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Eisenberger Kreis II

Eisenberger Kreis II Abschrift

ich erreichen, daß mancher eine gewisse nationale u. persönliche Pflicht erkennt u. den Geist des Widerstandes bei Bekannten nicht verhehlt. Damit könnte eine weitergreifende Entwicklung ins Rollen gebracht werden.
Unsere zunächst örtlich konzentrierte Arbeit bedeutet natürlich, daß auch unsere Gegner sich bequem konzentrieren können. Trotzdem dürfte es unmöglich sein, uns gänzlich zum Schweigen zu bringen. Der Gegner darf nie wissen, wann, wo u. wie wir zuschlagen, denn einen gewissen Spielraum haben wir ja. Unsere Tätigkeit muß ausgefüllt sein mit originellen Einfällen, sodaß immer an einem Punkte angegriffen wird, wo wir nicht vermutet werden. Die Aktionen müssen hinsichtlich ihrer Durchführung so ungleichen Charakter wie nur möglich haben. Es liegen dazu bereits eine Anzahl von Plänen vor, auch der technisch-mechanischen Verbreitung, die ohne besondere Mittel die leicht zu beschaffen sind, realisiert werden können.
Durch die obigen Ausführungen soll die Frage nach der Möglichkeit einer anfangs beschriebenen Tätigkeit bejaht werden. Man kann einwenden, die angeführten mittel seien primitiv u. könnten auch keine absolute Sicherheit gewährleisten. Es ist Tatsache, daß es diese absolute Sicherheit nicht gibt, u. nicht nur keine absolute. Das Unternehmen ist nicht ungefährlich u. kann Opfer kosten. Jeder Einzelne u. alle zusammen können die Gefahr durch äußerste Vorsicht u. Beachtung aller Gefahrenquellen weitgehend vermindern. Es ist in der Ausübung natürlich primitiv, sich z. B. an eine ansteigende Bahnstrecke zu stellen, von der ein leidlich mit dem Fahrrad befahrbarer Weg bergab führt, u. in die Fenster eines vorbeifahrenden Zuges Flugblätter zu werfen. Andererseits ist dieser Versuch nicht primitiv, denn der Gegner wird ihn nicht vermuten u. ihn kaum verhindern können. (Diese Art der Verbreitung kann natürlich nicht ständig angewandt werden.). - Durch unsere flexible Tätigkeit muß es den Staatsorganen unmöglich gemacht werden, aus den erhaltenen Indizien irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Diese Dinge fallen jedoch unter ein besonderes Thema: Sicherheitsmaßregeln.
Jeder Beteiligte kann ohne besondere Anstrengung, ständig 15-20 Blätter verbreiten (Gärten, Vorgärten, Anlagen, Briefkästen usw.),+ außerdem müßten auch besondere Einsätze erfolgen( u. U. monatlich bis wöchentlich je nach Lage der Dinge). Man beachte, daß es noch weitere Möglichkeiten gibt, Ideen zu publizieren.
Schließlich muß nochmals angeführt werden, daß die Hauptarbeit, selbst wenn alles Zubehör geliefert wird, in der gedanklichen Arbeit des Einzelnen bestehen wird. Ein ständiges Unsicherheitsgefühl wird die erfüllte Aufgabe hervorrufen u. alle nur möglichen Kombinationen werden ein wesentlicher Faktor der Abwehr sein.
Zuletzt sei erwähnt, daß in Zukunft die Verbreitung durch die Luft angestrebt wird, welches die sicherste u. wirkungsvollste Methode ist. Gemeinsames Interesse u. Beteiligung können diesen Plan, der der fortgeschrittenen Technik entspräche u. der unbedingt verwirklicht werden muß, zu einem Erfolge in absehbarer Zeit führen( Die vordem erwähnte Mittel haben hiermit nichts zu tun ).

* trotz höchster Alarmstufe, vorausgesetzt, man ist frei von jeglichem Verdacht.
Der Eisenberger Kreis ist eine lose organisierte Gruppe, die streng konspirativ arbeitet. Es gibt keine hierarchischen Strukturen und keinen Vorstand. Zu Beginn gehören etwa ein Dutzend Personen dazu: Schüler, Studenten, Lehrlinge und junge Arbeiter. Nach mehren Jahren Widerstandsarbeit fassen Thomas Ammer und Peter Hermann ihre Erfahrungen in Form einer methodischen Anleitung zusammen. Durch den Verrat der Gruppe im Februar 1958 kann jedoch die „Propaganda des Widerstandes“ nicht fertiggestellt werden. Im Bild: die überlieferten Fragmente der Konzeption des Eisenberger Kreises. (© Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie), Seite 2 von 2 )