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Das Loch in der Mauer

Das Loch in der Mauer

Redaktion

Im Mai 1962 setzen vier West-Berliner Polizisten an der Ecke Bernauer und Schwedter Straße ein durchschlagendes Zeichen. Sie protestieren so gegen die Teilung ihrer Stadt.

(© Polizeihistorische Sammlung Berlin )

Ungläubiges Entsetzen in Ost und West: Am 13. August 1961 entsteht quer durch Berlin eine Interner Link: Mauer. Über Nacht werden mit Stacheldraht und Maschinenpistolen die Grenzen zu den drei Westsektoren geschlossen und für die Bevölkerung unpassierbar gemacht. Für viele Bürger auf beiden Seiten ist so der Weg zu ihrer Arbeitsstelle oder, schlimmer noch, zu Freunden und Familie versperrt. Berlin wird geteilt, und die Westmächte schauen zu.

Die Interner Link: SED-Führung unterdrückt jeden Protest gegen den Interner Link: Mauerbau mit exemplarischer Härte. In West-Berlin müssen Polizisten die aufgebrachte Menge von der Grenze fernhalten – oft mit Gewalt. Ihr Gewissenskonflikt ist groß: „Ich stärke dem Unrecht noch den Rücken und schreite gegen Gleichgesinnte ein“, beschreibt der damals erst 23-jährige Bereitschaftspolizist Hans Joachim Lazai seine Gefühle. „Doch man wusste ja […], wenn die jetzt losströmen, dass dann von drüben wahrscheinlich nicht Beifall geklatscht wird. Man musste damit rechnen, dass Schusswaffen eingesetzt werden.“

Eine begründete Vermutung. Von seinem Einsatzgebiet an der Bernauer Straße beobachtet Hans Joachim Lazai die Veränderungen aus nächster Nähe. So wird er Zeuge der zunehmenden Gewalt, der Feindseligkeiten, der menschlichen Schicksale und schließlich eines Fluchtversuchs, der tödlich endet. Unterdessen werden die Grenzanlagen immer undurchdringlicher. Die von der DDR-Führung eingesetzten Bauarbeiter ersetzen den Stacheldraht langsam, aber stetig durch eine kompakte Mauer.

Hans Joachim Lazai muss zusehen, wie seine Stadt getrennt wird, und in ihm reift der Entschluss, etwas zu unternehmen. Der Gedanke entsteht, ein Loch in die Mauer zu sprengen und somit ein für die ganze Welt sichtbares Zeichen zu setzen. Ein Zeichen der Hoffnung für die Menschen im Osten, das besagt: Ihr seid nicht vergessen!

Ein kleiner Triumph in einem lückenlosen Plan

Er findet schnell drei ähnlich denkende Polizeikollegen. Einen von ihnen, Werner Kemnitz, kennt Hans Joachim Lazai schon aus einer Fluchthilfegruppe. Da ein Sprenglehrgang Teil der damaligen Polizeiausbildung ist, kommt der Plan zügig voran und wird schließlich in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 1962 realisiert.

Der Ablauf der Aktion ist im Vorfeld minutiös durchdacht, und alle sind sich einig: Kein Mensch soll zu Schaden kommen. Zuerst das Ablenkungsmanöver: Die Polizisten zünden eine Sprengladung im nahe gelegenen Gleimtunnel an der Schwedter Straße, Ecke Gleimstraße, um die Grenztruppen zu irritieren. Gegen ein Uhr nachts knallt es an der Ecke Bernauer und Schwedter Straße gewaltig. Die Mauer wird auf einer Länge von zwei bis drei Metern total zerstört. Niemand wird verletzt, und damit läuft alles wie geplant. Als Bereitschaftspolizist zum Tatort berufen, kann Hans Joachim Lazai aus nächster Nähe das Loch in der Mauer genauestens betrachten.

Er und seine Freunde planen weitere Sprengungen, doch dazu kommt es nicht mehr. Der ostdeutsche Geheimdienst bekommt zwischenzeitlich einen Tipp, dass Lazai hinter der Sprengung vom 26. Mai steckt. Und auch die Spitze der Westberliner Polizei kennt die Hintergründe.

Aus Sicherheitsgründen wird Hans Joachim Lazai, mittlerweile 24 Jahre alt, zur Landespolizei nach Niedersachsen versetzt und zum Stillschweigen verpflichtet. 1970 kann er in den Polizeidienst nach West-Berlin zurückkehren. Die ganze Geschichte um das Loch in der Mauer wird erst 1991 bekannt.

Fussnoten

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