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Aktionen nach dem Tod von Matthias Domaschk

Aktionen nach dem Tod von Matthias Domaschk

Redaktion

Seine Freunde lassen das Vergessen nicht zu. Am ersten Todestag von Matthias Domaschk verteilen sie viele ausgeschnittene Todesanzeigen gut sichtbar im gesamten Jenaer Stadtgebiet.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roland Jahn/RHG_Fo_HAB_11864) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roland Jahn/RHG_Fo_HAB_11865) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roland Jahn/RHG_Fo_HAB_11866) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roland Jahn/RHG_Fo_HAB_11869) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roland Jahn/RHG_Fo_HAB_11870) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roland Jahn/RHG_Fo_HAB_11871) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roland Jahn/RHG_Fo_HAB_11872) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_12107) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrandt/RHG_Fo_HAB_12041) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrandt/RHG_Fo_HAB_12099) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrandt/RHG_Fo_HAB_12098) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrandt/RHG_Fo_HAB_12044) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrandt/RHG_Fo_HAB_12144) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_11856) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0052)

Die Nachricht vom Tod Matthias Domaschks verbreitet sich wie ein Lauffeuer in den oppositionellen Kreisen in Jena und gelangt in andere Städte der DDR. Auch wenn erst nach 1989 Details über seine Verhaftung und die Verhöre ans Tageslicht kommen, sind sich schon kurz nach dem Tod von Interner Link: Matthias Domaschk viele sicher: Er ist ein Opfer der Interner Link: Stasi.

Obwohl es das Interner Link: MfS mit allen Mitteln zu verhindern sucht, kommen zu Matthias Domaschks Beerdigung am 16. April 1981 mehr als hundert Freunde auf dem Friedhof zusammen, darunter auch Roland Jahn. Die Beerdigung wird zu einer Demonstration gegen die Stasi-Willkür. Über Interner Link: Lutz Rathenow in Ost- und Interner Link: Jürgen Fuchs in West-Berlin gelangt die Nachricht von Matthias Domaschks Tod in den Westen. Am 21. Mai 1981 berichtet der Radiosender Interner Link: RIAS über den Fall, am 18. Juni die Zeitschrift Stern.

Matz Domaschks sinnloser Tod radikalisiert seine Freunde

Am 9. April 1982, ein Jahr nach Matthias „Matz“ Domaschks Tod, stellen Freunde zur Erinnerung eine Sandsteinskulptur auf dem Jenaer Johannisfriedhof auf: einen Schutz suchenden Menschen, darunter Namen und Lebensdaten. Die Plastik hat der Bildhauer Michael Blumhagen angefertigt, ein enger Freund von Matthias Domaschk und Kerstin Hergert. Dieser Tod soll unvergessen bleiben. Schon vier Tage später entfernt ein Einsatzkommando im Auftrag der Stasi die 200 Kilo schwere Skulptur. Alles soll möglichst ohne Aufsehen passieren. Aber Roland Jahn, der mit Matthias Domaschk befreundet war, liegt mit dem Fotoapparat auf der Lauer und hält den Abtransport fest (Bildergalerie).

Michael Blumhagen wird am 7. Juni 1982 als Reservist zur Interner Link: Nationalen Volksarmee einberufen – ein Zufall? Er verweigert, was er auf dem Wehrkreiskommando schon kurz nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen im Dezember 1981 erklärt hatte. Michael Blumhagen wird zu sechs Monaten Haft verurteilt. In dieser Zeit gelingt es Roland Jahn, die Fotos von der Entfernung der Skulptur in den Westen zu schmuggeln. Sie werden kurz darauf im Nachrichtenmagazin Der Spiegel veröffentlicht.

Die Stasi bestraft Matthias Domaschks trauernde Freunde

Wenige Wochen nach Michael Blumhagens Haftantritt verfügen die örtlichen Behörden, dass dessen Wohnhaus in Graitschen nahe Jena, das immer auch ein wichtiger Treffpunkt des Freundeskreises um Matthias Domaschk gewesen ist, „wegen Baufälligkeit“ abgerissen wird (Bildergalerie).

(© Thüringische Landeszeitung, 16. April 1982) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_RJ_02_a) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrand/RHG_Fo_HAB_11219) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roland Jahn/RHG_Fo_HAB_11861) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv)

Noch im April 1982 gelingt es Matthias Domaschks Freunden Manfred Hildebrandt, Interner Link: Petra Falkenberg und Roland Jahn, eine Annonce in der Thüringer Landeszeitung und im regionalen Interner Link: SED-Blatt Interner Link: Volkswacht zu platzieren. Der einfache Text: „Wir gedenken unseres Freundes Matthias Domaschk, der im 24. Lebensjahr aus dem Leben gerissen wurde.“ Zusätzlich kleben die drei die Annonce als Flugblatt im ganzen Stadtgebiet von Jena. Die Stasi-Funktionäre toben, denn die Anzeige hätte von der Zeitung niemals angenommen werden dürfen. Von nun an wissen sie: Matthias Domaschks Tod wird nicht vergessen werden.

Nach Öffnung der Stasi-Archive Anfang der 1990er Jahre streben Matthias Domaschks Freunde einen Prozess gegen die Offiziere an, die Matthias Domaschk 1981 zwei Tage lang verhört haben und die für seinen Tod verantwortlich sind. Der Prozess, in dem die Staatsbeamten letztlich nur der Freiheitsberaubung angeklagt werden, endet ernüchternd: Insgesamt werden neun Stasi-Offiziere zu teilweise sehr geringen Geldstrafen verurteilt.

1996 wird eine Straße in Jena-Neulobeda nach Matthias Domaschk benannt, und am 22. Januar 2003 erklärt der Stadtrat von Jena das Grab von Matthias Domaschk auf dem Nordfriedhof zu einer schützenswerten Grabstätte.

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350