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Ich unterschreibe nicht!

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Redaktion

Im August 1968 beendet der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen den Prager Frühling. Die „sozialistische Bruderhilfe“ erschüttert den Glauben an demokratischen Sozialismus.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_RDA_03778) (© Robert-Havemann-Gesellschaft) (© Robert-Havemann-Gesellschaft) (© Robert-Havemann-Gesellschaft) (© Robert-Havemann-Gesellschaft)

In allen Schichten der Bevölkerung regt sich Protest. Die Interner Link: SED-Führung muss zur Kenntnis nehmen, dass viele nicht bereit sind, den platten Propagandaberichten von einer „Konterrevolution“ im Nachbarland Glauben zu schenken.

Die SED möchte die richtige Gesinnung nun schriftlich haben: Um das gewaltsame Vorgehen der sozialistischen Interner Link: Bruderstaaten vor den DDR-Bürgern zu legitimieren, werden in Betrieben, Schulen, Universitäten und in den Militäreinheiten der Interner Link: NVA sogenannte Zustimmungserklärungen eingefordert. Viele Menschen stehen plötzlich vor einer schwierigen Gewissensentscheidung: Sollen sie ihre Zustimmung zum Einmarsch in der Interner Link: Tschechoslowakei erklären, obwohl sie diesen ablehnen? Sollen sie sich verweigern und damit ihren Arbeits- oder Studienplatz aufs Spiel setzen?

Die SED speist die Bürger mit platten Parolen ab

In staatlich verordneten Veranstaltungen versuchen Interner Link: FDJ- und SED-Funktionäre, das militärische Eingreifen zu rechtfertigen. Sie sprechen von einem notwendigen Schritt zur Bekämpfung der „Konterrevolution“. Es kommt nicht selten zu heftigen verbalen Auseinandersetzungen. Bei einer Diskussion in einem Berliner Betrieb verlässt die gesamte Belegschaft den Raum, weil der Parteisekretär nicht in der Lage ist, die Fragen zur Zufriedenheit der Arbeiter zu beantworten. Hohle Phrasen wollen sie sich nicht mehr anhören.

Gleichzeitig beginnt in den DDR-Medien eine Kampagne, die dokumentieren soll, dass die Bevölkerung den Einmarsch der Interner Link: Warschauer Pakt-Staaten in der Interner Link: ČSSR gutheißt. Die Zeitungen sind voll von Leserbriefen und Erklärungen, in denen Arbeiter, Künstler, Intellektuelle und Belegschaften ganzer Betriebe ihre uneingeschränkte Zustimmung zur „Zerschlagung der Konterrevolution“ in der ČSSR geben.

So verkündet die Schriftstellerin Interner Link: Christa Wolf beispielsweise am 4. September im Parteiblatt „Interner Link: Neues Deutschland“, dass die Widersprüche unseres Jahrhunderts nur vom Sozialismus gelöst werden könnten und dass die ČSSR nur in enger Zusammenarbeit mit der Interner Link: Sowjetunion eine Überlebenschance habe.

Große Gesinnungskampagne: Wer nicht zustimmt, fliegt raus

Es lässt sich nicht genau sagen, wie viele Menschen sich den Zustimmungserklärungen verweigern. Die meisten begnügen sich mit Schweigen und unterschreiben, um die eigene Karriere oder den Studienplatz nicht zu gefährden.

Dennoch verweigern Tausende die geforderte Zustimmung mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. Diese Verweigerer werden gerügt, aus der Partei ausgeschlossen oder zur „Interner Link: Bewährung in die Produktion“ geschickt. Studenten werden Interner Link: exmatrikuliert und Abiturienten von den Oberschulen verwiesen.

Acht Jahre später, nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976, ist die SED erneut gezwungen, ihr Handeln durch das Ritual einer öffentlichen Kampagne vor der Bevölkerung zur legitimieren.

Fussnoten

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Kontext

Black Panther, Studentenrevolte, Martin Luther King, Vietnamkrieg, Kulturrevolution, Che Guevara, APO, Rudi Dutschke, Straßenschlachten, Politsekten, Warschau, Ulbricht tritt ab – Honecker an

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Prager Frühling

Was sich in diesen Monaten in der CSSR ereignet, wühlt die ganze Welt auf: Freiheit und Sozialismus sollen eine Einheit bilden.

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Einmarsch des Warschauer Paktes

Im August 1968 marschieren die Truppen der Warschauer Pakt Staaten in die CSSR ein und zerschlagen die Hoffnung auf einen demokratischen Kommunismus.

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Die Ausbürgerung von Wolf Biermann

Am 16. November 1976 gibt die DDR-Nachrichtenagentur ADN in der Sache Wolf Biermann eine Meldung heraus, die politische Sprengkraft entwickelt.

Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350