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Eisenberger Kreis II

Eisenberger Kreis II Abschrift

Propaganda des Widerstandes
000160
BStU
000185
In dieser Zusammenstellung wird lediglich die Verbreitung vorliegender Ideen behandelt. Wir könnten mit Aufrufen allgemeiner Art hervortreten sowie mit Aufrufen, die einen genau umschriebenen Zweck, eine bestimmte Aktion zum Ziele haben. (Boykott einer Veranstaltung oder Institution u.a.). Erstere haben möglicherweise zeitlichen Vorrang, da die Bevölkerung irgendwie Vorbereitet werden muß, da der Gedanke eines Widerstandes u. seiner Möglichkeiten noch sehr wenig verbreitet ist, es ist nötig, sich zunächst mit den vorhandenen Kräften auf ein eng umschriebenes Gebiet (größere Stadt od. Kreis) zu beschränken.
Wenn man sich über die Methoden einer solchen Tätigkeit Gedanken macht, so stellt sich zunächst die Frage, ob ein derartiges Vorgehen unter den gegenwärtigen Verhältnissen überhaupt eine Wirkung hervorrufen kann, weiter, ob ein solches Unternehmen, ständig am gleichen Ort durchgeführt, durch die Staatsorgane unmöglich gemacht werden kann. Es steht fest, daß ein systematisches Austragen von Flugblättern nach einem 1., für uns relativ ungefährlichen Schlage sofort unmöglich wird. Jede weitere Aktion wird zu entsprechender Verstärkung der uniformierten u. zivilen Streifen führen, die sehr bald auch auf Hunde zurückgreifen werden. Mit einbrechender Dunkelheit würde in jeder einzelnen Straße patrouilliert werden, man würde übersichtliche Stellen wie Balkons u. Fenster an Straßenecken besetzen, eine große Zahl u- licher Streifenwagen würden die Straßen abjagen u- nach einem neuen Plan mit den Streifen zu Fuß Verbindung halten. Weiter findet sich abends ein geringerer Teil der Bevölkerung auf der Straße als am Tage u. es ist den Staatsorganen möglich, einen großen Teil der nach Einbruch der Dunkelheit im Freien befindlichen Leute zu stellen; dieser Teil wird sich mit fortgeschrittener Uhrzeit erhöhen.
6 Mann dürften wohl in der Lage sein, den eben geschilderten Zustand auszulösen, nach diesem Schlage wäre jedoch die Fortsetzung des Angriffs unbedingt erforderlich, u. die Wirksamkeit würde mit der Zeit erheblich zunehmen. Eine gespannte Lage wird offen dokumentiert u. auch dem letzten Träumer auffällig werden, damit wird auch die teilweise völlig zum Stillstand gekommene Bewegung wieder belebt werden. Auch eine Wirkung in den Kreisen der untersten Funktionäre u. Parteimitglieder, deren Verwirrung ohnehin nur mit größter Anstrengung zu einer Komponente gebündelt wird, würde, wenn auch nicht sehr deutlich sichtbar, kaum ausbleiben.-
Wir sind vorläufig nicht stark genug, um über örtliche Aktionen hinauszugehen, worunter auch solche an Orten in der Umgebung einer größeren Stadt (ca 15 km) zu verstehen wären, um eine gewisse Diffusion von außen nach innen auszunutzen. Jed weiter entfernt ansetzende Aktion, wenn mit dem Zentrum nicht starker Berufsverkehr besteht, bedeutet Zersplitterung u. hat nur taktischen Wert. Durch Ruckartigkeit solcher Seitenschläge u. Verschiedenheit kann allerdings bei den Staatsorganen Verwirrung u. der Glaube an eine erhebliche Ausweitung der Bewegung hervorgerufen werden. Diese Entwicklung wäre zwar wertvoll hinsichtlich der hieraus zu ziehenden Zukunftsschlüsse, verläuft aber nicht in Richtung unseres Zieles, der Bevölkerung in einem bestimmten Gebiet die ständige Angst zu nehmen u. zu einer festen u. bewußten Haltung zu bringen. Eine große Ausdehnung unseres Tätigkeit ohne die Möglichkeit permanenter Fortsetzung bliebe ohne Nachhaltigkeit u. würde sich u. U. gegen uns richten. Durch ständiges, vorsichtiges, unseren Kräften angemessenes Operieren, durch dauerndes Rühren, das unsere fortdauernde Existenz immer wieder beweisen muß, durch eine konsequente, kompromißlose Haltung könnte bei einem anfangs noch geringen Prozent satz charakterfester Menschen ein gewisses Vertrauen in den Sinn des Widerstandes begründet werden, daß sie sich durch Zusammenraffen ihrer inneren Kräfte von dem Trommelfeuer der Presse u brutalem Agitation nicht einschüchtern lassen. Vielleicht lä
Der Eisenberger Kreis ist eine lose organisierte Gruppe, die streng konspirativ arbeitet. Es gibt keine hierarchischen Strukturen und keinen Vorstand. Zu Beginn gehören etwa ein Dutzend Personen dazu: Schüler, Studenten, Lehrlinge und junge Arbeiter. Nach mehren Jahren Widerstandsarbeit fassen Thomas Ammer und Peter Hermann ihre Erfahrungen in Form einer methodischen Anleitung zusammen. Durch den Verrat der Gruppe im Februar 1958 kann jedoch die „Propaganda des Widerstandes“ nicht fertiggestellt werden. Im Bild: die überlieferten Fragmente der Konzeption des Eisenberger Kreises. (© BStU, MfS, Ast. Gera AU 33/58 (AST GA, Bd. 8, S. 185f.), Seite 1 von 2 )