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Reisen in die ČSSR

Reisen in die ČSSR

Redaktion

Im Frühjahr und Sommer 1968 ist Prag begehrtes Reiseziel von vielen Jugendlichen aus der DDR. Zu dieser Zeit erscheint die CSSR als Land fast unbegrenzter Möglichkeiten. Aber der Schein trügt.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_20316) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_20317)

Prag wird im Frühjahr und Sommer 1968 zu einem beliebten Reiseziel für Jugendliche aus der DDR. Und es sind nicht allein die touristischen Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmöglichkeiten, die die Goldene Stadt in dieser Zeit so anziehend machen. Viele Menschen sehnen sich nach jenem Hauch von Freiheit, den sie zu Hause so sehr vermissen.

In Prag kann man in dieser Zeit die begehrten Schallplatten der Interner Link: Beatles und Interner Link: Rolling Stones kaufen. In den Kinos laufen die neuesten US-Filme in Originalfassung. An den Kiosken gibt es westliche Zeitungen und Zeitschriften, und überhaupt ist das Warenangebot dort bunter als in der DDR. Hier sind die Kellner freundlicher, die Kaffeehäuser und Biergärten gemütlicher, und für wenige Kronen bekommt man Softeis in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

DDR-Jugendliche schnuppern frischen Wind in der ČSSR

In Prag kann man ohne Formalitäten ein Zimmer mieten oder in einem Studentenwohnheim unterkommen, was in der DDR undenkbar ist. Da sich Jugendliche aus der DDR oft kein Hotel leisten können, sind sie auf persönliche Kontakte zu Gastgebern angewiesen. Sie fragen in Studentenkneipen nach Unterbringungsmöglichkeiten und schlafen zur Not im Wartesaal auf dem Bahnhof. So kommen sie viel enger mit der Lebenswirklichkeit des Gastlandes in Berührung als normale Touristen.

Wenn der Zug auf der Rückfahrt in Bad Schandau oder Zinnwald hält, spüren die DDR-Reisenden, dass sie wieder zu Hause sind: Mit unermüdlichem Eifer filzen die Zöllner die Heimkehrer aus der ČSSR. Sie beschlagnahmen Schallplatten, deutschsprachige Medien und Bilder jeglicher Art. Sie kassieren nicht nur westliche Publikationen und antiquarische Bücher ein, sondern auch die deutschsprachigen Informationen der Interner Link: tschechoslowakischen Nachrichtenagentur CTK. Die Interner Link: Prager Volkszeitung, die ebenfalls auf Deutsch erscheint, steht ganz oben auf der DDR-Liste staatsfeindlicher Lektüren.

1968 registrieren die DDR-Sicherheitsorgane neben österreichischen und westdeutschen Publikationen die „verstärkte Einfuhr“ von tschechoslowakischen Zeitungen und Zeitschriften. Wer sich untersteht, die Zöllner darauf hinzuweisen, dass es sich um offizielle Verlautbarungen der kommunistischen Bruderpartei handelt, kann sich auf noch längere Kontrollen einstellen. In einem Zollbericht heißt es: „Während der überwiegende Teil der Bürger die formlose Einziehung deutschsprachiger Literatur anerkennt, führen in Einzelfällen andere DDR-Bürger längere Diskussionen dazu.“ Zwei Studenten der Universität Rostock wehren sich, als im Grenzzollamt Zinnwald ihre Druckschriften willkürlich beschlagnahmt werden.

Die DDR-Zollbehörden verzeichnen aufmüpfige Tendenzen

Über einen der beiden Studenten, der sich als Mitglied der Interner Link: SED offenbart, heißt es: „Er bekennt sich zu dem revolutionären Verhalten der Studenten in der ČSSR. Durch das Verhalten der Prager Studenten sei der gesamte Prozess der Demokratisierung ins Rollen gekommen.“ Der zusammenfassende Bericht über den Vorfall wird an die Interner Link: Stasi und parallel an das Interner Link: Politbüromitglied Albert Norden weitergegeben. Der Apparat ist alarmiert.

Einige Tage später verfasst der Leiter der Zollverwaltung der DDR einen ausführlichen Bericht an die Abteilung Sicherheit im Interner Link: Zentralkomitee der SED. Fünf Tendenzen bereiten den Organen der DDR Bauchschmerzen:

1. die zunehmende Zahl von Treffen zwischen DDR-Bürgern und Westdeutschen beziehungsweise Westberlinern
2. die steigende Zahl von Versuchen, über die Tschechoslowakei in den Westen zu fliehen
3. die Ausstellung von Internationalen Studentenausweisen durch den Internationalen Studentenbund, der seinen Sitz in Prag hat
4. die Teilnahme an Beatkonzerten
5. die Einfuhr von Büchern, Zeitungen und Magazinen.

Ein Jugendlicher erklärt angesichts der Beschlagnahme seiner Zeitschriften: „Was kann man in der DDR überhaupt für Zeitungen lesen? Bei uns ist wohl nur das ‚Neue Deutschland` erwünscht? Das ‚ND` nehmen wir zum Arschabwischen.“ Er wird der Polizei übergeben. Ein anderer Bürger, dessen in der ČSSR erworbene Lederjacke beschlagnahmt wird, äußert, so der Bericht, „in lautem Tonfall“: „Wo gibt es denn so etwas, mir mein Eigentum wegzunehmen? Das gibt es nur in diesem Scheißstaat. Ihr braucht wohl die Jacken für die Interner Link: Staatssicherheit?“

Ein solcher Tonfall der Staatsmacht gegenüber ist in der DDR unüblich. Offenbar beflügelt der frische Wind in der ČSSR auch die Menschen in der DDR. Der Einmarsch der Panzerarmee des Interner Link: Warschauer Paktes am 21. August 1968 ist ein deutliches Zeichen für die Bevölkerung aller Interner Link: Ostblockstaaten, nicht allein gegen die der CSSR. Moskau signalisiert damit unmissverständlich, dass es nicht im Traum daran denkt, das „Freundschaftsband“ zu lockern.

Fussnoten

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Kontext

Black Panther, Studentenrevolte, Martin Luther King, Vietnamkrieg, Kulturrevolution, Che Guevara, APO, Rudi Dutschke, Straßenschlachten, Politsekten, Warschau, Ulbricht tritt ab – Honecker an

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Prager Frühling

Was sich in diesen Monaten in der CSSR ereignet, wühlt die ganze Welt auf: Freiheit und Sozialismus sollen eine Einheit bilden.

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Einmarsch des Warschauer Paktes

Im August 1968 marschieren die Truppen der Warschauer Pakt Staaten in die CSSR ein und zerschlagen die Hoffnung auf einen demokratischen Kommunismus.

Zeitzeugin

Hildegart Becker

Mit einer alten Schreibmaschine und reichlich Wut im Bauch protestiert Hildegart Becker gegen die blutige Niederschlagung des Prager Frühlings durch Truppen des Warschauer Paktes.

Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350