Kirche von Unten
1987 entsteht in Ost-Berlin mit dem „Kirchentag von Unten“ ein kraftvolles Gegengewicht zum offiziellen Kirchentag. Tausende kommen, um über Frieden, Umwelt und Freiheit zu diskutieren. Daraus wächst die „Kirche von Unten“ – ein wichtiger Ort oppositioneller Jugendarbeit, der bis 1989 zum Zentrum basisdemokratischer Bewegungen wird.
1986/87 wird die Kirche von Unten gegründet. Die Gründung ist eine Reaktion auf die zunehmende Verdrängung der Opposition aus den kirchlichen
Räumen. Am 1. Kirchentag von Unten in der Berliner Pfingstkirchengemeinde vom 24. bis 26. Juni 1987 nehmen etwa 6.000 Besucher teil. Im Bild die Veranstaltung " Götterspeisung" in der Gemeinde der Pfingstkirche mit Bischof Gottfried Forck.
Uwe Kulisch, maßgeblicher Initiator und Organisator des Kirchentages von Unten, bei Diskussion mit Bischof Forck am 27. Juni 1987.
Entwurf eines Plakats zum Kirchentag von Unten von Dirk Moldt.
Im Rahmen des Kirchentags von Unten, tritt der mit Auftrittverbot belegte Liedermacher Stephan Krawczyk in der völlig überfüllten Samariterkirche
auf.
Flugpapier Nummer 1: Insgesamt werden im Rahmen des Kirchentags von Unten zehn solcher Fliegenden Papiere veröffentlicht.
Konzert der Punk-Band "Antitrott" während des 1. Kirchentags von Unten in Berlin.
Fliegendes Papier Nummer 10: Erklärung zum Selbstverständnis der Kirche von Unten (Berliner Gruppe). Dies ist das letzte von insgesamt zehn
Fliegenden Papieren, die auf dem Kirchentag von Unten in Berlin 1987 veröffentlicht werden.
„Dann haltet die Dinger kurz hoch und verschwindet wieder!“, zischt ein offizieller Kirchentagsabgeordneter den etwa 300 Teilnehmern des
Kirchentags von Unten zu. Die Oppositionellen nehmen am 26. Juni 1987 mit eigenen Plakaten und Spruchbändern an der Abschlussveranstaltung des offiziellen Kirchentags in Berlin-Köpenick teil.
Zur Abschlussveranstaltung des offiziellen Kirchentags demonstrieren etwa 300 Teilnehmer des Kirchentags von Unten mit eigenen Plakaten und
Spruchbändern.
Zur Abschlussveranstaltung des offiziellen Kirchentags demonstrieren etwa 300 Teilnehmer des Kirchentags von Unten mit eigenen Plakaten und
Spruchbändern.
Zur Abschlussveranstaltung des offiziellen Kirchentags demonstrieren etwa 300 Teilnehmer des Kirchentags von Unten mit eigenen Plakaten und
Spruchbändern.
1986/87 wird die Kirche von Unten gegründet. Die Gründung ist eine Reaktion auf die zunehmende Verdrängung der Opposition aus den kirchlichen
Räumen. Am 1. Kirchentag von Unten in der Berliner Pfingstkirchengemeinde vom 24. bis 26. Juni 1987 nehmen etwa 6.000 Besucher teil. Die KvU ist auch ein wichtiges Zentrum der Opposition.
Abschlussveranstaltung des offiziellen Kirchentags am 26. Juni 1987 im Stadion Alte Försterei in Berlin-Köpenick.
In der Berliner Pfingstkirchengemeinde finden Veranstaltungen des 1. Kirchentags von Unten statt (24. bis 26. Juni 1987).
Bereits im Frühjahr 1984 wenden sich Vertreter der Ostberliner Kirchenleitung an staatliche Stellen: Sie möchten im Juni 1987, dem Jahr des 750-jährigen Gründungsjubiläums Berlins, einen großen evangelischen Kirchentag in der DDR-Hauptstadt veranstalten. Die Behörden signalisieren Entgegenkommen, machen die Genehmigung aber von der Kooperationsbereitschaft der Kirchenleitung abhängig. Diese Konstellation ist eine der Hauptursachen dafür, dass die Kirchenleitung zunehmend Kurs gegen die Basisgruppen aufnimmt.
So gelingt es der Berliner
1986 verbietet der
Mehrere Basisgruppen wollen einen Kirchentag von Unten
Um die Jahreswende einigen sich verschiedene Basisgruppen auf einen ähnlichen Kurs: die
Um eine drohende Kirchenbesetzung zu verhindern, stellt die Kirchenleitung dem Kirchentag von Unten schließlich vom 24. Juni bis 26. Juni 1987 die Gemeinderäume der Friedrichshainer Pfingstkirche am Petersburger Platz zur Verfügung. Damit gibt sie dem von allen Seiten auf ihr lastenden Druck nach.
