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4. November 1989

4. November 1989

Redaktion

Am 4. November 1989 bleibt in Ost-Berlin keiner zu Hause. Treffpunkt für die größte systemkritische Demonstration der deutschen Nachkriegsgeschichte ist das ADN-Gebäude an der Ecke Mollstraße und Prenzlauer Allee.

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Die größten Demonstrationen gegen das alte Regime finden im September und Oktober 1989 in Leipzig statt. Den Höhepunkt erreichen die Leipziger Proteste am 30. Oktober 1989, als gut 300.000 Menschen an der Interner Link: Montagsdemonstration teilnehmen. Das Berliner Interner Link: Neue Forum initiiert nun auch für die Hauptstadt der DDR eine Großdemonstration. Sie wollen unmittelbar vor den Augen der Partei- und Staatsführung zeigen, dass ihre Forderung nach Demokratie mittlerweile von einem großen Teil der Bevölkerung getragen wird.

Nach der brutal niedergeschlagenen Demonstration in Ost-Berlin rund um die Feierlichkeiten des 40. Republikgeburtstags der DDR am 7. Oktober 1989 gibt es in der Hauptstadt weitere Demos. An ihnen nehmen Tausende Bürger teil; der Großteil von ihnen ist jung. In Berlin gehen in dieser Zeit bei Weitem nicht so viele Menschen auf die Straße wie in Leipzig. Die Bürgerbewegung Interner Link: Neues Forum, namhafteste oppositionelle Organisation der Revolutionszeit, schlägt vor, unter Beteiligung berühmter systemkritischer Künstler eine legale Demonstration in Ost-Berlin anzumelden.

Der Ostberliner Schauspieler Werner Holz, Mitglied der aus Theaterleuten gebildeten Vorbereitungsgruppe, meldet die Demo für den 4. November 1989 an. Als Hauptforderung des Protests geben die Veranstalter die Einhaltung der Artikel 27 und 28 der Verfassung der DDR an. Diese sichern den DDR-Bürgern – theoretisch – Interner Link: Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit zu.

Oppositionelle, Künstler, Jenossen, janz normale Bürjer ...

Im Vorfeld der Demonstration wird unter den Veranstaltern vor allem die Frage diskutiert, wie ein Ausbruch von Gewalt, von welcher Seite auch immer, verhindert werden kann. Es gelingt, mit der Volkspolizei eine Sicherheitspartnerschaft zu vereinbaren. Diese Vereinbarung sieht vor, dass sich die offiziellen Ordnungshüter weitgehend zurückziehen. Zu Recht befürchten die Veranstalter, dass ein Großaufgebot der Volkspolizei böse Erinnerungen an die Vorgänge vom 7. Oktober 1989 wachrufen würde. Die Veranstalter bürgen für einen friedlichen Verlauf des Protests.

Dutzende Helfer, zahlreiche Schauspieler und Mitglieder der oppositionellen Gruppen legen sich grün-gelbe Schärpen mit der Aufschrift „Keine Gewalt“ um und begleiten die Demo als Ordner. Wie vereinbart sind – ganz anders als in den letzten Wochen – am 4. November 1989 tatsächlich kaum Uniformierte im Berliner Stadtzentrum zu sehen.

Schon ab dem frühen Morgen strömen Hunderte Menschen zum Alexanderplatz. Aus ihnen werden schnell Tausende, dann Zehntausende. Gegen Mittag haben sich im Zentrum der DDR-Hauptstadt fast eine halbe Million Menschen versammelt. Es ist die größte systemkritische Demonstration der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Viele tragen selbst entworfene Transparente mit Losungen wie „Eure Politik ist zum Davonlaufen“, „Wir wollen endlich Taten sehen, sonst sagen wir Auf Wiedersehen“, „Rücktritt ist Fortschritt“, „Das Volk sind wir, gehen sollt ihr“, „Mein Vorschlag für den 1. Mai, die Führung zieht am Volk vorbei!“. (Bildergalerie)

... am 4. November 1989 bleibt in Ost-Berlin keena zu Hause

Interner Link: Günter Schabowski, Mitglied des Interner Link: Politbüros der Interner Link: SED, spricht ebenso wie der ehemalige Interner Link: Stasi-General Interner Link: Markus Wolf vor den Demonstranten. Doch ihre Worte, die einen erneuerten Interner Link: Sozialismus mit der neuen Regierung predigen, finden kein Gehör mehr. Beide werden von Hunderttausenden ausgepfiffen. Großen Beifall ernten dagegen die Redner verschiedener Oppositionsgruppen und die Künstler. Sie sprechen die Missstände im Land an und fordern eine radikale Veränderung der DDR-Gesellschaft.

Observation der Massendemonstration am 4. November 1989

Unter anderem sprechen Interner Link: Jens Reich vom Interner Link: Neuen Forum, Interner Link: Friedrich Schorlemmer vom Interner Link: Demokratischen Aufbruch, Interner Link: Marianne Birthler von der Interner Link: Initiative Frieden und Menschenrechte, die Schriftstellerin Interner Link: Christa Wolf und der Schriftsteller Interner Link: Christoph Hein. Sie verlangen ein Ende des Führungsanspruchs der SED, die Abschaffung der Stasi, die Abhaltung freier Wahlen – alles konkrete Schritte, um endlich die Demokratisierung der DDR zu erreichen.

Immer wieder ertönen während der Reden Sprechchöre über den Alexanderplatz, die diese Forderungen aufnehmen und die aus Leipzig bekannten Parolen wiederholen: „Wir sind das Volk!“, „Stasi in die Volkswirtschaft!“, „Visafrei bis Hawaii!“. Die Demonstranten spüren, dass es nun keine Umkehr mehr gibt. Ein neues Selbstvertrauen beflügelt die Teilnehmer, von denen sich viele an diesem Tag zum ersten Mal mit ihren Protesten gegen das System auf die Straße wagen.

Die DDR-Führung versucht – jetzt unter der Regie von Interner Link: Egon Krenz – das Zepter durch ein paar faule Kompromisse zurückzugewinnen. Dieser Versuch schlägt fehl. Auch die Preisgabe einiger unwichtiger Privilegien interessiert die Bürger nicht. Das DDR-Volk hat genug von seiner Führung.

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350