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Dresden und die Gruppe Wolfspelz

Dresden und die Gruppe Wolfspelz

Redaktion

Die Dresdner Gruppe „Wolfspelz“ um Johanna Kalex steht nicht nur im Konflikt mit dem Staat, sondern auch mit der Kirche. Die Mitglieder organisieren eigenständig Friedenswerkstätten und vertritt radikale pazifistische Positionen, die sich kaum mit der gemäßigten kirchlichen Friedensarbeit vertragen

(© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_15516) (© Privatarchiv Johanna Kalex) (© Privatarchiv Johanna Kalex) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Peter Wensierski/RHG_Fo_HAB_18173) (© Privatarchiv Thomas Kantschew) (© Privatarchiv Johanna Kalex) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_15519) (© Robert-Havemann-Gesellschaft)

Die Oppositionsgruppe Wolfspelz um die Dresdnerin Johanna Ebischbach (später Johanna Kalex) gehört zweifellos zu den ungewöhnlichsten Friedensgruppen, die Anfang der 1980er Jahre in der DDR entstehen.

Johanna Ebischbach, die Tochter eines Lehrers und Fachberaters, beginnt 1981 mit 17 Jahren ein pädagogisches Fachschulstudium. Schon in dieser Zeit hat sie erste Kontakte zur Interner Link: Jungen Gemeinde (JG) der Dreikönigskirche. Dort erhält sie Materialien über die Idee eines Interner Link: Sozialen Friedensdienstes (Interner Link: SoFD). Dieser soll als Wehrersatzdienst eingerichtet werden, fordert die Interner Link: Friedensbewegung in der DDR.

Schafe im Wolfspelz oder Wölfe im Schafspelz?

Als Johanna Ebischbach die an den Bildungseinrichtungen der DDR obligatorische Vormilitärische Ausbildung verweigert, wird sie Interner Link: exmatrikuliert. Sie beginnt an der medizinischen Fachschule für Pflegekräfte eine Ausbildung zur Krankenschwester. Die junge, aufmüpfige Johanna verteilt an der Schule häufig Material der unabhängigen DDR-Friedensbewegung und verweigert auch hier die vormilitärische Ausbildung. Und nicht nur das. Es gelingt ihr, fast alle Mitschülerinnen zu einer schriftlichen Verweigerung des anstehenden Wehrlagers zu bewegen. Nach Einzelgesprächen mit der Schulleitung und Mitarbeitern der Interner Link: Staatssicherheit bleiben nur Johanna Ebischbach und eine Mitschülerin bei ihrer Verweigerung. Beide werden wegen „Nichterfüllung schulischer Pflichten“ exmatrikuliert.

Danach werden ihre Kontakte zur Friedensbewegung intensiver – unter anderem auch zum Initiator der Kampagne „Schwerter zu Pflugscharen“, Pfarrer Interner Link: Harald Bretschneider. In der Zwischenzeit heiratet Johanna Ebischbach ein anderes Mitglied der Friedensgruppe, Roman Kalex.

Die „Gruppe Ebischbach“, wie sie anfangs von der Interner Link: Stasi genannt wird, steht nicht nur im Konflikt mit dem Staat, sondern auch mit der Kirche. Die Aktivisten werfen den Kirchenleuten deren allzu große Kompromissbereitschaft gegenüber dem Interner Link: SED-Regime vor. Sie organisieren eigenständig Friedenswerkstätten und propagieren radikale pazifistische Positionen, die sich kaum mit der moderaten kirchlichen Friedensarbeit vertragen. Nachdem Bischof Interner Link: Johannes Hempel die Aktivisten um Johanna Kalex als „Wölfe im Schafspelz“ bezeichnet hat, nennt sich die Gruppe fortan Wolfspelz. Laut Johanna Kalex sind sie nämlich eher „Schafe im Wolfspelz“, die gefährlich auftreten, aber eine friedliche Gesellschaft zum Ziel haben.

Eine spektakuläre Aktion der Gruppe um Johanna Kalex ist die Organisation einer Gedenkfeier in Dresden am 13. Februar 1982, dem Jahrestag der Bombardierung der Stadt. In der Stunde des ersten Bombenangriffs von 1945, also kurz vor 22 Uhr, sollen sich die Menschen mit Kerzen und Blumen an der Ruine der Frauenkirche versammeln und „We Shall Overcome“ singen. Mit dieser Aktion wollen die jungen Leute gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft protestieren. (Über die Aktivitäten der Gruppe, den Aufruf und die Folgen berichtet Johanna Kalex im Zeitzeugen-Interview.)

Top organisiert: Der Schweigemarsch zur Dresdner Frauenkirche

Der Staat ist äußerst beunruhigt. Ohnehin ist die Situation angespannt: Es hat sich eine starke Schwerter-zu-Pflugscharen-Bewegung entwickelt, und landesweit fordern Friedensgruppen die Einführung eines Sozialen Friedensdienstes. Man befürchtet zu Recht, dass viele Menschen dem Aufruf nach Dresden folgen werden. Johanna Kalex wird verhaftet, verhört und körperlich massiv bedroht. Doch ihre Eltern und die Kirche stehen zu ihr und wenden Schlimmeres ab.

Um die Menschen von der Demonstration auf der Straße abzulenken, öffnet die Kirchenleitung am 13. Februar die Dresdner Kreuzkirche zu einem Friedensforum. Doch die Demo wird ein voller Erfolg: Fast 8.000 Menschen aus der ganzen DDR pilgern in dieser Nacht erst ins Friedensforum in der Kreuzkirche und dann zur Dresdner Frauenkirche. Dort stellen sie Kerzen auf und legen Blumen nieder. Selbst die Westpresse ist vor Ort. Der Schweigemarsch ist eine der größten Aktionen der Friedensbewegung in der DDR.

Fussnoten

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Atomares Wettrüsten, NATO-Doppelbeschluss, Kriegsrecht in Polen, Afghanistan, Punk, Rock für den Frieden

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350