Dresden und die Gruppe Wolfspelz
Radikaler Pazifismus: Die Gruppe „Wolfspelz“ organisiert eigene Friedenswerkstätten und eckt mit ihrem Kurs sowohl beim DDR-Staat als auch bei der Amtskirche massiv an.
Jahre vor dem Wiederaufbau: Die Ruine der Frauenkirche in Dresden zu Beginn der 1980er Jahre.
Unerschrocken, friedensbewegt und optimistisch: Johanna Kalex, ehemals Anette Ebischbach, Mitte der 1980er Jahre.
Aufruf von Johanna Kalex zur Demonstration am 13. Februar 1982 an der Ruine der Dresdner Frauenkirche.
Fast 8.000 Menschen finden sich am 13. Februar 1982 gegen Mitternacht vor der Dresdner Frauenkirche ein. Mit einem Teppich aus Kerzen und mit dem Lied
"We shall overcome“ erinnern Sie an die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg. Die Staatssicherheit greift nicht ein, denn auch Vertreter der Westpresse sind vor Ort und schießen Bilder wie dieses.
Johanna Kalex im Sommer 1982 im Freundeskreis von Thomas Kantschew (hier sein 18. Geburtstag) an den Moritzburger Teichen, wo auch schon die
Brücke-Künstler mit ihrem Nackbaden um 1905 ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit genossen.
Mitglieder der Gruppe Wolfspelz nehmen im Mai 1983 an einem Friedensseminar in Meißen teil. In der Bildmitte Johanna Kalex, rechts neben ihr Katrin
Schaller 2. v. l. Roman Kalex.
Roman und Johanna Kalex in der Adolfstr. 9 in Dresden. In dem Fenster im Hintergrund installiert das MfS eine Infrarotkamera, um die Besucher der
Familie Kalex zu observieren.
Die Gruppe Wolfspelz nach einem Ernteeinsatz.
Die Oppositionsgruppe Wolfspelz um die Dresdnerin Johanna Ebischbach (später Johanna Kalex) gehört zweifellos zu den ungewöhnlichsten Friedensgruppen, die Anfang der 1980er Jahre in der DDR entstehen.
Johanna Ebischbach, die Tochter eines Lehrers und Fachberaters, beginnt 1981 mit 17 Jahren ein pädagogisches Fachschulstudium. Schon in dieser Zeit hat sie erste Kontakte zur
Schafe im Wolfspelz oder Wölfe im Schafspelz?
Als Johanna Ebischbach die an den Bildungseinrichtungen der DDR obligatorische Vormilitärische Ausbildung verweigert, wird sie
Danach werden ihre Kontakte zur Friedensbewegung intensiver – unter anderem auch zum Initiator der Kampagne „Schwerter zu Pflugscharen“, Pfarrer
Die „Gruppe Ebischbach“, wie sie anfangs von der
Eine spektakuläre Aktion der Gruppe um Johanna Kalex ist die Organisation einer Gedenkfeier in Dresden am 13. Februar 1982, dem Jahrestag der Bombardierung der Stadt. In der Stunde des ersten Bombenangriffs von 1945, also kurz vor 22 Uhr, sollen sich die Menschen mit Kerzen und Blumen an der Ruine der Frauenkirche versammeln und „We Shall Overcome“ singen. Mit dieser Aktion wollen die jungen Leute gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft protestieren. (Über die Aktivitäten der Gruppe, den Aufruf und die Folgen berichtet Johanna Kalex im Zeitzeugen-Interview.)
Top organisiert: Der Schweigemarsch zur Dresdner Frauenkirche
Der Staat ist äußerst beunruhigt. Ohnehin ist die Situation angespannt: Es hat sich eine starke Schwerter-zu-Pflugscharen-Bewegung entwickelt, und landesweit fordern Friedensgruppen die Einführung eines Sozialen Friedensdienstes. Man befürchtet zu Recht, dass viele Menschen dem Aufruf nach Dresden folgen werden. Johanna Kalex wird verhaftet, verhört und körperlich massiv bedroht. Doch ihre Eltern und die Kirche stehen zu ihr und wenden Schlimmeres ab.
Um die Menschen von der Demonstration auf der Straße abzulenken, öffnet die Kirchenleitung am 13. Februar die Dresdner Kreuzkirche zu einem Friedensforum. Doch die Demo wird ein voller Erfolg: Fast 8.000 Menschen aus der ganzen DDR pilgern in dieser Nacht erst ins Friedensforum in der Kreuzkirche und dann zur Dresdner Frauenkirche. Dort stellen sie Kerzen auf und legen Blumen nieder. Selbst die Westpresse ist vor Ort. Der Schweigemarsch ist eine der größten Aktionen der Friedensbewegung in der DDR.
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