Friedensgemeinschaft Jena
Für die Friedensaktivisten steht fest: Die Kirche ist obrigkeitshörig. Sie setzen lieber auf eigene Aktionen. Bald sind die Jenenser über die Stadt hinaus bekannt.
Eine Minute Schweigen für den Weltfrieden: Menschenkette auf dem Platz der Kosmonauten am 14. November 1982 in Jena.
Eine Minute Schweigen für den Weltfrieden: Menschenkette auf dem Platz der Kosmonauten am 14. November 1982 in Jena.
Eine Minute Schweigen für den Weltfrieden: Menschenkette auf dem Platz der Kosmonauten am 14. November 1982 in Jena.
Protestpostkarte gegen die Inhaftierung Manfred Hildebrandts, angefertigt 1982.
Konzeptpapier der Friedensgemeinschaft Jena vom März 1983.
Die Friedensgemeinschaft (FG) Jena stellt am 8. März 1983 beim Rat der Stadt Jena den Antrag, eine Gedenkminute abzuhalten: Sie wollen der Opfer der
Bombardierung Jenas gedenken. Der Antrag wird von den zuständigen Stellen abgewiesen. Am 9. März weist das MfS seine Leute an, eine Teilnahme der FG an der offiziellen Kundgebung unbedingt zu verhindern.
Jetzt erst recht: Mitglieder der Friedensgemeinschaft Jena nehmen am 18. März 1983 trotzig an der Friedensmanifestation der Nationalen Front
anlässlich des 38. Jahrestags der Bombardierung Jenas teil. Und zwar mit Plakaten, die nach ihrem Geschmack sind.
Jetzt erst recht: Mitglieder der Friedensgemeinschaft Jena nehmen am 18. März 1983 trotzig an der Friedensmanifestation der Nationalen Front
anlässlich des 38. Jahrestags der Bombardierung Jenas teil. Und zwar mit Plakaten, die nach ihrem Geschmack sind.
Die Stasi hat nur die Hälfte erwischt: Die Mitglieder der Friedensgemeinschaft Jena Frank Rub und Jörg Knaack mit einem zerrissenen Transparent auf
der Demo am 18. März 1983.
Die Mitglieder der Friedensgemeinschaft Jena auf der Demonstration am 18. März 1983. Die Stasi hat ihre Transparente zerrissen.
Beschimpft und geschlagen: Am 18. März 1983 schreibt die Friedensgemeinschaft Jena einen ersten Protestbrief an Erich Honecker. Einen Tag später
erhält der DDR-Staats- und -Parteichef einen weiteren Protestbrief, der sich auf die Repressionen bei der Kranzniederlegung am 19. März 1983 bezieht.
Beschimpft und geschlagen: Am 18. März 1983 schreibt die Friedensgemeinschaft Jena einen ersten Protestbrief an Erich Honecker. Einen Tag später
erhält der DDR-Staats- und -Parteichef einen weiteren Protestbrief, der sich auf die Repressionen bei der Kranzniederlegung am 19. März 1983 bezieht.
„Schwerter zu Pflugscharen“: Die Friedensgemeinschaft Jena beteiligt sich an offiziellen Kundgebungen mit eigenen Transparenten, die das MfS
beschlagnahmt. Im Bild: die Gruppe auf dem Weg zur offiziellen Kundgebung am 19. Mai 1983. Anlass: das FDJ-Pfingstreffens im Bezirk Gera. Vorne links: Roland Jahn.
Roland Jahn mit seinem selbst gefertigten Transparent auf der Demonstration am 19. Mai 1983 in Jena.
Andreas Friedrich mit seinem Transparent auf der Demonstration am 19. Mai 1983 in Jena.
Peter Kähler auf der Demonstration am 19. Mai 1983 in Jena.
„Verzichtet auf Gewalt!“ Die Mitglieder der Friedensgemeinschaft Jena mit ihren selbst gefertigten Transparenten auf der Demonstration am 19. Mai
1983 in Jena.
Die Friedensgemeinschaft Jena auf der Demo am 19. Mai 1983 in Jena. Stasi und Sicherheitskräfte verzichten nicht auf Gewalt.
Die Friedensgemeinschaft Jena auf der Demonstration am 19. Mai 1983 in Jena. Die Stasi versucht, Roland Jahn das Transparent zu entreißen.
Die Friedensgemeinschaft Jena auf der Demonstration am 19. Mai 1983 in Jena. Die Stasi versucht, Roland Jahn das Transparent zu entreißen.
Keinesfalls mundtot gemacht: Mithilfe dieser Protestpostkarte macht Roland Jahn auf das gegen ihn verhängte Berufsverbot aufmerksam.
24. Mai 1983: Offener Brief an den Zentralrat der FDJ und den Friedensrat der DDR. Die Friedensgemeinschaft Jena protestiert gegen die gewaltsamen
Übergriffe beim Pfingsttreffen der Jugend auf dem Platz der Kosmonauten vom 19. Mai 1983.
