Eisenberger Kreis II
Wie bereits gegen die Volkskammerwahlen von 1950 wehren sich vor allem jugendliche Oppositionelle gegen die Wahlen vom 17. Oktober 1954. Der
wiederholte Wahlschwindel der SED motiviert die Schülergruppe um Thomas Ammer, den langen Diskussionen nun Taten folgen zu lassen. Sie stellen dieses handgeschriebene Plakat im DIN-A-4-Format her, auf dem sie dazu aufrufen, gegen die Nationale Front zu stimmen. Von diesem Aufruf verteilen sie im Schutze der Dunkelheit einige Dutzend Exemplare in Eisenberg. Dem MfS dient dieses Plakat später als Beweismaterial für die Verurteilung des Eisenberger Kreises vor dem Bezirksgericht in Gera.
Der Eisenberger Kreis ist eine lose organisierte Gruppe, die streng konspirativ arbeitet. Es gibt keine hierarchischen Strukturen und keinen Vorstand.
Zu Beginn gehören etwa ein Dutzend Personen dazu: Schüler, Studenten, Lehrlinge und junge Arbeiter. Nach mehren Jahren Widerstandsarbeit fassen Thomas Ammer und Peter Hermann ihre Erfahrungen in Form einer methodischen Anleitung zusammen. Durch den Verrat der Gruppe im Februar 1958 kann jedoch die „Propaganda des Widerstandes“ nicht fertiggestellt werden. Im Bild: die überlieferten Fragmente der Konzeption des Eisenberger Kreises.
Der Eisenberger Kreis ist eine lose organisierte Gruppe, die streng konspirativ arbeitet. Es gibt keine hierarchischen Strukturen und keinen Vorstand.
Zu Beginn gehören etwa ein Dutzend Personen dazu: Schüler, Studenten, Lehrlinge und junge Arbeiter. Nach mehren Jahren Widerstandsarbeit fassen Thomas Ammer und Peter Hermann ihre Erfahrungen in Form einer methodischen Anleitung zusammen. Durch den Verrat der Gruppe im Februar 1958 kann jedoch die „Propaganda des Widerstandes“ nicht fertiggestellt werden. Im Bild: die überlieferten Fragmente der Konzeption des Eisenberger Kreises.
Der Eisenberger Kreis bringt seine politischen Forderungen an öffentlichen Einrichtungen an. Peter Hermann und zwei andere Mitglieder der Gruppe
malen am 21. Oktober 1956 die Losung „Polen ruft Deutschland“ mit roter Farbe an einen Eisenbahnwaggon auf dem Bahnhof Hainspitz. Die Bahnarbeiter, die das am nächsten Morgen bemerken, benachrichtigen nicht die Polizei, sondern hängen die Waggons planmäßig an den Pendlerzug nach Eisenberg an. Dort läuft der Zug für viele sichtbar in den Bahnhof ein.
Diese Losung, die sich auf die Ereignisse in Polen und Ungarn bezieht, wird von Mitgliedern des Eisenberger Kreises am 21. Oktober 1956 an einem
Bahnwaggon auf dem Bahnhof Hainspitz angebracht. Der Zug fährt bis zum Bahnhof Eisenberg.
Protest gegen die Militarisierung der DDR-Gesellschaft: In einer spektakulären Aktion zündet der Kreis um Thomas Ammer einen GST-Schießstand in
Eisenberg an. Diese Aktion ist untypisch für den Kreis, weil er für gewaltfreien Widerstand eintritt.
Der Schießstand der GST, den Mitglieder des Eisenberger Kreises niedergebrannt haben, wird nicht wiederaufgebaut. Im Bild: die Reste der ehemaligen
Anlage in den 1990er Jahren.
Politische Forderungen des Eisenberger Kreises: Hier hat das MfS die Losung „Wahlen!“ an einer Häuserwand an der Bahnlinie zwischen Eisenberg und
Gera dokumentiert.
Clevere Idee: Durch eine von einem Motorrad gezogene Farbwalze planen Peter Hermann und Ludwig Götz die Beschriftung der Autobahn. Wegen technischer
Schwierigkeiten wird die Aktion jedoch nicht durchgeführt. Im Bild: die angefertigten Räder, in die die Gummiwalzen eingesetzt werden sollten.
Politische Forderungen des Eisenberger Kreises: Hier hat das MfS die Losung „Nieder die SED!“ an einer Häuserwand an der Bahnlinie zwischen
Eisenberg und Gera dokumentiert.
Mit einem handelsüblichen Kinderstempelkasten fertigt der Eisenberger Kreis im November 1956 dieses Flugblatt zum Aufstand in Ungarn an.
Die Mitglieder der Gruppe müssen aufpassen, kein verdächtiges Material zu Hause aufzubewahren. Dennoch verstecken einige Schriftstücke und
verbotene Literatur in Hohlräumen von Türrahmen oder unter dem Kohlenhaufen im Keller. Sicherer sind verschiedene Depots in der Umgebung von Eisenberg. Zu den versteckten Büchern gehört auch Wolfgang Leonhards „Die Revolution entlässt ihre Kinder“.
Zum ersten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des Ungarn-Aufstands plant die Gruppe 1957 den Versand eines „Aufrufs an die mitteldeutschen
Hochschullehrer“, der an die Universitäten Jena, Leipzig und Halle verschickt werden soll. Unter enormen Schwierigkeiten beschaffen die Jugendlichen sich Papier, Briefmarken, Wachsmatrizen und Briefumschläge sowie eine alte Schreibmaschine. Da trotz vielfältiger Vorsichtsmaßnamen doch Fingerabdrücke auf die Flugblätter geraten, wird die Aktion abgeblasen.
Nach seiner Verhaftung im Februar 1958 wird Johann Frömel aus der NDPD ausgeschlossen.
Die Mitglieder des Eisenberger Kreises, die auch Einwohner von Eisenberg waren, erhalten am 27. April 2000 vom Bürgermeister die Ehrenmedaille
Eisenbergs. V.l.n.r.: Joachim Marckstadt, Ludwig Götz, Peter Hermann, Rudolf Rabold, Johann Frömmel, der Bürgermeister Eisenbergs, Thomas Ammer, Peter Roland, Wilhelm Ziehr, Günter Schwarz.