Johannes Rink
Johannes Rink widerspricht den verlogenen Reden der SED-Propagandisten am 13. August 1961, dem der Tag des Mauerbaus und seinem Geburtstag. Für diese ausgesprochene Wahrheit muss er für Jahre hinter Gitter.
Am Tag des Mauerbaus feiert der Seemann Johannes Rink seinen 20. Geburtstag. Am Tag darauf soll eine aus Berlin angereiste Parteifunktionärin die
Seeleute von der Notwendigkeit des Mauerbaus überzeugen. Johannes Rink platz der Kragen. Er bezichtigt die Funktionärin der Lüge. Am Abend läuft sein Schiff aus. Als er zwei Monate später wieder in Rostock anlegt, wird er von der Stasi verhaftet.
Johannes Rink, circa 2002.
Johannes Rink bei der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande am 21. August 2008 durch den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Prof. Dr.
Wolfgang Böhmer, in der Staatskanzlei Magdeburg.
Rostock 1959. Mit 18 Jahren gelingt es Johannes Rink, sich einen Jugendtraum zu erfüllen: Nach einer ungeliebten Bäckerlehre heuert er als Seemann bei der Fischfangflotte der DDR an. Bald schon geht es auf große Fahrt. Johannes Rink sieht ein Stückchen von der Welt und kann sich bei der Durchfahrt im Nord-Ostsee-Kanal westliche Zeitungen und Zeitschriften kaufen. Wenn er nach Hause in sein Dorf kommt, hat er viel zu erzählen.
Am 13. August 1961 feiert Johannes Rink in Rostock seinen 20. Geburtstag im Kreise seiner Kollegen. Während der Feier verbreiten sich die neuesten Nachrichten aus Berlin: Die
Am nächsten Morgen gibt es jedoch eine Überraschung. Die Besatzungen der fünf Schiffe, die auslaufen sollen, werden im Speiseraum des Fischkombinats zusammengerufen. Eine Instrukteurin der
„Wir waren jung, wir waren mutig, und wir hatten im
Die Schiffe laufen aus. Noch einmal sieht Johannes Rink den Nordatlantik und Norwegen. „Der Vorgang war abgehakt, keiner hat mehr daran gedacht“, sagt er im Nachhinein. Doch als das Fangschiff am 10. Oktober 1961 nach Rostock zurückkehrt, gibt es ein böses Erwachen: Im Hafen wartet eine schwarze Limousine des Typs EMW. Dieses Auto fährt damals die
Nach sieben Monaten Untersuchungshaft findet der Prozess statt: Johannes Rink wird zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Einen Großteil der Strafe sitzt er im
Biografische Angaben zu Johannes Rink finden sie im
Johannes Rink wächst in einem Umfeld auf, in dem der Pfarrer die Bezugsperson im Dorf ist. Aus einer Trotzreaktion heraus geben seine Klassenkameraden und er dem Lehrer das Halstuch der Jungen Pioniere zurück.
Direkte politische Einflussnahme gab es nicht. Für uns im Dorf war eigentlich mehr der Pfarrer die Bezugsperson. Wir sind alle zum Konfirmanden-Unterricht gegangen.
In meinem Umfeld war es so, dass bis 1955 viele Bauern aus dem Dorf abhauten, weil sie ihr Soll Zwangsabgaben nicht erfüllen konnten. Der drohenden Verhaftung haben sie sich durch Flucht entzogen. Das formte. Man sprach ja mit den Leuten. Dann fehlte mal wieder einer. Bei 350 Einwohnern im Dorf hat sich das natürlich sehr, sehr schnell rumgesprochen.
Johannes Rink, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Spieldauer: 2 Min.
hrsg. von: Historisches Dokumentationszentrum des Bürgerkomitees Sachsen Anhalt
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350