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Von starken Frauen und Blues-Messen – Friedensbewegung in Berlin

Von starken Frauen und Blues-Messen – Friedensbewegung in Berlin

Redaktion

Neben Jena ist Ost-Berlin das wichtigste Zentrum der Friedensbewegung in der DDR. Seit der ersten Bluesmesse im Sommer 1979, die der Berliner Pfarrer Rainer Eppelmann organisiert hat, werden diese Gottesdienste mit Musik in der DDR-Hauptstadt zu einem Anziehungspunkt für unangepasste Jugendliche aus der ganzen DDR.

(© BStU, MfS, HA XX/4-2178, S.67) (© Harald Hauswald/OSTKREUZ) (© BStU, MfS, HA XX/4-2178, S.66) (© BStU, MfS, HA XX/4-2178, S.66 ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Ulrike Poppe / RHG_Fo_HAB_11421) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_15017)

Man singt, tanzt, feiert und diskutiert miteinander – auch über gesellschaftspolitische Themen. Während es zuerst nur einige Dutzend Zuhörer sind, versammeln sich Ende 1979 etwa 1.000 Jugendliche zu einer Bluesmesse in der Berliner Samariterkirche.

Die Interner Link: Bluesmessen beschäftigen sich mit Themen aus dem Alltag der Jugendlichen. Sie haben ein reizvolles Musikprogramm, denn es treten auch bekannte oppositionelle Liedermacher auf. Jugendliche aus dem ganzen Land kommen hier an einem Ort zusammen, an dem sie nicht gemaßregelt werden, wenn sie sich kritisch über den Staat äußern.
Weil der Andrang immer stärker wird, ziehen die Bluesmessen 1980 in die größere Interner Link: Erlöserkirche nach Berlin-Lichtenberg um.

1980 finden Bluesmessen in der Erlöserkirche statt

Doch ganz ohne behördliche Einmischung geht es dann doch nicht: Der Staat sieht in den Veranstaltungen sein Monopol auf Jugendkultur und -politik bedroht und versucht, die Bluesmessen zu verbieten. Das Argument: Es handelt sich hierbei nicht um genehmigungsfreie Gottesdienste, sondern um genehmigungspflichtige Massenveranstaltungen. Die Behörden üben einen starken Druck auf Pfarrer Eppelmann und die Kirchenleitung aus, doch vergeblich: Die Berliner Bluesmessen bleiben jahrelang ein wichtiger Treffpunkt der unangepassten DDR-Jugend.

Eine der wichtigsten Friedensgruppen, die sich 1982 in Berlin gründen, ist Frauen für den Frieden. Diese Initiative entsteht nach Änderung des DDR-Wehrdienstgesetzes, wonach im Mobilmachungsfall nun auch Frauen zur Landesverteidigung eingezogen werden können. Zahlreiche Frauen beschweren sich spontan bei staatlichen und militärischen Dienststellen. Die Berliner Gruppe formuliert einen Brief an Interner Link: Erich Honecker. Schnell schließen sich mehrere Hundert Frauen an.

In einer anderen Aktion sammeln Mütter der Gruppe Bilder ihrer Kinder. Sie tun das in Absprache mit Mitgliedern der westdeutschen Bundestagsfraktion der Grünen, die die Fotos während der Nachrüstungsdebatte im Bundestag am 21./22. November 1983 an alle Fraktionen verteilen. Im Namen ihrer Kinder fordern sie sowohl von der Bundesrepublik als auch vom „Friedensstaat“ DDR Initiativen zur Abrüstung.

Im Sommer 1983 fasten die Frauen für den Frieden öffentlich

(© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2, RHG_Fak_0133) (© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 2 von 2, RHG_Fak_0133_a) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_16673) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Werner Fischer / RHG_Fo_HAB_14947) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_16124) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv)

Die Frauen für den Frieden versammeln sich mit anderen Friedensgruppen in der Erlöserkirche, um ab 6. August 1983 eine Woche lang für Abrüstung zu fasten. Am 12. Dezember 1983 werden die vier Hauptinitiatorinnen in Berlin verhaftet: Interner Link: Bärbel Bohley, Interner Link: Ulrike Poppe, Interner Link: Irena Kukutz und Interner Link: Jutta Seidel. Mitglieder der Grünen, darunter Interner Link: Petra Kelly und Interner Link: Gert Bastian, die enge Kontakte zur Gruppe unterhalten, protestieren umgehend öffentlich gegen die Verhaftungen.

Im Rahmen einer Interner Link: Friedenswerkstatt gestalten andere Friedensaktivisten im Juli 1983 eine Ausstellung in der Erlöserkirche. Sie handelt vom Widerstand in Jena und der anschließenden Verhaftungs- und Ausweisungswelle. Zum Weltfriedenstag am 1. September 1983 organisieren Friedensaktivisten, unter ihnen auch der Pfarrer Rainer Eppelmann, eine nicht genehmigte Menschenkette im Zentrum der DDR-Hauptstadt. Zwischen der sowjetischen und der amerikanischen Botschaft reichen sich mehr als 100 Menschen die Hand, um so abseits von staatlichen Parolen und verordneten Aufmärschen für Abrüstung und Frieden zu demonstrieren (Bildergalerie).

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350