960er Jahren spielt Biermann mit seinen Liedern und Texten eine wichtige Rolle im kleinen Kreis der kritischen DDR-Intelligenz. Sein großes Thema sind die Widersprüche zwischen der sozialistischen Idee und ihrer Umsetzung im Interner Link: realen Sozialismus. Zunächst wird Wolf Biermann mit Auftrittsverboten belegt. Schon 1971 entwirft die Interner Link: Stasi einen Plan, ihm wegen „Interner Link: staatsgefährdender Hetze“ den Prozess zu machen – oder ihn in die Bundesrepublik abzuschieben.

Fehlentscheidung der SED: Biermann wird zum Bumerang

Im November 1976 scheint die Gelegenheit günstig: Wolf Biermann, der nach elfjährigem Auftrittsverbot am 12. September 1976 in der Prenzlauer Dominikanerklosterkirche endlich wieder ein Konzert geben darf – sein erstes Konzert in einer Kirche –, wird kurz darauf zu einer Konzerttournee durch die Bundesrepublik eingeladen. Diese Initiative kommt von linken Gewerkschaftsvertretern der IG Metall. Unter dem Motto „Freiheit der Meinung – Freiheit der Reise für Wolf Biermann“ werden in der Bundesrepublik mehrere Zehntausend Unterschriften gesammelt, um Biermann die Teilnahme zu ermöglichen. Zeitgleich läuft die Wahlkampagne der CDU unter dem Motto „Freiheit statt Sozialismus“. Indem sie den noch immer überzeugten Kommunisten Wolf Biermann einladen, wollen die Gewerkschaftsmitglieder auch ein Zeichen in ihrem Wahlkampf setzen. Aber es kommt alles ganz anders, als geplant.

Die SED-Führung lässt den ungeliebten Musiker reisen und wartet seinen ersten Auftritt am 13. November in Köln ab, um ihn dann über die Presse von seiner Ausbürgerung zu unterrichten. Die Hoffnung der DDR-Oberen, dass die Ausbürgerung keine allzu großen Folgen haben würde, erweist sich als Fehleinschätzung: Wenige Tage nach ihrer Bekanntgabe sendet die Interner Link: ARD das Kölner Konzert in voller Länge. So können sich viele DDR-Bürger, denen der Name Wolf Biermann bisher unbekannt war, erstmals ein Bild von dem Liedermacher und seiner Musik machen.

Über die Heftigkeit des organisierten und des spontanen Protests, der nun im ganzen Land ausbricht, ist nicht nur Interner Link: die Partei- und Staatsführung, sondern auch die Stasi überrascht. In einer beispiellosen Pressekampagne gegen Wolf Biermann versucht der Staat, seine Entscheidung zu rechtfertigen. Bis zu ihrer Auflösung legt die Stasi mithilfe von 197 hauptamtlichen und 213 inoffiziellen Mitarbeiter 69 Akten-Bände über den Liedermacher an. Von 24 Jahren, die Biermann in der DDR lebt, wird er 18 Jahre lang überwacht.

Fussnoten

Weitere Inhalte

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Kontext

Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

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Biermann – die Biografie

1936 in Hamburg geboren, verlässt Wolf Biermann als 16-Jähriger seine Heimatstadt und siedelt in die DDR über. Er hält den jungen Arbeiter- und Bauernstaat damals für den besseren Teil Deutschlands.

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Prominentenproteste

Beliebte Künstler bitten die DDR-Führung, Biermanns Ausbürgerung zu überdenken. Auch der Rockmusiker Christian Kunert protestiert. Er will ein Lied schreiben und muss Mercedes fahren.

Zeitzeuge

Christian Kunert

Christian Kunert ist seit 1971 Keyboarder der Band Renft. Diese wird 1975 endgültig verboten. Gerulf Pannach, seinem Musikerkollegen, ist schon vorher ein Auftrittsverbot erteilt worden.

Zeitzeuge

Reinhard Schult

Reinhard Schult verweigert den Dienst an der Waffe bei der NVA und wird Anfang November 1976 im Alter von 25 Jahren als Bausoldat eingezogen. Nach zwei Wochen gibt es plötzlich eine Nachrichtensperre.

Zeitzeugin

Doris Liebermann

Am 18. November 1976 sprechen die Mitglieder der Jungen Gemeinde Jena-Stadtmitte über die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Die Jugendlichen sind sich einig, dass man irgendetwas gegen diese staatliche…

Zeitzeuge

Roland Jahn

Roland Jahn wird am 8. Juni 1983 gegen seinen Willen ausgebürgert und mit Gewalt in die Bundesrepublik abgeschoben. In Knebelketten zum Grenzübergang Probstzella gebracht, sperrt man ihn in ein…

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350