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Die ganze DDR protestiert gegen Biermanns Ausbürgerung

Die ganze DDR protestiert gegen Biermanns Ausbürgerung

Redaktion

An vielen Orten in der DDR machen vor allem junge Menschen ihrem Ärger über Wolf Biermanns Ausbürgerung Luft. Seine Lieder werden jetzt erst richtig bekannt.

(© BStU, MfS, ZAIG 5525) (© BStU, MfS, HA XX/AKG Nr. 864) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, MfS HA XX, 12665 ) (© BStU, MfS, HA IX 190, Bl. 14) (© BStU, MfS, HA IX 190, Bl 13) (© BStU, MfS, HA IX 10048, Bl. 3) (© BStU, MfS, HA IX 10048 Bl 25) (© BStU, MfS, HA XX/AKG 842 Bl. 7) (© BStU, MfS, HA XX/AKG 877, Bl. 123)

Die DDR-Bevölkerung nimmt die politische Ausschaltung und Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 nicht tatenlos hin. An dieses ungerechte Straf- und Druckmittel erinnern sich manche Menschen noch aus dem Dritten Reich. Viele empfinden die Reaktion des Staates als falsch und überzogen. Die Interner Link: SED-Führung unterschätzt die Folgen ihrer Entscheidung: Denn Wolf Biermann und seine Lieder lernen die meisten DDR-Bürger erst durch die Ausbürgerung und das von der Interner Link: ARD ausgestrahlte Konzert kennen. Und so wird nicht nur in intellektuellen Kreisen Protest laut.

Besonders Schüler und Studierende verurteilen das Verhalten des Staates. Die Interner Link: Stasi aktiviert ihre Interner Link: Inoffiziellen Mitarbeiter (IM), um ein Stimmungsbild zu ermitteln – beispielsweise im Bezirk Magdeburg. Ein internes Papier stellt fest, dass rund 70 Prozent der bespitzelten Schüler und Studierenden die Entscheidung der DDR-Regierung zweifelhaft finden.

Die Ausbürgerung Wolf Biermanns erinnert an Nazi-Methoden

Am 15. Dezember 1976 stellt die Stasi einen ersten Überblick über die „feindlichen Pläne, Absichten und Aktivitäten im Zusammenhang mit den Vorgängen um Biermann, Havemann u.a.“ zusammen (Bildergalerie). Insgesamt werden landesweit 457 „feindliche Aktivitäten“ gemeldet. Nicht nur in den großen Städten, sondern auch in kleinen Orte wie Nauen (bei Berlin) stehen Menschen gegen das Unrecht auf. Anders als die protestierenden Künstler stehen die namenlosen DDR-Bürger aber nicht unter dem Schutz, den die Prominenten aufgrund der internationalen Aufmerksamkeit genießen. Auf ihre Protestaktionen folgen meist Verhaftungen und Zwangsmaßnahmen.

Auch unter systemtreuen Genossen wird das Thema Biermann heiß diskutiert. So manche Parteiversammlung wird plötzlich zu einer staatskritischen Veranstaltung. Viele Berichte von IM befassen sich mit den Diskussionen unter Studierenden und Lehrlingen. Dort heißt es unter anderem: „Unter dem ingenieurtechnischen Personal des Interner Link: VEB Tiefbau wird die Frage gestellt, warum wir als DDR zu schwach sind, um nicht einen Biermann zu ertragen. Biermann hätte durchaus Wahrheiten gesagt. Sie stehen nicht hinter Biermann, sondern erkennen die Haltung an, dass er bestimmte Mängel angesprochen hat.“

In der Interner Link: FDJ-Gruppe der Berliner Charité, dem großen Berliner Krankenhaus, sollen Unterschriften gesammelt werden, um die Zustimmung zur Ausbürgerung auszudrücken. Doch einige Mitglieder widersprechen: „Als der FDJ-Sekretär den Vorschlag unterbreitete, im Namen der FDJ-Gruppe zu unterschreiben, protestierten diese sechs Interner Link: FDJler mit aller Entschiedenheit dagegen.“ Über Diskussionen in der Akademie der Wissenschaften berichtet ein Interner Link: Spitzel: „Die Ausbürgerung wird von einem beträchtlichen Teil der Mitarbeiter (auch Genossen) als unbesonnen und folgenschwer bezeichnet. Mit der Ausbürgerung selbst ist nur ein geringer Teil einverstanden.“

Fussnoten

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Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

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Roland Jahn wird am 8. Juni 1983 gegen seinen Willen ausgebürgert und mit Gewalt in die Bundesrepublik abgeschoben. In Knebelketten zum Grenzübergang Probstzella gebracht, sperrt man ihn in ein…

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Reinhard Schult verweigert den Dienst an der Waffe bei der NVA und wird Anfang November 1976 im Alter von 25 Jahren als Bausoldat eingezogen. Nach zwei Wochen gibt es plötzlich eine Nachrichtensperre.

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Christian Kunert ist seit 1971 Keyboarder der Band Renft. Diese wird 1975 endgültig verboten. Gerulf Pannach, seinem Musikerkollegen, ist schon vorher ein Auftrittsverbot erteilt worden.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350