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Manfred Krug

Manfred Krug

Redaktion

Als Manfred Krug die DDR 1977 in Richtung Westen verlässt, ist er einer der berühmtesten und beliebtesten Schauspieler des Landes.

(© picture alliance / Konrad Giehr | Konrad Giehr) (© Bundesarchiv/183-B1101-0010-001/Rainer Mittelstädt) (© Bundesarchiv/183-G1003-0040-001/Joachim Spremberg) (© Bundesarchiv/183-R0409-0012/Klaus Franke) (© Bundesarchiv/183-1989-1123-035/Bernd Settnick)

Interner Link: Manfred Krug, 1937 in Duisburg geboren, zieht 1949 zusammen mit seinem Vater in die gerade gegründete DDR. Nach der Facharbeiterausbildung wird er mit 17 Jahren der jüngste Stahlschmelzer der DDR. 1954 beginnt er ein Studium an der Schauspielschule, ist bald am Interner Link: Berliner Ensemble engagiert und bekommt zahlreiche Rollen in Film und Fernsehen. 1966 gerät Krug erstmals mit dem Staat in Konflikt, als der Kinofilm „Spur der Steine“ mit ihm in der Hauptrolle gedreht wird. Der sanft Interner Link: sozialismuskritische Film wird noch vor der Premiere verboten.

Auch Manfred Krug gehört zu den Unterzeichnern des Offenen Briefs gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, mit dem er seit 1956 befreundet ist. Er fasst die Bedeutung des Liedermachers treffend zusammen: „Er war die Vorhut. Wenn er Richtung Front losging, und es blieb ruhig, konnte man bequem hinterherrobben. Nein, den Biermann wollte keiner loswerden. Der war unverzichtbar für die Orientierung. Als sie uns den weggenommen haben, wurden wir alle zum ersten Mal richtig böse.“

Manfred Krug versammelt am Abend des 19. November 1976 einige Schriftsteller und Schauspielfreunde in seinem Haus in Berlin und stellt ihnen den Brief vor. Die meisten von ihnen unterschreiben noch an diesem Abend. Am nächsten Tag gelingt es Manfred Krug, eine Runde prominenter DDR-Künstler und hoher Funktionäre der Interner Link: SED in seinem Haus zusammenzuführen. Er will mit den Parteigrößen ein Gespräch führen, um dem Staat die Haltung der Künstler begreiflich zu machen. Sie sollen Wolf Biermann ins Land zurückholen. Doch das Gespräch scheitert am Widerstand der Funktionäre. Den Wortlaut des von Manfred Krug heimlich mitgeschnittenen Gesprächs veröffentlicht er 20 Jahre später in seinem Buch „Abgehauen“.

Mit der Unterzeichnung des Offenen Briefs ist Manfred Krugs steile Karriere als Schauspieler und Jazz-Sänger in der DDR jäh beendet. Zwei schon fertig abgedrehte Filme werden nicht mehr gezeigt, weitere Rollenangebote werden zurückgezogen, Jazz-Konzerte mit Manfred Krug werden plötzlich abgesagt. Die Interner Link: Stasi überwacht ihn, stört seine restlichen Konzerte, lässt den Kartenverkauf nur an ein ausgewähltes Publikum zu. Nach ein paar Monaten der Repressalien sieht sich Manfred Krug gezwungen, einen Interner Link: Ausreiseantrag zu stellen.

In seinem Antrag heißt es: „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es verschiedene Meinungen geben muss und dass es nicht verboten sein darf, sie öffentlich auszutragen. Ich bin davon überzeugt, dass Biermann unserem Land fehlt. Nach meinen Erfahrungen sehe ich keine Chance, hier weiter zu existieren. [...] Nach reiflichem Bedenken beantrage ich für meine Familie und mich die Ausreise aus der DDR in die Interner Link: BRD, wo meine Mutter und mein Bruder leben.“

Dem Antrag wird stattgegeben. Im Westen arbeitet Manfred Krug schnell wieder als Schauspieler. Dort hat er großen Erfolg mit seiner Rolle als Anwalt in der Serie "Liebling Kreuzberg". Autor des Drehbuchs der Serie ist sein Freund Interner Link: Jurek Becker, der im Zusammenhang mit der Biermann-Ausweisung die DDR ebenfalls verlassen hat.

Manfred Krugs Autobiographie "Abgehauen" dokumentiert auf beklemmende Weise den „ganz normalen“ DDR-Alltag. Das Buch wird 1998 von Interner Link: Frank Beyer und Interner Link: Ulrich Plenzdorf für das Fernsehen verfilmt.

Fussnoten

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Kontext

Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

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Protest gegen Ausbürgerung Biermanns

Zwölf namhafte Künstler der DDR protestieren mit einem offenen Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Immer mehr Menschen schließen sich DDR-weit mit ihrer Unterschrift diesen Protesten an.

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Die Ausbürgerung von Wolf Biermann

Am 16. November 1976 gibt die DDR-Nachrichtenagentur ADN in der Sache Wolf Biermann eine Meldung heraus, die politische Sprengkraft entwickelt.

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Biermann – die Biografie

1936 in Hamburg geboren, verlässt Wolf Biermann als 16-Jähriger seine Heimatstadt und siedelt in die DDR über. Er hält den jungen Arbeiter- und Bauernstaat damals für den besseren Teil Deutschlands.

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Jurek Becker

Jurek Becker (geb. 1937), Überlebender der KZs Ravensbrück und Sachsenhausen, zog nach dem Krieg nach Berlin. Dort studierte der jüdisch-polnische Schriftsteller von 1957 bis 1960 Philosophie.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350