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Stephan Hermlin

Stephan Hermlin

Redaktion

Schriftsteller und Lyriker Stephan Hermlin ist einer der Hauptinitiatoren und Verfasser des Offenen Briefs, mit dem die DDR-Künstlerprominenz 1976 sich gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wendet.

(© Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1029_POL_SoliArt_19)

Interner Link: Stephan Hermlin, 1915 in Chemnitz geboren, stammt aus einem großbürgerlichen jüdischen Elternhaus. Er engagiert sich schon als Schüler in sozialistischen Jugendorganisationen. 1936 emigriert er aus Deutschland und kehrt im September 1945 zurück. 1947 tritt er in die gerade gegründete Interner Link: SED ein und bekleidet hohe Ämter im DDR-Schriftstellerverband. Ab Mitte der 1950er Jahre entwickelt Stephan Hermlin eine kritische Haltung zur einengenden DDR-Kulturpolitik, was ihm manche Parteistrafe einbringt. 1972 verfasst er ein Memorandum an Interner Link: Erich Honecker, in dem er die Interner Link: Zensurpolitik der DDR anprangert.

Stephan Hermlin ist ein Schriftsteller, der einerseits immer wieder vom Staat protegiert wird, sich in anderen Fällen aber auch deutlich von der Politik der DDR distanziert. So organisiert er offiziell Dichterlesungen mit dem „Staatsfeind“ Wolf Biermann. Stephan Hermlin ist einer der Ersten, die auf dessen Ausbürgerung reagieren. Noch am 17. November 1976 verfasst er unter Absprache mit anderen Künstlern den Offenen Brief, den er umgehend an zwei DDR-Medien weiterleitet: an das Neue Deutschland und an die Redaktion der Interner Link: Aktuellen Kamera.

Der überzeugte Kommunist engagiert sich in der Biermann-Sache

Doch die weigern sich, die Stellungnahme zu veröffentlichen. Um trotzdem die DDR-Bürger zu erreichen, übergibt Stephan Hermlin das Papier einem Korrespondenten der französischen Nachrichtenagentur Interner Link: Agence France Presse, um es in den Westmedien zu verbreiten, die ja immer auch in die DDR hineinstrahlen. Nach der Veröffentlichung des Briefs übers Westfernsehen und die Tageszeitungen der Bundesrepublik bekommen einige Künstler, die das Papier bereits unterschrieben haben, kalte Füße.

Einer von ihnen ist der bekannte und geachtete Bildhauer Interner Link: Fritz Cremer. Am 18. November 1976 schreibt er an Hermlin: „Ich fühle mich erstens überfahren und zweitens missbraucht [...], weil ich in meinem Leben bisher noch nie antisozialistische Presseagenturen gebeten habe, meine Absichten zu verbreiten.“ Hermlin antwortet kühl: „Zu Deiner Behauptung, überfahren und missbraucht worden zu sein, erlaube ich mir nur, Dir ins Gedächtnis zu rufen, dass ich Dir drei oder vier Mal beteuerte, ich hätte volles Verständnis dafür, wenn Du nicht unterschreiben wolltest. Dass Du darauf eifrig erwidertest, Du seiest mit dem Text völlig einverstanden.“

Fritz Cremer ist einer derjenigen Künstler, dem auf dem Titelblatt des Neuen Deutschlands ein Artikel gewidmet wird. Darin verteidigt er die Ausbürgerung und dementiert seine Unterschrift unter dem Protestbrief.

Nach seinem Engagement für Wolf Biermann erhält Stephan Hermlin eine strenge Parteirüge und wird fortan noch gründlicher von der Interner Link: Stasi überwacht. Als überzeugter Kommunist und geachteter Schriftsteller wird er jedoch nicht aus der SED ausgeschlossen. Stephan Hermlin stirbt 1996 in Berlin.

Fussnoten

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Kontext

Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

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Protest gegen Ausbürgerung Biermanns

Zwölf namhafte Künstler der DDR protestieren mit einem offenen Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Immer mehr Menschen schließen sich DDR-weit mit ihrer Unterschrift diesen Protesten an.

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Die Ausbürgerung von Wolf Biermann

Am 16. November 1976 gibt die DDR-Nachrichtenagentur ADN in der Sache Wolf Biermann eine Meldung heraus, die politische Sprengkraft entwickelt.

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Biermann – die Biografie

1936 in Hamburg geboren, verlässt Wolf Biermann als 16-Jähriger seine Heimatstadt und siedelt in die DDR über. Er hält den jungen Arbeiter- und Bauernstaat damals für den besseren Teil Deutschlands.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350