Amnesty International und die DDR
Amnesty International betreut zwischen 1961 und 1989 insgesamt 2.100 politische Gefangene in der DDR und setzt sich für deren bedingungslose, sofortige Freilassung ein.
Von Amnesty International betreut: Petra Falkenberg nach ihrer Haftentlassung im März 1983 in Jena.
Petra Falkenberg mit einer Puppe für ihre Tochter Lina (März 1997). Die Puppe stammt aus einem Amnesty-International-Paket, das Petras Familie
während ihrer Haft in den 1980er Jahren erreicht.
1981 publiziert Amnesty International einen Bericht über die Menschenrechtssituation in der DDR.
Ein Brief aus Biarritz: Madame Eliane Houllier schreibt Renate Ellmenreich (20. Januar 1983). Amnesty International unterstützt damit Roland Jahn.
Ein Brief aus Schweden: Ingegerd Brandström schreibt Renate Ellmenreich (28. September 1982). Amnesty International unterstützt damit Michael
Blumhagen.
Obwohl die Verfassung der DDR ihren Bürgern elementare Menschenrechte wie das
Eine erfolgreiche Methode von ai ist die materielle und vor allem ideelle Unterstützung der Inhaftierten und ihrer Angehörigen durch sogenannte Adoptionsgruppen. Jede dieser Gruppen betreut mindestens zwei politische Gefangene und deren Angehörige. Mit unterstützenden Briefen an die Betroffenen, die meist über Verwandte und Freunde an die Häftlinge übermittelt werden, und mit Protestschreiben an die staatlichen Behörden zeigen die Adoptionsgruppen, dass die politischen Häftlinge von der Welt nicht vergessen sind. Zum persönlichen Kontakt zwischen den ai-Gruppen und den politischen Gefangenen kommt es nur in wenigen Fällen. Der entsteht höchstens, wenn Gefangene in den Westen abgeschoben werden.
Amnesty International prangert an: Viele politische Gefangene und massive Menschenrechtsverletzungen in der DDR
In ihren Publikationen berichtet ai detailliert über die massiven Menschenrechtsverletzungen in der DDR. Aufgelistet werden hier unter anderem die zahlreichen Paragraphen des DDR-Strafgesetzbuchs, nach denen Oppositionelle immer wieder zu langen Haftstrafen verurteilt werden. Dazu gehören zum Beispiel folgende Paragraphen:
§ 106 („
§ 219 („Ungesetzliche Verbindungsaufnahme“; fünf Jahre Haft),
§ 214 („
Auch nach der Verhaftungswelle in Jena im Frühjahr 1983 reagiert ai. Über
Auch nach der Freilassung beziehungsweise Abschiebung in den Westen halten manche ai-Gruppen weiter Kontakt zu den Ausgebürgerten. Einige der politisch Unbequemen werden später selbst bei ai aktiv, wissen sie doch nur zu gut, welch große moralische Unterstützung schon ein einziger Brief darstellt, den man in einer ausweglos erscheinenden Situation bekommt.
Amnesty International kümmert sich auch in der DDR um politische Gefangene.
Petra Falkenberg:
„Also, ich war in Gera in der Stasi U-Haftanstalt und zwar vom 21.01. bis 24.02. Ja, also das war staatsfeindliche Hetze, Nachrichtenübermittlung, ja, sowas. In der Untersuchungshaft in Gera wurde mir nichts von Amnesty International gesagt, ich habe davon nichts gewusst. Also das habe ich erst später erfahren, als ich dann aus dem Knast wieder rausgekommen bin, und zwar in Form eines Päckchens und darüber habe ich mich sehr gefreut, das war aus Frankreich, das wusste ich und das war von einer Madame Ollière, wenn ich das jetzt richtig ausspreche, und da war für meine kleine Tochter also diese Puppe drin [hält Puppe in die Kamera] und für mich ein Armreif und ein tolles Parfüm. Also das war so sowas fürs Leben, das fand ich also ganz toll. Was ich aber ganz bestimmt denke und das habe ich ja dann auch aus dem Schriftverkehr mitbekommen, dass Amnesty sich also an die Staatsseite gewandt hat wegen unserer Inhaftierung und ich denke, dass das auch ein Punkt war zusammen mit allen anderen, die dann was gemacht haben, dass wir also nicht verurteilt worden sind. Also davon gehe ich aus. So richtig 100%, also so richtig mit Namen und Adresse, ich hatte zwar ein Foto auch von diesen Menschen. So da sind so fünf Leute drauf, aber so richtig schwarz auf weiß habe ich davon eigentlich Ende vorigen Jahres erfahren. Da habe ich dann im Dommaschk-Archiv Unterlagen gekriegt und da habe ich erstmal mitgekriegt, wie das alles funktionierte.“
Produktion: 2000
Spieldauer: 2 Min.
hrsg. von: Anja Mihr, Amnesty International in der DDR. Zeithistorische Arbeit und Wanderausstellung, Berlin 2001, ai-Interview mit Petra Falkenberg
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