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Johannes Rink

Johannes Rink

Redaktion

Johannes Rink widerspricht den verlogenen Reden der SED-Propagandisten am 13. August 1961, dem der Tag des Mauerbaus und seinem Geburtstag. Für diese ausgesprochene Wahrheit muss er für Jahre hinter Gitter.

(© Privatarchiv Johannes Rink) (© Bürgerkomitee Magdeburg ) (© Edda Ahrberg )

Rostock 1959. Mit 18 Jahren gelingt es Johannes Rink, sich einen Jugendtraum zu erfüllen: Nach einer ungeliebten Bäckerlehre heuert er als Seemann bei der Fischfangflotte der DDR an. Bald schon geht es auf große Fahrt. Johannes Rink sieht ein Stückchen von der Welt und kann sich bei der Durchfahrt im Nord-Ostsee-Kanal westliche Zeitungen und Zeitschriften kaufen. Wenn er nach Hause in sein Dorf kommt, hat er viel zu erzählen.

Am 13. August 1961 feiert Johannes Rink in Rostock seinen 20. Geburtstag im Kreise seiner Kollegen. Während der Feier verbreiten sich die neuesten Nachrichten aus Berlin: Die Interner Link: Sektorengrenze ist hermetisch von Interner Link: Kampfgruppen und Volkspolizei abgeriegelt. Damit ist das letzte Schlupfloch in den Westen gestopft. Die jungen Seeleute lassen sich von den Radiomeldungen nicht die gute Laune verderben, denn die Interner Link: Mauer scheint die jungen Hochseefischer nicht zu betreffen: Regelmäßig laufen sie Häfen in Norwegen, Island und Kanada an. Wer von ihnen wirklich weg wollte, hätte dazu die Möglichkeiten. Und am nächsten Tag sollen sie mit ihren Fangschiffen wieder auslaufen.

Am nächsten Morgen gibt es jedoch eine Überraschung. Die Besatzungen der fünf Schiffe, die auslaufen sollen, werden im Speiseraum des Fischkombinats zusammengerufen. Eine Instrukteurin der Interner Link: SED soll Einzelheiten zur Grenzsicherung erläutern. Sie schiebt die Verantwortung auf den Westen, der die DDR angeblich überfallen wollte, behauptet, die Sicherung der Staatsgrenze hätte den Frieden gerettet.

„Wir waren jung, wir waren mutig, und wir hatten im Interner Link: RIAS die wahren Gründe gehört“, erzählt Johannes Rink heute. Während die Genossin ihre Parolen verbreitet, platzt ihm der Kragen. Er unterbricht sie und spricht Klartext. Er sagt, was ohnehin alle wissen: „Ihr habt die Grenze zugemacht, weil die Leute abhauen. Euer System hat abgewirtschaftet [...].“ Nun ist der Damm gebrochen. Die Rednerin wird von den Arbeitern niedergeschrieen. Tumult bricht aus. Die Seeleute verlassen den Versammlungsraum und gehen zu ihren Schiffen.

Die Schiffe laufen aus. Noch einmal sieht Johannes Rink den Nordatlantik und Norwegen. „Der Vorgang war abgehakt, keiner hat mehr daran gedacht“, sagt er im Nachhinein. Doch als das Fangschiff am 10. Oktober 1961 nach Rostock zurückkehrt, gibt es ein böses Erwachen: Im Hafen wartet eine schwarze Limousine des Typs EMW. Dieses Auto fährt damals die Interner Link: Staatssicherheit. Die Stasi-Mitarbeiter fordern Johannes Rink auf, zur „Klärung eines Sachverhalts“ mitzukommen. Sie fahren ihn in die Untersuchungshaftanstalt der Interner Link: Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit. Dort beginnen die Vernehmungen. Noch immer glaubt Johannes Rink nicht, dass sein Diskussionsbeitrag am 14. August 1961 ernsthafte Folgen haben könnte. Er beruft sich auf die Interner Link: Meinungsfreiheit, die in der Verfassung der DDR garantiert ist.

Nach sieben Monaten Untersuchungshaft findet der Prozess statt: Johannes Rink wird zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Einen Großteil der Strafe sitzt er im Interner Link: Zuchthaus Brandenburg ab.

Biografische Angaben zu Johannes Rink finden sie im Interner Link: Personenlexikon.

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350