Weißer Kreis Jena
Sie protestieren für ihre Ausreise. Anders als viele andere machen die Mitglieder des Weißen Kreises Jena im Sommer 1983 ihr Bestreben, die DDR zu verlassen, öffentlich auf dem Jenaer Platz der Kosmonauten.
Die Flucht- und Ausreisebewegung behindert das Entstehen einer kontinuierlichen Opposition in der DDR erheblich. Im Zuge der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) bilden sich verschiedene Gruppen, die ihre Ausreise aus der DDR anstreben. Eine solche Gruppe ist der Weiße Kreis in Jena. Die Mitglieder bilden im Sommer 1983 einen Kreis auf dem Platz der Kosmonauten, um für die Bewilligung ihrer Ausreise in den Westen zu demonstrieren.
Sie wollen, dass ihre Anträge auf Ausreise in den Westen endlich bewilligt werden: Der Weiße Kreis demonstriert im Sommer 1983 auf dem Platz der
Kosmonauten in Jena. Die Sicherheitskräfte unterbinden diese Demonstration schnell.
Teilnehmer des Weißen Kreises werden von den Sicherheitskräften abgedrängt und verhaftet.
Öffentlicher Protestbrief des Weißen Kreises an Erich Honecker sowie an den Rat der Stadt Jena vom 17. Juni 1983. Eine Anschrift und die
Unterschriften fehlen auf dem vorliegenden Dokument.
Öffentlicher Protestbrief des Weißen Kreises an Erich Honecker sowie an den Rat der Stadt Jena vom 17. Juni 1983. Eine Anschrift und die
Unterschriften fehlen auf dem vorliegenden Dokument.
Öffentlicher Protestbrief des Weißen Kreises an Erich Honecker sowie an den Rat der Stadt Jena vom 17. Juni 1983. Eine Anschrift und die
Unterschriften fehlen auf dem vorliegenden Dokument.
„Es sind so viele von uns weggegangen – ach hätte niemals niemand damit angefangen“: Bettina Wegners Lied „Für meine verlorenen Freunde“
(1979).
Obwohl ab Anfang der 1980er Jahre Zehntausende DDR-Bürger Anträge auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR stellen, kommt es nur selten vor, dass sich die Antragsteller untereinander solidarisieren oder gar organisieren. Bis auf wenige Ausnahmen verhalten sich viele nach der Antragstellung so unauffällig wie möglich.
In der DDR ist gesetzlich keine Möglichkeit vorgesehen, das Land zu verlassen. Die Anträge auf Ausreise werden formlos gestellt, und viele Antragsteller warten jahrelang auf deren Genehmigung. Einige werden allein wegen ihres Wunsches auf Ausreise kriminalisiert – einige werden sogar inhaftiert. Viele verlieren nach der Antragstellung ihre Arbeitsplätze, ihre Kinder werden in den Schulen von parteitreuen Lehrern schikaniert und bekommen keinen Zugang mehr zu höherer Bildung. Unter diesem Druck ziehen sich viele ganz aus der Öffentlichkeit zurück.
Eine Ausnahme ist jedoch der Jenaer Weiße Kreis. Um die Jenenser Hannelore und Rüdiger Studanski formiert sich eine Protestgruppe, die ihre Anträge auf Ausreise öffentlich machen will. Die Gruppe gibt sich den Namen Weißer Kreis. Weiß sind die Bändchen, die sich DDR-Bürger mit laufendem
Der Weiße Kreis: Eine „feindlich-negative“ Gruppierung
Der Weiße Kreis trifft sich im Juni und Juli 1983 regelmäßig jeden Sonnabend auf dem zentral gelegenen Platz der Kosmonauten in Jena. Zuerst sind es nur eine Handvoll; am 16. Juli 1983 sind es schon 49 Frauen und Männer, die sich morgens um neun Uhr auf dem belebten Platz treffen, an den Händen fassen und schweigend einen Kreis bilden. Über einen Kontakt zur
Die
Die Teilnehmer des Weißen Kreises werden von der Stasi durch ständige Überwachung und Verhöre unter Druck gesetzt. Ein Großteil von ihnen wird verhaftet, stundenlang verhört und anschließend in die Untersuchungshaft überführt. Doch letztlich erreichen die meisten ihr Ziel. Um noch mehr Unruhe zu vermeiden und die Störenfriede so schnell wie möglich loszuwerden, genehmigen die DDR-Behörden in Jena innerhalb weniger Monate eine Anzahl von Ausreiseanträgen.
Der in der DDR sehr populäre Liedermacher
„An manchen Autos weht heute
ein schlohweißes Band.
Das ist das Zeichen der Leute,
die nichts mehr hält im Land.
Die uns signalisieren,
dass sie kapitulieren,
dass sie es nun aufgeben,
hier noch weiter zu leben.
Trotzig flattert die Binde
wie ein Vorwurf im Winde.
Ich schwöre mir heimlich und leis:
Nie hisse ich weiß!
Ein schwarzes Band werd ich hissen.
Ich leg Trauer an,
um alle, die uns verließen
und noch gehen irgendwann.
Die sich gern mit uns stritten,
mit uns lachten und litten,
die das Fernweh fortwehte,
die der Wohlstand verdrehte,
die 'ne Lippe riskierten,
irgendwann resignierten
und zogen den trennenden Strich.
Um die trauer ich.“
Bettina Wegners Lied: "Für Meine Weggegangenen Freunde"
Bettina Wegners Lied: "Für meine weggegangenen Freunde"
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Quelle: Bettina Wegner, Die Lieder 1978-81 Vol. 1/ANAR Musikverlag, c/o Bettina Wegner, 1997
Wenn ich nach einer angstdurchträumten Nacht erwache,
da kommt es manchmal, dass ich weinend lache.
Weil ich vermisse, was ich einmal hatte.
die Schutzhaut, meine harte, meine glatte.
Die ist zerrissen und blieb irgendwo.
Es sind zuviele von uns weggegangen,
ach hätte niemals niemand damit angefangen.
Trauer und Wut, das hat Euch weggetrieben,
Mensch wär das schön, Ihr wäret alle hiergeblieben.
Bei Euch, bei uns,
und auch bei mir.
Stille Statistik wird sich jetzt mit Euch befassen,
und doch habt Ihr ein bischen mehr verlassen.
Als Euren Zorn und Eure Bitterkeit,
das Viel an Unrecht und Verlogenheit.
Da war noch Andres, das lohnte hierzubleiben!
Ich meine alle, die Euch wirklich brauchen,
und jetzt in ihrer Trauer untertauchen.
Die Euch noch folgen auf die gleiche Reise.
und die hier bleiben, sterben still und leise.
An Euch, an uns, und an sich selber auch.
Ich werde dieses Lied vielleicht nur summen,
und eines Tages vielleicht ganz verstummen.
Schweigend und klein verbucht man die Verluste,
ich weiß nur sicher, dass ich bleiben musste.
Dass unsre Ohnmacht nicht noch größer wird,
dass unsre Ohnmacht nicht noch größer wird!
Produktion: 1978
Spieldauer: 4 Min.
© 1997 Bettina Wegner, Die Lieder 1978-81 Vol. 1/ANAR Musikverlag
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350