Friedensgemeinschaft Großhennersdorf
Eine Hochzeit im August 1983 in der Zweitausend-Seelen-Gemeinde Großhennersdorf wird durch die Staatssicherheit belagert. Die Hochzeitsgesellschaft ist eine Demonstration des örtlichen Friedenskreises.
Die Friedensgemeinschaft Großhennersdorf beteiligt sich Pfingsten 1983 mit eigenen Transparenten an der offiziellen Friedensdemonstration in Zittau.
Die Friedensgemeinschaft Großhennersdorf bei der Kranzniederlegung in Zittau, Pfingsten 1983.
Die Friedensgemeinschaft Großhennersdorf bei der Kranzniederlegung in Zittau, Pfingsten 1983.
In Großhennersdorf, einem kleinen Ort in der südöstlichen Ecke der DDR, bildet sich fernab der großen Städte 1983 eine
Der Katharinenhof: Auffangbecken für Andersdenkende
Zu den Gründungsmitgliedern gehören
Der Träger des Katharinenhofs verbietet der Gruppe, aktiv zu sein: keine Gesprächskreise mehr, keine Flugblattaktionen. Doch kurz darauf, im Juli 1983, organisieren die jungen Aktivisten ein DDR-weites Friedenstreffen in Großhennersdorf.
Ein Affront für die Stasi: Fahrradhochzeit in Großhennersdorf
Im August 1983 belagern Stasi und Volkspolizei wieder einmal die Zweitausend-Seelen-Gemeinde in der Oberlausitz. Anlass ist eine Fahrradhochzeit zweier Mitglieder des Friedenskreises, die zu einer Demonstration für den Frieden und gegen den verlogenen „Friedensstaat“ DDR wird. Nach der Trauung in der Zittauer Kirche und dem Besuch einer – von den Behörden wegen ihrer staatskritischen Auslegung argwöhnisch beäugten – Hiroshima-Ausstellung in der Johanniskirche radelt die Gruppe geschlossen nach Großhennersdorf zurück.
Ein Kerzenzug durch das Dorf beendet den Hochzeitstag. Die Stasi fotografiert sämtliche Gäste. Zuvor hat schon die Volkspolizei die Fahrradhochzeit angehalten und die Teilnehmer mit einer Ordnungsstrafe belegt. Das Vergehen: „verkehrswidriges Verhalten“.
1987 wird in Großhennersdorf wie in Leipzig und Dresden eine Umwelt-Bibliothek gegründet, die als überregionales Kontakt- und Informationszentrum der
In der 1721 gegründeten Einrichtung der Diakonie finden Menschen zusammen, die sich, desillusioniert vom politischen Alltag in der DDR, vor allem der Betreuung alter und behinderter Menschen widmen.
Die Kirche war bereit, diese Randexistenzen aufzunehmen. Es gab damals den Katharinenhof in Großhennersdorf. Ich denke, das war eine Adresse für Aussteiger, für Leute, die am Rande waren, die wurden da aufgenommen. Sicherlich auch, weil die Arbeit dort kein anderer gemacht hat. Oder nie gern gemacht hat. Dadurch hat sich dort ein soziales Gefüge ergeben, das in der Population natürlich nicht dem Normalen entsprach. Dort hat sich etwas konzentriert, was man sonst nie in der Gesellschaft hat: So viele Leute, die anders denken, kommen plötzlich an einem Ort zusammen.
Erst später hat man entdeckt, dass das auch eine Gefahr war. Die Kirche hat sicherlich auch ihre Grenzen gehabt. Dort gab es dann Druck. Es war auf keinen Fall so, dass die Toleranz unendlich war. Aber es war eine Einstiegsmöglichkeit. Das Wichtige war, dass man da Leute getroffen hat, die auch so waren. Dadurch hat man das da auch gut ausgehalten.
Andreas Friedrich, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 2 Min.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350