Die
Die
Wir wollen Frieden, Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit
Die FG Jena ist eine der ersten größeren Oppositionsgruppen des Landes, die unabhängig von kirchlichen Schutzräumen agiert. In ihrem Konzeptpapier stellt sie sich so vor: „Wer sind wir: Solidargemeinschaft bestehend aus Christen, Atheisten, konfessionell Ungebundenen, keine politische Organisation, ohne Leitung, ohne eingeschriebene Mitglieder. Warum haben wir uns zusammengefunden: Angst vor Krieg, Terror, Ungerechtigkeit, Einsamkeit, Isolierung; gemeinsames Gefühl der Ohnmacht, des Entmündigtseins, der Bedrohung“ (Bildergalerie).
Die FG Jena versteht sich als Teil der
Die Formierung der Gruppe beginnt schon 1982, zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht unter dem Namen Friedensgemeinschaft Jena. Im April 1982 demonstrieren einige der späteren FG-Aktivisten gemeinsam mit dem Jenaer Weißen Kreis gegen die repressive Behandlung von Ausreisewilligen. Weißer Kreis nennt sich eine Gruppe von Jenensern, die ausreisen wollen und dafür öffentlich streiten.
Mancher findet sogar den Mut zu Einzelaktionen wie dieser: Am 1. Mai 1982, dem offiziellen „Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse“, läuft Roland Jahn, das Gesicht zur Hälfte als
Wir sagen Nein zu Unterdrückung, Bildungsverbot und Diktatur
Auch
Am 14. November 1982 organisieren die Jenenser Friedensaktivisten auf dem Jenaer Platz der Kosmonauten eine Schweigedemonstration für den Frieden, die gleichzeitig auch eine Demonstration für die inhaftierten Freunde Manfred Hildebrandt, Roland Jahn und Ingo Güther (25) ist. Letzterer ist wegen Wehrdienstverweigerung eingesperrt. Trotz
Im Januar 1983 schlagen die kommunistischen Machthaber schließlich mit einer Verhaftungswelle zu. Betroffen sind
Mehr Erfolg als am Weihnachtstag 1982 haben die Aktivisten mit ihrer Demonstration am 18. März 1983, mit der sie an die Bombardierung Jenas im Zweiten Weltkrieg erinnern wollen. Inzwischen ist die FG Jena gegründet, und mehrere Mitglieder treten mit Plakaten („Frieden schaffen ohne Waffen“) oder mit Slogans gegen den Militarismus in der DDR auf.
Wir schweigen für den Weltfrieden und für unsere Freunde
Ursprünglich haben die Friedensaktivisten einen Antrag bei der Stadt gestellt, eine eigene öffentliche Gedenkveranstaltung durchzuführen. Der Antrag wird aber abgewiesen – es gebe bereits eine offizielle Kundgebung der Partei. Aus diesem Grund mischen sich Mitglieder der FG Jena sowie Freunde aus Apolda und anderen umliegenden Orten unter die vom Staat bestellten Demonstranten.
Die FGler wissen, dass die Stasi versuchen wird, ihren Auftritt mit allen Mitteln zu verhindern. Und so sorgen sie dafür, dass Fotografen bereitstehen, um den Einsatz der Sicherheitskräfte zu dokumentieren. Die hier geschossenen Bilder werden später auf Flugblättern in der DDR verbreitet und in den Westen geschmuggelt, wo sie veröffentlicht werden (Bildergalerie).
Am 19. Mai 1983 – einen Tag nach Beginn der Stasi-
(Von ihrer Zeit in der Friedensgemeinschaft Jena und von einzelnen Widerstandsaktionen erzählen Roland Jahn, Dorothea Fischer und Andreas Friedrich im Zeitzeugen-Video.)
Am 1. September 1982 wird Roland Jahn verhaftet, weil er mit einer polnischen Flagge mit dem Schriftzug der verbotenen Gewerkschaft Solidarnosc am Fahrrad durch Jena fährt. Doch es geht um mehr.
Es war am Jahrestag der
In der DDR ist verhaftet worden, wenn das Maß voll war. Da wurde man einfach abgeholt. Dann wurde ein
Es entstand plötzlich eine Protestwelle, so dass man unsere ganze Gruppe aus Jena kurzfristig rauslassen musste. Die Entlassungen in der DDR, das war natürlich ein Triumph: Jede Macht hat ihre Grenzen. Mit dieser Entlassung war für mich klar, ich bleibe in der DDR. Wir haben viele, viele Chancen. Wir müssen uns nur zur Wehr setzen, und wir müssen Mitstreiter suchen. Das hat mir die Kraft gegeben, weiterzumachen in der DDR. Und ich habe immer gesagt: Ich bleibe.
Roland Jahn, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
© 2004 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350