Ungarische Forderungen in Ost-Berlin
Am 3. November 1956 findet an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Berliner Universität eine Vollversammlung der Studentenschaft der Fakultät statt, die einen turbulenten und ungewöhnlichen Verlauf nimmt. Die Studentinnen und Studenten einigen sich auf politisch brisante Forderungen.
Hier kommt die neue, parteitreue, sozialistische Intelligenz: 1949 wird an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät
(ABF) eingerichtet. Mit ihr soll das alte bürgerliche Bildungsprivileg gebrochen werden. An der ABF sollen außerdem junge Menschen, die im Nationalsozialismus politisch oder rassistisch verfolgt wurden, die Hochschulreife nachmachen können. Quelle: Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, MfS BV Dresden, KD Pirna Nr. 70261
Panzer in Budapest: Nur der massive Einsatz Zehntausender sowjetischer Soldaten kann im Oktober 1956 den Sturz des kommunistischen Regimes in Ungarn
verhindern. Ungarische Soldaten kämpfen auf beiden Seiten. Tausende Menschen kommen dabei zu Tode, darunter auch 700 sowjetische Soldaten. Bis 1961 werden Hunderte Menschen hingerichtet und Tausende Haftstrafen verhängt. Zehntausende Ungarn müssen ins Exil fliehen.
„Studenten, gebt den Anstoß zum deutschen Freiheitskampf!“. Bericht des MfS zur Lage unter den Studenten der Humboldt-Universität zu Berlin. Quelle: Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv
, MfS, AS 83/59
„Studenten, gebt den Anstoß zum deutschen Freiheitskampf!“. Bericht des MfS zur Lage unter den Studenten der Humboldt-Universität zu Berlin.
Betrifft: Feindtätigkeit. Bericht des MfS über die landesweiten Proteste gegen das SED-Regime. Der Stasi passt es nicht, dass sich viele Menschen in
der DDR mit den Polen und Ungarn solidarisch zeigen.
Betrifft: Feindtätigkeit. Bericht des MfS über die landesweiten Proteste gegen das SED-Regime. Der Stasi passt es nicht, dass sich viele Menschen in
der DDR mit den Polen und Ungarn solidarisch zeigen.
Betrifft: Feindtätigkeit. Bericht des MfS über die landesweiten Proteste gegen das SED-Regime. Der Stasi passt es nicht, dass sich viele Menschen in
der DDR mit den Polen und Ungarn solidarisch zeigen.
Das Jahr 1956 wird für den gesamten
Am 27. Oktober 1956 meldet ein
In dem Report heißt es: „Hier werden Unterschriften gesammelt für Abschaffung des Russisch- und gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudiums. Russisch und andere Fremdsprachen sollen fakultativ durchgeführt werden. Begründung dafür sind Zeitschwierigkeiten. Außerdem steht noch unter diesen Listen, daß sie damit keine politische Demonstration wollen, daß sich diese Unterschriftensammlung nicht gegen die Arbeiter- und Bauernmacht richtet, teilweise steht noch auf den Listen, daß es sich um keine antisowjetische Handlung handelt.“
Studentische Forderungen in politisch aufgeheiztem Klima
Solche Forderungen stellen Studierende dieser Tage an vielen Universitäten der DDR. Die Nachrichten aus Polen und Ungarn überstürzen sich: In Polen kommt, gegen den erklärten Willen der
Die Forderungen der Berliner Studenten sind also – so zurückhaltend sie formuliert sind – von höchster politischer Brisanz. Jeder weiß, dass der ungarische Volksaufstand genau mit solchen Forderungen eingeleitet wurde. „Die Listen“, meldet das wachsame Mitglied der Fakultätsleitung, „werden von einem Studienjahr ins andere getragen. Sie werden auch sehr oft zwischen den Vorlesungen von den
Ganz neu auf dem Stundenplan: Aufmüpfigkeit
Am 3. November 1956 findet im Hörsaal der Anatomie der Veterinärmedizinischen Fakultät eine Vollversammlung der Studentenschaft der Fakultät statt, die einen turbulenten und ungewöhnlichen Verlauf nimmt. Die Studierenden einigen sich auf folgende Forderungen:
„1. Einführung eines fakultativen Russisch-Unterrichts mit fakultativer Prüfung.
2. Abschaffung des obligatorischen gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudiums und Einführung einer fakultativen Vorlesung über Philosophie aller humanistischen Weltanschauungen.
3. Ermöglichung eines erweiterten Studentenaustauschs innerhalb Gesamtdeutschlands und des gesamten Auslandes sowie eines ungehinderten Reiseverkehrs jedes einzelnen Studenten in die Länder der Volksdemokratien, die
4. Rückgabe des Hauptgebäudes der Veterinärmedizin (jetziges Außenministerium) im Interesse der Beseitigung der unhaltbaren räumlichen Zustände, die durch die Immatrikulation einer die Kapazität übersteigenden Studentenzahl hervorgerufen wurde. Eine Forderung, die seit Jahren Professoren und Studenten stellen. Damit würde die Frage des Mensaproblems sowie die eines ausreichenden Leseraums gelöst.
5. Verbesserung der Beschaffung von Fachliteratur westlicher Verlage.“
Am Ende der Vollversammlung wählen die Anwesenden ein zehnköpfiges Gremium, das sich selbst Studentenrat nennt. Am 5. November spitzt sich die Situation weiter zu. Die Studenten der Veterinärmedizinischen Fakultät verweigern sich einer Ausweiskontrolle am Eingang ihrer Einrichtungen. Es kommt zu Aufläufen und Handgreiflichkeiten. Die Fakultätsleitung versucht zu vermitteln, unterstützt aber grundsätzlich die Studenten.
Eklat bei den Veterinärmedizinern
Am Brandenburger Tor versammeln sich nachmittags über 1.000 Studenten. Sie werden von der Volkspolizei in den Westsektor abgedrängt. Abends findet in West-Berlin eine Protestversammlung gegen den russischen Einmarsch in Ungarn statt. Einige Hitzköpfe wollen in den Ostsektor ziehen, werden aber von der Westberliner Polizei zurückgehalten. Am folgenden Tag kommt es zum Eklat bei einer Vollversammlung der Veterinärmediziner: Als Alfred Neumann spricht, der SED-Chef von Ost-Berlin, verlässt ein großer Teil der Anwesenden demonstrativ den Saal. Der Rest beschließt ohne Gegenstimme eine Treueerklärung zur SED. Währenddessen zieht die Staatsmacht rund um die Universität bewaffnete
Als die russischen Panzer im November 1956 den verzweifelten Widerstand der Aufständischen in Budapest brechen, resignieren auch in Ost-Berlin die meisten Studenten. Eine Verhaftungswelle setzt ein. Für viele Teilnehmer der Proteste bleibt nur der Weg, der DDR für immer den Rücken zu kehren.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350