Aktion "Gegenschlag"
Trotz des ungeheuren Drucks der Staatsmacht auf die Link hat Vorschau-PopupInterner Link: Jenaer Friedensgemeinschaft (FG) gelingt es den Jenensern immer wieder, mit neuen, mutigen Aktionen auf sich aufmerksam zu machen.
Solidarität aus dem Westen mit den inhaftierten Mitgliedern der FG Jena. Die Protestpostkarte wird 1983 in der Bundesrepublik hergestellt und
verkauft. Das eingenommene Geld unterstützt die DDR-Friedensbewegung.
Die Staatsicherheit bereitet die Zwangsausbürgerung von Roland Jahn vor.
Die Staatssicherheit bereitet die Zwangsausbürgerung von Roland Jahn vor.
Die Staatssicherheit bereitet die Zwangsausbürgerung von Roland Jahn vor.
8. Juni 1983: Ein Brief an den Staatsrat und das Ministerium des Innern der DDR, mit dem Protest der Friedensgemeinschaft Jena gegen die gewaltsame
Ausbürgerung von Roland Jahn in der Nacht zuvor.
Bei Nacht und Nebel abtransportiert: Die Stasi nimmt Roland Jahn fest und sperrt ihn gegen seinen Willen in einem Zugabteil ein. In der Bundesrepublik
wird das Abteil durch einen Schaffner wieder geöffnet. Im Bild: Bericht der Bezirksverwaltung Gera über ein Gespräch mit dem Schlafwagenschaffner des D-Zuges 300 am 9. Juni 1983.
Zum Beispiel beteiligt sich die FG Jena am 18. und 19. März 1983 an den offiziellen Gedenkveranstaltungen für die Opfer der Bombardierung Jenas im Zweiten Weltkrieg. Etwa 30 junge Leute der FG Jena versammeln sich auf dem Markt. Sie haben eigene Plakate mitgebracht und versuchen, an der Spitze des offiziellen Zugs zu laufen. Sie suchen die Öffentlichkeit. Schnell ist die
Die Stasi schiebt über 40 Friedensaktivisten ab
Bei allen Risiken: Der Weg an die Öffentlichkeit bietet der FG Jena und anderen Oppositionsgruppen auch Schutz. Es ist nicht mehr möglich, FG-Mitglieder ohne größeres Aufsehen zu verhaften oder abzuschieben. Vor allem der Kontakt zu den Westmedien, der in dieser Zeit meist über
Mit der Kirche, dem wichtigsten Rückzugsgebiet der DDR-
Ab Mai 1983 wird die Stasi verstärkt gegen die FG Jena aktiv. Erklärtes Ziel: Beseitigung. Am 18. Mai 1983 startet sie die
Am Tag zuvor entwirft die Stasi für den engagierten Widerständler einen minutiösen Plan unter dem Titel: „Vorgesehene Maßnahmen zur Realisierung der Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR/Übersiedlung in die
Die Operation "Gegenschlag" schneidet der SED ins eigene Fleisch
Stasi-Leute begleiten ihn zu seiner Wohnung, und er erhält „die Gelegenheit, sein Reisegepäck zusammenzustellen“. Roland Jahn wird daraufhin wieder zum Stadtrat gebracht, um sich dort unter Aufsicht der Stasi kurz von seinen Eltern zu verabschieden. Anschließend übergibt man ihn der Schutzpolizei, die ihn unter strenger Bewachung zur Grenzübergangsstelle Probstzella begleitet und nach Westen abschiebt. Um einen Fluchtversuch in letzter Minute zu vereiteln, wird Roland Jahn mit Handschellen in einer Zugtoilette eines Interzonenzugs angekettet, bis er die Grenze hinter sich gelassen hat (Bildergalerie).
Roland Jahn bleibt im Westen und darf bis 1989 offiziell nicht mehr in die DDR einreisen. Gegen seine gewaltsame Ausweisung richtet er schriftliche Proteste an den DDR-Staatschef
10. Juni 1983: „Ich fordere die Regierung der DDR auf, meine Zwangsausweisung rückgängig zu machen.“ Zwei Tage nach seiner gewaltsamen
Ausbürgerung in die Bundesrepublik gibt Roland Jahn diese Erklärung ab.
