„Wir trauern um unsere Zukunft.“ – Oberschüler Protest in Anklam
In Anklam werden Schüler einer Erweiterten Oberschule massiv unter Druck gesetzt, sich für einen längeren Militärdienst zu verpflichten. Doch Druck erzeugt Gegendruck und die Schüler verweigern sich.
Bericht des MfS über die Verurteilung der Anklamer Oberschüler. Unter ihnen Rainer Penzel, der zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wird.
Bericht des MfS über die Verurteilung der Anklamer Oberschüler. Unter ihnen Rainer Penzel, der zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wird.
Bericht des MfS über die Verurteilung der Anklamer Oberschüler. Unter ihnen Rainer Penzel, der zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wird.
Trotz seiner Verurteilung und der Relegierung von der Schule kann Rainer Penzel das Abitur nachholen und Lehrer werden. Die Vergangenheit holt ihn
aber wieder ein: Am 18. Juni 1970 wird ein Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet. Der Vorwurf: Es fehle ihm an einem „klassenmäßigen Standpunkt“ in der Auseinandersetzung mit dem Imperialismus. Das Fazit: Berufsverbot.
Trotz seiner Verurteilung und der Relegierung von der Schule kann Rainer Penzel das Abitur nachholen und Lehrer werden. Die Vergangenheit holt ihn
aber wieder ein: Am 18. Juni 1970 wird ein Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet. Der Vorwurf: Es fehle ihm an einem „klassenmäßigen Standpunkt“ in der Auseinandersetzung mit dem Imperialismus. Das Fazit: Berufsverbot.
Am 25. März 1992 wird Rainer Penzel vom Bezirksgericht Neubrandenburg rehabilitiert.
Keine Lust auf staatlich verordneten Gesangsunterricht: Franz Ritschel, ehemaliger Schüler der Geschwister-Scholl-Oberschule Anklam.
Nach dem Ende der Sommerferien, im September 1961, beginnt in den Schulen der DDR die verordnete Kampagne „Das Vaterland ruft – Schützt die sozialistische Republik“. Die männlichen Jugendlichen sollen sich „freiwillig“ zum zweijährigen Dienst in der
So auch an der
Am nächsten Tag tritt die gesamte Schule zum
Die 12b trauert um ihre Zukunft. Todesursache: der rote Bonbon
Diese winzige, aber doch deutliche Demonstration des Widerstandswillens beflügelt die Schüler der 12b. Am nächsten Tag, es ist der 20. September 1961, erscheinen alle schwarz gekleidet in der Schule. Als sie gefragt werden, was sie mit dieser Aufmachung bezwecken, antworten sie: „Wir trauern um unsere Zukunft.“ In der
Kurz darauf ist auch schon die
Aus politischen Gründen wird der Vorfall in der Geschwister-Scholl-Schule von Anklam über jedes Maß aufgebauscht. In einem Rundschreiben von
Schon einige Tage nach der Verhaftung werden 27 Schüler von der Schule relegiert. Das bedeutet: Ausschluss vom Abitur und damit auch vom Studium. Zeitrahmen: unabsehbar. Der Direktor der Schule und mehrere Lehrer werden entlassen.
Im Januar 1962 findet der Prozess statt. Rainer Prenzel erhält wegen „
Ab 1956 werden Jugendliche nach der Schulzeit und vor dem Studium zum „freiwilligen“ Beitritt zur NVA gedrängt. Der Druck sorgt für Unmut.
„Und zwar wurde dort sehr massiv geworben für den sogenannten freiwilligen Beitritt in die
Franz Ritschel:
„Die Wehrpflicht war ja eine Folge der Situation, dass keiner freiwillig hingehen wollte. Freiwillig war damals zwei Jahre. Und da agitierte man uns und sagte uns da schon, man wird uns jetzt nicht mehr in Ruhe lassen, bis wir überzeugt sind.“
„Und da waren wir natürlich überhaupt nicht mit einverstanden. Alle nicht. Und haben uns dagegen gesträubt, und wir waren wohl im weiten Umkreis die Einzigsten. Aber hier spielte jetzt eben doch die Sache … Wir waren ein Kollektiv.“
„Und dann kamen die aber, glaube ich, jeden Montag wieder. Und jeder Montag stand unter dem Kapitel, hier die Leute weichmachen.“
„Es hat sich ein Karussell ergeben, das uns immer reinbeförderte in das Direktorenzimmer. Dort saßen dann Parteisekretär und Schulleitung und haben uns sozusagen überzeugen wollen. Und dann haben sie uns wieder hinausbefördert, bis die nächsten reinkamen. Und das war also dann nach 14 Tagen doch schon so stressig für uns, dass wir in Unmut gerieten.“
„Und wir haben gesagt: Entweder holt uns in den Semesterferien oder nach dem Studium, aber lasst uns doch erst das Studium zu Ende machen.“
„Wir haben gesagt, die zwei Jahre sind verlorene Jahre. Die sind also 18, 21. Und fünf Jahre dran, das ist 27, 28. Das ist uns zu viel, wir wollen gleich. Die Armee brauchen wir nicht, das können wir mal weglassen.“
„Es wurde immer massiver, und zwar, wenn in der Anfangsphase noch gesagt wurde, dass man das von uns erwartet und der Staat uns ja auch die Ablegung des Abiturs ermöglicht – was ja auch nicht ganz ohne Kosten war. Und dann, das spätere Studium würde ja auch etwas kosten.“
„Und da wurde natürlich von der anderen Seite, wie das dann auch gang und gäbe war, der notwendige Gegendruck gemacht, sei es von einigen Lehrern politisch-ideologisch, aber sei es auch von dem Schuldirektor, bis hin zu massiven Bedrohungen: Entweder du unterschreibst, dass du zur Armee gehst, oder ich sorge dafür, dass du niemals einen Studienplatz kriegst – sinngemäß.“
„Ja, es ist ein altes Prinzip, wenn man nicht davon überzeugt ist: Aktion gleich Reaktion. Also, wenn man es übertreibt, dann will man nachher nicht mehr.“
Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm "Wie aus heiterem Himmel" (1998)
Produktion: 1998
Spieldauer: 3 Min.
hrsg. von: Koppfilm GmbH
© Koppfilm GmbH
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350