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Solidarisierung mit der Umwelt-Bibliothek

Solidarisierung mit der Umwelt-Bibliothek

Redaktion

Der Überfall auf die Umwelt-Bibliothek ist für die Stasi ein Eigentor. Die Mahnwache in der Zionskirche fördert die Solidarität der Bevölkerung mit den Verhafteten der Aktion „Falle“. Und überall in der DDR entstehen weitere Umweltbibliotheken nach dem Berliner Vorbild.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_11617) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Ann-Christine Jannson/RHG_Fo_HAB_15188) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke/RHG_Fo_HAB_10052) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke/RHG_Fo_HAB_10053) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0924) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_10212) (© BStU, MfS, HA XX/Fo/43 ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Ann-Christine Jansson/RHG_Fo_HAB_15192) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke/RHG_Fo_HAB_10055) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Ann-Christine Jansson/RHG_Fo_HAB_10057)

Die Aktion „Falle“ der Interner Link: Stasi vom 24. November 1987 führt DDR-weit zur Solidarisierung mit den Mitgliedern der Berliner Umwelt-Bibliothek (UB). Es protestieren sowohl Einzelpersonen als auch Oppositionsgruppen. Zum Erfolg des Protests trägt wesentlich die aktive Einbindung der Westmedien bei.

Noch in der Nacht des Überfalls, kurz nach den Festnahmen, benachrichtigt Pfarrer Interner Link: Hans Simon die Bürgerrechtlerin Interner Link: Bärbel Bohley. Die ruft sofort den zwangsausgebürgerten Roland Jahn in West-Berlin an. Roland Jahn informiert die Medien im Westen und ruft außerdem seine Bekannten in Ost-Berlin an. Im Schneeballsystem verbreitet sich die Meldung vom Stasi-Überfall. Bereits am Morgen des 25. November sind Drehteams der Interner Link: ARD vor Ort, berichten über die Ereignisse und führen Interviews mit Betroffenen und Sympathisanten, die sich schon seit den Morgenstunden an der Kirche versammeln.

Beim Versuch, eine spontane Demonstration gegen den Überfall zu organisieren, werden im Umfeld der Kirche sofort einige Aktivisten festgenommen. Die übrigen entschließen sich, eine dauerhafte Mahnwache für die Inhaftierten an der Interner Link: Zionskirche einzurichten. Damit etabliert sich eine neue öffentliche Aktionsform der Oppositionsgruppen, die, anders als Interner Link: Fürbittgottesdienste, auch außerhalb der Kirche wahrnehmbar ist.

Die Mahnwache fordert die sofortige Freilassung der Inhaftierten, die Einstellung der Ermittlungsverfahren, die Herausgabe der beschlagnahmten Sachen und eine Bestandsgarantie für die weitere Arbeit der UB.

Die Buschtrommel in Ost und West funktioniert

In einem Büro der Interner Link: Zionsgemeinde wird ein Kontakttelefon eingerichtet, das rund um die Uhr besetzt ist. Hier treffen alle Solidaritätsmeldungen ein. Von hier aus werden, besonders in Richtung West-Berlin, neue Informationen über den Stand des „Kampfes um Zion“ herausgegeben.

Rings um die Kirche sind zahlreiche Stasi-Leute und Polizisten postiert. Die Mahnwache findet zunächst vor der Kirche statt, zieht sich aber angesichts drohender weiterer Verhaftungen in den Kirchenraum zurück. Dennoch gelingt es der Stasi nicht, den Protest vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Ein Drehteam der ARD ist beinahe ständig vor Ort und berichtet ausführlich über die Mahnwache. Das Team filmt auch, wie ein großes Protestplakat am Kirchturm aufgehängt wird, das erst nach einiger Zeit mithilfe der Feuerwehr entfernt werden kann.

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Viele Anwohner und auch die West-Korrespondenten verfolgen das Geschehen. Manche Nachbarn empören sich lautstark, andere solidarisieren sich. Ein Bäckermeister bringt den Aktivisten der Mahnwache frische Brötchen – dabei spaziert er durch den Ring der Stasi-Bewacher hindurch. Die Mahnwache motiviert nun auch Menschen zum Protest, die sonst nicht das Geringste mit der Oppositionsszene zu tun haben.

In der DDR versichern zahlreiche kirchliche Gemeinden, Umweltschutz- und Menschenrechtsgruppen der UB und der Zionskirche ihre Unterstützung. Auch Gruppen, zwischen denen es programmatische Differenzen gibt, finden in dieser großen Solidaritätsaktion zusammen. Die Vernetzung der DDR-Oppositionsgruppen erreicht damit eine neue Qualität. Vor allem die Haftbefehle gegen Interner Link: Wolfgang Rüddenklau und Interner Link: Bert Schlegel, beide wichtige Aktivisten in der UB, sorgen für anhaltenden Protest. Die Evangelische Kirche fordert ihre Gemeinden auf, deren „Aktivitäten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung unbeirrt und geduldig fortzusetzen“.

Der Kampf um Zion lässt den Widerstand erneut aufflammen

Zahlreiche Protestschreiben werden an den Vorsitzenden des Interner Link: Staatsrats Interner Link: Erich Honecker gerichtet. Neben DDR-Bürgern wenden sich auch zunehmend Bürger und Organisationen aus der Bundesrepublik an Interner Link: die Partei- und Staatsführung. Auch Interner Link: Petra Kelly und Interner Link: Gert Bastian – sie Mitglied des Deutschen Bundestags für die Grünen, er ebenfalls im Bundestag sitzender ehemaliger General und jetzt Friedensaktivist – schreiben an Interner Link: Erich Honecker. Sie zeigen sich, wie viele andere auch, bestürzt über das Vorgehen der Sicherheitsorgane und fordern eine „sofortige Einstellung der Repression und die umgehende Freilassung aller Inhaftierten“.

Mitglieder der UB wenden sich mit der Bitte um Unterstützung auch an eine offizielle Organisation in der DDR, jedoch vergeblich. Sie verfassen am 26. November 1987 einen Brief an den gerade eröffneten 10. DDR-Schriftstellerkongress und fordern die Unterstützung durch die Schriftsteller und den Interner Link: PEN-Club, die ihnen verweigert wird.

Letztlich ist der Überfall auf die UB für die Stasi ein Eigentor. Neben der starken Solidarisierung hat er eine weitere Auswirkung, die die DDR-Oberen so sicher nicht geplant haben: In Anlehnung an das Berliner Modell werden neue Umweltbibliotheken an vielen Orten der DDR gegründet, so in Greifswald, Großhennersdorf, Stralsund, Dresden, Zwickau, Jena, Görlitz und Halle.

Über die Erfolge der Solidaritätsaktionen, die schließlich mit der Freilassung aller Inhaftierten enden, berichten Uta Ihlow (damals 22), Till Bötcher (damals 17) und Peter Grimm (damals 22) im Zeitzeugen-Interview.

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350