13. Juni 1983: Brief von Roland Jahn an den UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar, den er darum bittet, sich bei Erich Honecker für seine
Rückkehr in die DDR einzusetzen.
13. Juni 1983: Brief von Roland Jahn an den UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar, den er darum bittet, sich bei Erich Honecker für seine
Rückkehr in die DDR einzusetzen.
26. Juni 1983: Brief von Roland Jahn an Erich Honecker, in dem er den Staatsratsvorsitzenden der DDR dazu auffordert, die notwendigen Schritte zu
seiner Rückkehr in die DDR einzuleiten.
Mit der Aktion "Gegenschlag" ist der DDR-Führung ein entscheidender Schlag gegen die Jenaer Oppositionsgruppen gelungen. Doch der Preis ist hoch: Sowohl in der Bundesrepublik als auch im eigenen Land sorgt die Massenabschiebung für Aufsehen. Zahlreiche prominente Mitglieder der bundesdeutschen Grünen verurteilen das Vorgehen der Sicherheitsorgane in einem Protestschreiben an Erich Honecker.
Roland Jahn ist durch seine Abschiebung bei Weitem nicht kaltgestellt. Vom Westen aus unterstützt er jahrelang mit allen Kräften die Arbeit des DDR-Widerstands. Vor allem, indem er dafür sorgt, dass die Aktionen der Oppositionsgruppen regelmäßig in den Westmedien thematisiert werden.
Der Weg an die Öffentlichkeit bietet der Friedensgemeinschaft Jena und anderen Oppositionsgruppen auch Schutz. FG-Mitglieder können nicht mehr so leicht verhaftet oder abgeschoben werden.
Frage: Dann gab es ja im Januar eine Verhaftungswelle ...
Im Januar und Februar, genau.
Frage: Wie wurde die Öffentlichkeit auf diese Verhaftungen aufmerksam gemacht?
„Wir haben überlegt: Wir müssen jetzt dringend etwas dagegen machen und haben uns mehrere Strategien überlegt. Die eine Strategie war, zu sagen: Wir müssen die Kirche auf den oberen Ebenen informieren, die Landeskirche und die Kirche in Berlin. Das andere war, dass wir sagten: Die Persönlichkeiten, die im kulturellen Leben stehen – und von daher ein bisschen Einfluss haben – die sollen Bescheid wissen. Schriftsteller, Schauspieler, Künstler. Und das Dritte war, dass wir sagten: Es wäre gut, wenn das auch in der Bundesrepublik, im Westen Deutschlands, bekannt würde.
Wir haben versucht, Fotos von den Inhaftierten aufzutreiben und die nach Westen zu schmuggeln, zu transferieren. Wir haben zum Beispiel mit dem ZDF und Franz Alt zusammengearbeitet, um noch eine größere Öffentlichkeit für diese ungerechten Verhaftungen zu erhalten. Gerade über das Medium Fernsehen.
Frage: Welche Rolle haben da schon die Exil-Jenaer in West-Berlin gespielt?
Sie haben uns die Verbindungen zu den Medien und zur Öffentlichkeit in der Bundesrepublik hergestellt. Sie haben mit den Politikern Kontakt aufgenommen, und waren selber auch politisch aktiv. Das war ganz wichtig für uns. Das Erstaunliche war, dass der Staat die Inhaftierten entlassen musste. Ich sage: entlassen musste – irgendwie muss es einen starken Zwang für die DDR-Regierung gegeben haben. Sie haben sogar zwei aus unserer großen Gruppe entlassen, aus dem Umfeld der Gruppe aus dem Strafvollzug. Die meisten waren noch in Untersuchungshaft.
Das war natürlich ein Fest. Das gab es noch nie.“
Dorothea Fischer, Zeitzeugin auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
© 2004 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350