Solidarisierung mit der Umwelt-Bibliothek
Der Überfall auf die Umwelt-Bibliothek ist für die Stasi ein Eigentor. Die Mahnwache in der Zionskirche fördert die Solidarität der Bevölkerung mit den Verhafteten der Aktion „Falle“. Und überall in der DDR entstehen weitere Umweltbibliotheken nach dem Berliner Vorbild.
Am 25. November 1987 informiert Carlo Jordan in der Ostberliner Zionskirche über den nächtlichen Überfall des MfS auf Räume der Gemeinde. Im Namen
der Mahnwache und der Umwelt-Bibliothek fordert er die sofortige Freilassung der verhafteten Mitarbeiter und die Rückgabe der beschlagnahmten Druckmaschinen, auf denen die Umweltblätter und der grenzfall vervielfältigt werden.
Mahnwache für die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Umwelt-Bibliothek: Kerzen und selbst gemachte Transparente in den Räumen der
Zionskirche.
Transparent zur Mahnwache in der Zionskirche.
Transparent zur Mahnwache in der Zionskirche.
Bereits am 25. November 1987 protestieren Petra Kelly und Gerd Bastian bei Erich Honecker gegen die Verhaftung von Mitgliedern der Umwelt-Bibliothek.
Karikatur von Dirk Moldt als Aufruf zur Mahnwache für die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Umwelt-Bibliothek.
Mahnwache vor der Zionskirche: Sie beschränkt sich nicht mehr nur auf den innerkirchlichen Raum. So wird in der DDR zum ersten Mal eine öffentliche
Mahnwache als Form der politischen Aktion entdeckt und durchgeführt.
Die Verhaftung von Mitgliedern der Umwelt-Bibliothek löst eine republikweite Solidarisierungswelle aus. Auch Johanna Kalex (Bildmitte) von der Gruppe
Wolfspelz aus Dresden besucht die Mahnwache in der Zionskirche.
Mahnwache in der Zionskirche: Das MfS filmt den Hof des Gemeindehauses in der Griebenowstraße 16 und wird dabei von Siegbert Schefke fotografiert.
Bei der Zionskirchen-Mahnwache: Wolfgang Rüddenklau wurde gerade aus der Stasi-Haft freigelassen (28. November 1987).
Die Aktion „Falle“ der
Noch in der Nacht des Überfalls, kurz nach den Festnahmen, benachrichtigt Pfarrer
Beim Versuch, eine spontane Demonstration gegen den Überfall zu organisieren, werden im Umfeld der Kirche sofort einige Aktivisten festgenommen. Die übrigen entschließen sich, eine dauerhafte Mahnwache für die Inhaftierten an der
Die Mahnwache fordert die sofortige Freilassung der Inhaftierten, die Einstellung der Ermittlungsverfahren, die Herausgabe der beschlagnahmten Sachen und eine Bestandsgarantie für die weitere Arbeit der UB.
Die Buschtrommel in Ost und West funktioniert
In einem Büro der
Rings um die Kirche sind zahlreiche Stasi-Leute und Polizisten postiert. Die Mahnwache findet zunächst vor der Kirche statt, zieht sich aber angesichts drohender weiterer Verhaftungen in den Kirchenraum zurück. Dennoch gelingt es der Stasi nicht, den Protest vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Ein Drehteam der ARD ist beinahe ständig vor Ort und berichtet ausführlich über die Mahnwache. Das Team filmt auch, wie ein großes Protestplakat am Kirchturm aufgehängt wird, das erst nach einiger Zeit mithilfe der Feuerwehr entfernt werden kann.
27. November 1987, gegen acht Uhr morgens: Weithin sichtbar bringen Teilnehmer der Mahnwache ein Transparent am Kirchturm der Zionskirche an, auf dem
sie die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Umwelt-Bibliothek fordern. Polizei und Stasi haben schon die Feuerwehr gerufen.
Gegen 8.05 Uhr trifft die Feuerwehr ein, um das Transparent zu entfernen.
Die Feuerwehr entfernt das Transparent vom Kirchturm.
Viele Anwohner und auch die West-Korrespondenten verfolgen das Geschehen. Manche Nachbarn empören sich lautstark, andere solidarisieren sich. Ein Bäckermeister bringt den Aktivisten der Mahnwache frische Brötchen – dabei spaziert er durch den Ring der Stasi-Bewacher hindurch. Die Mahnwache motiviert nun auch Menschen zum Protest, die sonst nicht das Geringste mit der Oppositionsszene zu tun haben.
In der DDR versichern zahlreiche kirchliche Gemeinden, Umweltschutz- und Menschenrechtsgruppen der UB und der Zionskirche ihre Unterstützung. Auch Gruppen, zwischen denen es programmatische Differenzen gibt, finden in dieser großen Solidaritätsaktion zusammen. Die Vernetzung der DDR-Oppositionsgruppen erreicht damit eine neue Qualität. Vor allem die Haftbefehle gegen
Der Kampf um Zion lässt den Widerstand erneut aufflammen
Zahlreiche Protestschreiben werden an den Vorsitzenden des
Mitglieder der UB wenden sich mit der Bitte um Unterstützung auch an eine offizielle Organisation in der DDR, jedoch vergeblich. Sie verfassen am 26. November 1987 einen Brief an den gerade eröffneten 10. DDR-Schriftstellerkongress und fordern die Unterstützung durch die Schriftsteller und den
Letztlich ist der Überfall auf die UB für die Stasi ein Eigentor. Neben der starken Solidarisierung hat er eine weitere Auswirkung, die die DDR-Oberen so sicher nicht geplant haben: In Anlehnung an das Berliner Modell werden neue Umweltbibliotheken an vielen Orten der DDR gegründet, so in Greifswald, Großhennersdorf, Stralsund, Dresden, Zwickau, Jena, Görlitz und Halle.
Über die Erfolge der Solidaritätsaktionen, die schließlich mit der Freilassung aller Inhaftierten enden, berichten Uta Ihlow (damals 22), Till Bötcher (damals 17) und Peter Grimm (damals 22) im Zeitzeugen-Interview.
Der Überfall der Stasi auf die Umwelt-Bibliothek und die Verhaftung der Mitarbeiter wird schnell über die Westmedien bekannt. Es kommt zu einer regelrechten Welle der Solidarität.
Meine Eltern sind noch viel enger an mich rangerückt, mit viel mehr Vertrauen. Ich glaube, in dem Moment, wo ihr Kind bedroht wurde, spätestens dann haben sie sich komplett entschieden. Ich denke, ohne die
Uta Ihlow, Zeitzeugin auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 2 Min.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350