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Bildungsverbot für Protestierende

Bildungsverbot für Protestierende

Redaktion

Wer in einem Seminar kritische Fragen stellt, riskiert exmatrikuliert zu werden. Vielen Studenten, die offen und frei diskutieren wollen, wird die Aufnahme eines Studiums in der DDR fortan verwehrt.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_11729) (© BStU, MfS, HA XX 16922/91, Seite 1 von 3) (© BStU, MfS, HA XX 16922/91, Seite 2 von 3) (© BStU, MfS, HA XX 16922/91, Seite 3 von 3) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_14893) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_14894) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_14895) (© Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Manfred Hildebrand/RHG_Fo_HAB_11985) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz / RHG_Fo_HAB_10805)

Die Ausbildung an Schulen und Universitäten in der DDR ist in den 1970er Jahren vollkommen auf die Entwicklung „sozialistischer Persönlichkeiten“ ausgerichtet. Wer einen der begrenzten Abiturplätze bekommen will, muss mit einer strengen politischen Auslese rechnen. Das gilt in noch stärkerem Maße für die Vergabe von Studienplätzen. Vor allem die höheren Bildungseinrichtungen unterstehen einem Kontrollsystem, an dem Interner Link: SED-Mitglieder, Interner Link: FDJler und Lehrer mitwirken. Die Interner Link: Stasi wirbt auch Schüler und Studierende für Spitzeldienste an. Weigern sich die Jugendlichen, Mitschüler oder Kommilitonen zu verpetzen, werden sie vielfach erpresst.

Dennoch kommt es an Schulen und Universitäten immer wieder zum Aufbegehren gegen die SED und den Staat. Auch an der Jenaer Universität, an der Tausende Studierende eingeschrieben sind, wird die Ausbürgerung von Wolf Biermann hinter vorgehaltener Hand heiß diskutiert. Und wieder sind es einige wenige, die es wagen, ihre Meinung öffentlich zu machen. Einer von ihnen ist Roland Jahn, damals 23-jähriger Student der Wirtschaftswissenschaften. (Roland Jahn berichtet im Zeitzeugen-Video über seine Zeit des aktiven Widerstands während und nach dem Studium.)

Ideologische Bestnoten statt Numerus clausus

Am 23. November 1976 kritisiert Roland Jahn in einem Seminar zum Wissenschaftlichen Kommunismus die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Ein eifriger Student protokolliert seine Worte mit. Roland Jahn wird zur Universitätsleitung zitiert, die ihm erklärt, dass er mit seiner Unterstützung für Wolf Biermann als Akademiker untauglich sei. Von seinen Mitstudenten bekommt Roland Jahn keine Hilfe. Im Gegenteil: Der zuständige FDJ-Sekretär fordert im Namen der Studentenschaft den Rauswurf des Aufmüpfigen. Im Februar 1977 wird er schließlich von der Universität Interner Link: exmatrikuliert. Die Aufnahme eines Studiums in der DDR ist ihm fortan verwehrt.

Ein ähnliches Schicksal erleiden Lutz Leibner, Interner Link: Lutz Rathenow, Interner Link: Katharina Voigt, Manfred Hildebrandt und Interner Link: Matthias Domaschk. Lutz Leibner (27) ist einer derjenigen, die ihre Unterschrift unter einen Protestbrief gegen die Ausbürgerung setzen. Die Folgen: Er wird von seinem Pädagogik-Fernstudium exmatrikuliert und muss nach einem Disziplinarverfahren seine Arbeit als Erzieher in einem Kinderheim aufgeben.

Ebenfalls vom Studium ausgeschlossen wird Lutz Rathenow (24). Er gehört zu den Ersten, die in Jena Hausdurchsuchungen und Verhöre über sich ergehen lassen müssen. Sein Vergehen: Er hat versucht, Autoren für den Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung zu gewinnen. Die Unterstufenlehrerin Katharina Voigt (19) bekommt nach ihrer Beteiligung an der Unterschriftenaktion Berufsverbot.

Matthias Domaschk und Manfred Hildebrandt, beide 19 Jahre alt, werden kurz vor den mündlichen Prüfungen nicht mehr zum Abitur zugelassen. Auch sie hatten gegen die Ausbürgerung unterschrieben beziehungsweise Unterschriften gesammelt.

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350