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Es lebe der Beat!

Es lebe der Beat!

Redaktion

In der Leipziger Innenstadt versammeln sich über 500 Jugendliche, um gegen das Verbot von Beatmusik zu protestieren. Viele werden verhaftet und in Arbeitslager eingewiesen.

(© Archiv Bürgerbewegung Leipzig/Werner Schmidt ) (© BStU, MfS, BV Leipzig, AOG 129/69 ) (© BStU, MfS, BV Leipzig, 252/66 ) (© BStU, MfS, BV Leipzig, 252/66 ) (© Archiv Bürgerbewegung Leipzig/Leopold Kullrich ) (© Archiv Bürgerbewegung Leipzig/Leopold Kullrich )

Leipzig ist das Zentrum der Beatbewegung in der DDR. 1964 schießen die Beatgruppen, von der Interner Link: FDJ zunächst gefördert und von den Kulturbehörden geduldet, in der Stadt wie Pilze aus dem Boden. Zu den bekanntesten Bands gehören Interner Link: The Butlers, The Schatters, The Guitar Men und The Starlets. Tausende Jugendliche aus Leipzig und Umgebung pilgern an den Wochenenden in die privat betriebenen Tanzlokale, wie das Kulturhaus „Sonne“ in Schkeuditz, das „Volkshaus Wiederitsch“, der „Anker“ und die Gartenkneipe „Immergrün“, wo der Beat zelebriert wird.

Doch ab dem 11. Oktober 1965 brodelt es gewaltig in der Leipziger Beatszene. Nach Vorgaben der Interner Link: SED-Führung in Ost-Berlin wird im Bezirk Leipzig allen Beatbands die Spielerlaubnis entzogen. Von den 56 im Bezirk registrierten Bands erhalten nur neun eine neue Spielerlaubnis, fünf Bands werden verboten. Unter ihnen befinden sich die Stars der Szene, The Butlers.

Drei Oberschüler aus Markleeberg bei Leipzig wollen sich mit dem Beatverbot nicht abfinden. Mit einem handelsüblichen Kinderstempelkasten drucken sie 174 Flugblätter mit dem Text:
“Beat-Freunde! Wir finden uns am Sonntag, den 31.10.65, 10 Uhr - Leuschnerplatz zum Protestmarsch ein.“
und verteilen diese am 25. Oktober in Leipzig.

Die kleinen unscheinbaren Handzettel versetzen Partei, Polizei und Interner Link: Staatssicherheit in Leipzig in helle Aufregung. In aller Hektik werden die Flugblätter eingesammelt und die Fundorte registriert. So findet der Aufruf zunächst keine große Verbreitung unter den Jugendlichen.

Ungewollte Werbung

Doch für die Werbung sorgt die SED im Anschluss selbst. Die Leitungen aller Schulen und Berufsschulen werden angewiesen, ihre Schüler ausdrücklich davor zu warnen, sich an diesem Tag in der Gegend des Wilhelm-Leuschner-Platzes sehen zu lassen. Durch diese Aktion wird der Termin unter den Jugendlichen erst allgemein bekannt – die Beatdemo ist in aller Munde. In den folgenden Tagen tauchen weitere Flugblätter auf, die zu einer Teilnahme an der Protestdemo aufrufen.

Trotz der Warnungen versammeln sich am 31. Oktober 1965 etwa Tausend Leute im Zentrum von Leipzig – die meisten von ihnen Schülerinnen und Schüler und Lehrlinge. Die Volkspolizei geht mit Hunden, Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die jugendlichen Beatfans vor. 279 Personen werden festgenommen, 144 von ihnen strafrechtlich verfolgt. Wenige Stunden nach ihrer Festnahme werden 107 Jugendliche zu einem „... mehrwöchigen beaufsichtigten Arbeitseinsatz als notwendige Erziehungsmaßnahme...“ in den Tagebau Regis-Breitingen gebracht, wo sie schwere körperliche Arbeiten verrichten müssen. Kurz vor Weihnachten werden die letzten von ihnen entlassen.

(© BStU, MfS, BV Leipzig, AU 252/66, Seite 1 von 2 ) (© BStU, MfS, BV Leipzig, AU 252/66, Seite 2 von 2 ) (© BStU, MfS, BV Leipzig, 252/66 )

„Freiheit für alle Beatfans“

Mit ihrem harten Vorgehen versucht die SED die Revolte im Keim zu ersticken, erreicht aber das Gegenteil. In den folgenden Wochen kommt es in Leipzig und Umgebung immer wieder zu Unmutsäußerungen von jugendlichen Beatfans in Form von Flugblättern oder Parolen an Ladenfenster, Litfasssäulen und Häuserwänden.

Auch ein Jahr nach der Beatdemo vom Leuschnerplatz herrscht Unruhe unter den Jugendlichen Beatfans. Es kursiert ein Flugblatt, welches zu einer erneuten Beatdemo am 31. Oktober 1966 aufruft. Doch die Staatssicherheit ist schon in Alarmbereitschaft und greift durch. Sie verhaftet, verhört und sorgt für drastische Strafen. So wird ein 18-jähriger Lehrling zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, nur weil er anderen Jugendlichen von dem Flugblatt und der geplanten Protestdemonstration erzählt hat.

1977 verarbeitet der Leipziger Schriftsteller Interner Link: Erich Loest die Ereignisse auf dem Leuschnerplatz, in seinem Roman „Es geht seinen Gang“.

Fussnoten

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Black Panther, Studentenrevolte, Martin Luther King, Vietnamkrieg, Kulturrevolution, Che Guevara, APO, Rudi Dutschke, Straßenschlachten, Politsekten, Warschau, Ulbricht tritt ab – Honecker an

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350