Der Besucheransturm von ca. 6.000 Leuten übertrifft alle Erwartungen. Am zweiten Tag muss die nahe gelegene Galiläagemeinde zusätzlich Räume für die Besucher des Kirchentags von Unten zu Verfügung stellen. Es gibt Veranstaltungen mit systemkritischen Künstlern wie
Kirchentag von Unten hat große Resonanz
Theologische Schwerpunkte werden unter Titeln wie „Jesus kommt von unten“ oder „Neuer Wein in neue Schläuche“ in einigen der insgesamt zehn „
Motiviert durch den großen Zuspruch, beschließen die Organisatoren die Gründung der Kirche von Unten (KvU), über deren Ziele Reinhard Schult im Zeitzeugen-Interview berichtet. Bis sie eigene Räume in der Elisabethkirchgemeinde bekommen, vergeht noch über ein Jahr. Als Basisgemeinde arbeitet die KvU dennoch weiter und bezieht zu allen innenpolitischen Themen öffentlich Stellung. Mitarbeiter wie
Ab Januar 1989 verfügt die KvU über einen großen, viel genutzten Veranstaltungsraum und wird, unterstützt von Mitarbeitern wie
In der Revolutionszeit 1989 gehören die Räumlichkeiten und Druckereien der KvU zur wichtigen Infrastruktur, die den neuen Gruppen zur Verfügung gestellt werden kann. Zahlreiche Angehörige der KvU, wie
Weil er die Aussage verweigert, bekommt es Reinhard Schuld in Verhören mit massiven Einschüchterungsversuchen vom MfS zu tun. Und auch die beengte Situation in der Zelle ist schwierig.
„...lief über Einschüchterungsversuche, also auch gerade, weil ich also erstmal alles abgestritten habe, dann später auch die Aussage verweigert habe. Also da haben sie schon massiv gedroht, also sowohl mit zehn Jahren Knast. Staatssicherheit hat ja immer so versucht, sich den Nimbus der Allmacht zu geben und dass sie außerhalb des Rechts stehen. Und dass sie alles machen können. Also es ist auch gedroht worden mit psychiatrischer Anstalt, einliefern und verschwinden lassen. Also nicht verschwinden lassen, also in der psychiatrischen Anstalt verschwinden lassen und so weiter und so fort. Also das war schon schon schwierig, dazu noch die beengte Situation in so einer Zelle von zwei Meter mal 3,50 Meter mit zwei Mann Klappbetten. Da konnte man so fünf, sechs Schritte vor und zurück. Mit einer halben Stunde Freigang am Tag. Sonntag gar nicht, da hatten sie zu wenig Personal, da ist man nicht rausgekommen an der frische Luft. Waren ja auch keine Fenster, sondern Glasbausteine, wo Licht durchdrang, also zwei Reihen Glasbausteine, wo so'n Luftkanal war, dass man noch ein bisschen Luft bekam, aber wenn zwei in der Zelle waren und beide geraucht haben, dann musste man sich immer an diesen Luftkanal stellen, um immer den Zigarettenrauch gleich raus zu blasen, sonst wäre man erstickt in der Zelle. Also das war schon, ohne Uhr, also das war schon relativ schwierig und ich habe danach drei oder vier Monaten auch Herzbeschwerden gekriegt, so dass man dann irgendwie am Tag wohl irgendwie so eine so eine Tablette oder Beruhigungstablette gekriegt hat. Das ging dann nach ein paar Wochen wieder zurück, aber der Druck war schon ziemlich immens. Also auch die Konzentration bei den Vernehmung, bei den Vernehmung um irgendwie aufzupassen, dass man sich nicht reinlegen lässt. Also man ist nach so einer achtstündigen Stunden Vernehmung mit ziemlich starken Kopfschmerzen wieder nach unten runtergegangen. Dann gab es auch so Härtetests mit acht Stunden Schweigen. Man sitzt sich acht Stunden gegenüber und schweigt. Also man kommt rein, der Vernehmer sagt, 'haben sie irgendwie was überlegt, haben sie was zu sagen?' Sage, 'nö, bleibe bei meiner Haltung und verweigere die Aussage'. Ja und dann sitzt man sich so gegenüber und dann schweigt man bis zum Mittag und dann gibt's natürlich Mittag, muss man wieder runter, kommt man nach eins wieder hoch und schweigt bis zum Feierabend bis um 5 Uhr weiter."
Reinhard Schult, Zeitzeuge auf jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
© 2004 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350