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Offener Brief prominenter Künstlerinnen und Künstler

Offener Brief prominenter Künstlerinnen und Künstler

Redaktion

Zwölf namhafte Künstler der DDR protestieren mit einem offenen Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Immer mehr Menschen schließen sich DDR-weit mit ihrer Unterschrift diesen Protesten an.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft/RP/29) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roger Melis / RHG_Fo_HAB_14907) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Roger Melis / RHG_Fo_HAB_14905) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Dietrich Bahß/RHG_Fo_DiBahß_213_a) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Markowsky / RHG_Fo_HAB_14921) (© Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 89_1029_POL_SoliArt_09) (© Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 73_0511_KUL_Plenzdorf_05) (© 89_1029_POL_SoliArt_19) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans Ludwig Böhme/HL-B_029) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Zöllner/RHG_Fo_RZ_0057)

Zwölf namhafte Künstlerinnen und Künstler protestieren im November 1976 mit ihrer Unterschrift gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Der Schriftsteller Interner Link: Stephan Hermlin verfasst die Erklärung an die Interner Link: SED-Führung. Zu den Erstunterzeichnern gehören international bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller: Interner Link: Christa Wolf, Interner Link: Stefan Heym, Interner Link: Heiner Müller, Interner Link: Volker Braun, Interner Link: Gerhard Wolf, Interner Link: Erich Arendt, Interner Link: Jurek Becker, Interner Link: Sarah Kirsch, Interner Link: Rolf Schneider, Interner Link: Franz Fühmann und Interner Link: Günter Kunert. (Bildergalerie)

Mehr als andere fühlen sich die Intellektuellen von der Ausbürgerungsaktion betroffen: Heute Biermann – morgen ein anderer Künstler, so denken sie. Stefan Heym befürchtet, dass sich „das Ausbürgern jetzt einbürgern“ wird und dass der Staat nun auf jede Kritik mit den härtesten Mitteln reagiert. Stephan Hermlin versucht zusammen mit Stefan Heym, das Parteiorgan Interner Link: Neues Deutschland zum Abdruck des Schreibens zu bewegen. Vergeblich. Nun sehen sich die Künstler gezwungen, den Brief in der Bundesrepublik zu veröffentlichen.

Jetzt schließen sich den öffentlichen Protesten immer mehr Prominente an. Die Parteiführung reagiert äußert nervös: Selbst die Kinder der Unterzeichner des Briefs werden von der Interner Link: Stasi überwacht. Durch „Gespräche“ und Strafandrohungen sollen einige der Künstler dazu bewogen werden, ihre Unterschriften zurückzuziehen. Wer das nicht tut, wird aus Partei und Schriftstellerverband ausgeschlossen – was einem Berufsverbot gleichkommt. Einige Unterzeichnende werden mit Auftritts- und Veröffentlichungsverboten belegt. Die Folge: Viele Prominente wie Interner Link: Manfred Krug oder Interner Link: Armin Mueller-Stahl verlassen sofort oder in den folgenden Jahren die DDR.

Die Verbreitung des Offenen Briefs wird aber auch von jungen, noch nicht so etablierten Künstler unterstützt, zum Beispiel vom Schriftsteller Interner Link: Jürgen Fuchs (25) und den Musikern Interner Link: Gerulf Pannach (28) und Interner Link: Christian Kunert (24), die schon seit einiger Zeit wegen ihrer kritischen Texte in der DDR Auftritts- und Publikationsverbot haben. Sie werden verhaftet und nach mehreren Monaten im Gefängnis in die Bundesrepublik abgeschoben. (Christian Kunert berichtet im Zeitzeugen-Video über seine Erlebnisse.) Die miserable Behandlung dieser jungen Künstler ruft sowohl im Westen als auch im Osten Deutschlands eine Welle der Solidarität hervor.

Fussnoten

Weitere Inhalte

Artikel

Kontext

Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

Artikel

Die Ausbürgerung von Wolf Biermann

Am 16. November 1976 gibt die DDR-Nachrichtenagentur ADN in der Sache Wolf Biermann eine Meldung heraus, die politische Sprengkraft entwickelt.

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Biermann – die Biografie

1936 in Hamburg geboren, verlässt Wolf Biermann als 16-Jähriger seine Heimatstadt und siedelt in die DDR über. Er hält den jungen Arbeiter- und Bauernstaat damals für den besseren Teil Deutschlands.

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Stephan Hermlin

Schriftsteller und Lyriker Stephan Hermlin ist einer der Hauptinitiatoren und Verfasser des Offenen Briefs, mit dem die DDR-Künstlerprominenz 1976 sich gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wendet.

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Jurek Becker

Jurek Becker (geb. 1937), Überlebender der KZs Ravensbrück und Sachsenhausen, zog nach dem Krieg nach Berlin. Dort studierte der jüdisch-polnische Schriftsteller von 1957 bis 1960 Philosophie.

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Manfred Krug

Als Manfred Krug die DDR 1977 in Richtung Westen verlässt, ist er einer der berühmtesten und beliebtesten Schauspieler des Landes.

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Fuchs, Kunert und Pannach

Sie schreiben und singen kritische Texte und ihr Protest gegen die Biermann Ausbürgerung bringt sie ins Gefängnis. Die DDR sollten sie erst nach dem Mauerfall wieder sehen.

Zeitzeuge

Christian Kunert

Christian Kunert ist seit 1971 Keyboarder der Band Renft. Diese wird 1975 endgültig verboten. Gerulf Pannach, seinem Musikerkollegen, ist schon vorher ein Auftrittsverbot erteilt worden.

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Die Aktion der Jungen Gemeinde Stadtmitte

Mitglieder der Jungen Gemeinde Jena Stadtmitte und Freunde unterstützen per Unterschriften den Protest gegen Biermanns Ausbürgerung. Viele von ihnen landen kurz darauf in der Bundesrepublik.

Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.

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Für den Hinweis auf Texte von www.jugendopposition.de, die keine konkrete Autorin/ keinen konkreten Autor genannt haben, empfehlen wir folgende Zitierweise (Beispiel):

„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350