Das Loch in der Mauer
Im Mai 1962 setzen vier West-Berliner Polizisten an der Ecke Bernauer und Schwedter Straße ein durchschlagendes Zeichen. Sie protestieren so gegen die Teilung ihrer Stadt.
26. Mai 1962, ein Uhr nachts, Bernauer Straße, großer Knall: Die Westberliner Polizisten Hans Joachim Lazai und Werner Kemnitz sprengen eine Bresche
in die Mauer.
Ungläubiges Entsetzen in Ost und West: Am 13. August 1961 entsteht quer durch Berlin eine
Die
Eine begründete Vermutung. Von seinem Einsatzgebiet an der Bernauer Straße beobachtet Hans Joachim Lazai die Veränderungen aus nächster Nähe. So wird er Zeuge der zunehmenden Gewalt, der Feindseligkeiten, der menschlichen Schicksale und schließlich eines Fluchtversuchs, der tödlich endet. Unterdessen werden die Grenzanlagen immer undurchdringlicher. Die von der DDR-Führung eingesetzten Bauarbeiter ersetzen den Stacheldraht langsam, aber stetig durch eine kompakte Mauer.
Hans Joachim Lazai muss zusehen, wie seine Stadt getrennt wird, und in ihm reift der Entschluss, etwas zu unternehmen. Der Gedanke entsteht, ein Loch in die Mauer zu sprengen und somit ein für die ganze Welt sichtbares Zeichen zu setzen. Ein Zeichen der Hoffnung für die Menschen im Osten, das besagt: Ihr seid nicht vergessen!
Ein kleiner Triumph in einem lückenlosen Plan
Er findet schnell drei ähnlich denkende Polizeikollegen. Einen von ihnen, Werner Kemnitz, kennt Hans Joachim Lazai schon aus einer Fluchthilfegruppe. Da ein Sprenglehrgang Teil der damaligen Polizeiausbildung ist, kommt der Plan zügig voran und wird schließlich in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 1962 realisiert.
Der Ablauf der Aktion ist im Vorfeld minutiös durchdacht, und alle sind sich einig: Kein Mensch soll zu Schaden kommen. Zuerst das Ablenkungsmanöver: Die Polizisten zünden eine Sprengladung im nahe gelegenen Gleimtunnel an der Schwedter Straße, Ecke Gleimstraße, um die Grenztruppen zu irritieren. Gegen ein Uhr nachts knallt es an der Ecke Bernauer und Schwedter Straße gewaltig. Die Mauer wird auf einer Länge von zwei bis drei Metern total zerstört. Niemand wird verletzt, und damit läuft alles wie geplant. Als Bereitschaftspolizist zum Tatort berufen, kann Hans Joachim Lazai aus nächster Nähe das Loch in der Mauer genauestens betrachten.
Er und seine Freunde planen weitere Sprengungen, doch dazu kommt es nicht mehr. Der ostdeutsche Geheimdienst bekommt zwischenzeitlich einen Tipp, dass Lazai hinter der Sprengung vom 26. Mai steckt. Und auch die Spitze der Westberliner Polizei kennt die Hintergründe.
Aus Sicherheitsgründen wird Hans Joachim Lazai, mittlerweile 24 Jahre alt, zur Landespolizei nach Niedersachsen versetzt und zum Stillschweigen verpflichtet. 1970 kann er in den Polizeidienst nach West-Berlin zurückkehren. Die ganze Geschichte um das Loch in der Mauer wird erst 1991 bekannt.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350