Verweigerung der Reiseerlaubnis
Einem Jugendlichen aus Gersdorf wird der Geburtstagsbesuch bei der Großmutter im Westen verweigert, weil er seinen Wehrdienst nicht absolviert hat. Diese Begründung entpuppt sich als Farce. Wie ihm geht es vielen Jugendlichen, die ihre Verwandte besuchen wollen.
Sie wollen raus: Mitglieder der Reisegruppe 88 am Bahnhof Friedrichstraße.
Die Reisegruppe 88 bei einem thematischen Gottesdienst „Macht und Ohnmacht“ in der Bekenntniskirche Berlin-Treptow. V.l.n.r.: Daniela Hanus,
Wolfgang Jäger, Katrin May, Dieter Brocke.
„Ich möchte wissen, wie lange ich nicht in die ČSSR fahren darf“: Am 26. Juni 1983 schreibt Reinhard Schult empört an das Ministerium des
Innern. Er will mit seiner Freundin Urlaub machen, doch die Einreise in die ČSSR verweigert man ihm an der Grenze.
Offener Brief an die Volkskammer der DDR, in dem die Verfasser – alle in verschiedenen Friedenskreisen aktiv – im September 1985 gegen das
Einreiseverbot in die benachbarte ČSSR protestieren. Mit der stereotypen Antwort des Ministerium des Innern, dass solche Dinge nach der Anordnung über Pass- und Visa-Angelegenheiten keiner Begründung bedürfen, geben sich die Absender nicht zufrieden. Sie fordern die Volkskammer der DDR zu einer Gesetzesänderung auf.
Antragsformular für die Ausreise ins sozialistische Ausland.
Antragsformular für die Ausreise ins sozialistische Ausland.
„Ungarn abgelehnt“: Der Leiter der Abteilung Pass- und Meldewesen des Präsidiums der Volkspolizei Berlin bittet Tom Sello, wegen seines
Reiseersuchens vom Mai 1987 in der Dienststelle vorzusprechen. Als Tom Sello das am 14. Juli 1987 tut, wird ihm seine im Mai 1987 beantragte Reise nach Ungarn abgelehnt.
Endgültige Absage: Nachdem Tom Sello auf dem Präsidium der Volkspolizei Berlin vorgesprochen hatte, teilt ihm der Leiter der Abteilung Pass- und
Meldewesen am 17. August 1987 schriftlich mit, dass seine beantragte Reise nach Ungarn nicht stattfinden wird. Eine Begründung gibt er nicht an.
Am 8. Januar 1988 schreibt die Umwelt-Bibliothek (UB) Berlin an Erich Honecker. Die Verfasser protestieren gegen die Ausreiseverweigerungen vom 7. und
8. Januar 1988 an der Grenze zur ČSSR beziehungsweise am Flughafen Berlin-Schönefeld. Eine Reihe von Mitgliedern der UB (auch Matthias Voigt) waren auf dem Weg nach Ungarn zu einem Seminar des osteuropäischen Netzwerks Greenway. Gründe für das Ausreiseverbot werden den Betroffenen nicht genannt.
Ein wichtiger Grund für die große Zahl der
Weitgehend unbeschränkte Reisemöglichkeiten bestehen in die
Die wenigsten Jugendlichen können sich eine Reise leisten
Reisen in den Westen – oder wie es offiziell heißt, in den „nichtsozialistischen Wirtschaftsraum“ – sind für DDR-Bürger in der Regel nicht möglich. Rentner, sofern sie keine „
Allein über die
Ein Beispiel ist der Antrag eines Jugendlichen aus Gersdorf, der 1988 seine in der Bundesrepublik lebende Großmutter zu ihrem 79. Geburtstag besuchen will. Dem jungen Mann wird die Reise mit der Begründung verweigert, dass er seinen Wehrdienst noch nicht absolviert habe. Doch diese Absage ist eine Farce: Sobald er seinen Wehrdienst nämlich abgeleistet hat, ist er „militärischer
Angesichts dieser Perspektivlosigkeit ist es nicht verwunderlich, dass sich vor allem junge Menschen entschließen, diesem Land für immer den Rücken zu kehren – auf legalem oder illegalem Weg.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350