Reaktionen in der DDR auf das Ende des Prager Frühlings
Junge Leute ziehen nachts los und malen Parolen an Häuserwände. Sie spüren, dass etwas geschehen ist, das nie wiedergutzumachen ist.
Die blutige Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 erschüttert bei vielen Menschen den Glauben an einen demokratischen Sozialismus
tief. In der DDR bekunden viele spontan ihre Solidarität mit den von Dubcek eingeleiteten Reformen.
Ja zu Reformen: Nach dem Einmarsch von Truppen tauchen in vielen Orten der DDR Solidaritätsbekundungen mit den Ideen des Prager Frühlings auf. Die
Losung im Bild schreibt ein 18-jährige Oberschüler in der Nacht vom 23. zum 24. August 1968 an eine Kirchenmauer in Mylau.
Auch in Sachsen hagelt es Protest: In Naundorf (nahe Freiberg) registriert die Staatssicherheit Plakate gegen den Einmarsch der
Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR.
Auch in Sachsen hagelts Protest: Zwei Jugendliche (19 und 17 Jahre alt) setzen mit selbst gefertigten Plakaten ein Zeichen gegen den Einmarsch in die
ČSSR. Sie beschriften am 25. August 1968 zwei große Pappen und bringen sie an der Bäckerei sowie am Rat der Gemeinde ihres Heimatortes Naundorf (nahe Freiberg) an. Wegen "staatsfeindlicher Hetze und Staatsverleumdung" werden sie zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten sowie wegen "Staatsverleumdung" zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt.
In Anspielung auf den Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, Walter Ulbricht, hat ein Unbekannter dieses Plakat an den Gartenzaun der
Fichte-Oberschule in Mittweida gehängt.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
In Schwerin schreibt ein 21-jähriger Flugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR und verteilt diese in Hausbriefkästen
in seiner Wohngegend.
"Russen raus aus der ČSSR!" Diese Losung hat ein 19-jähriger auf der Bahnhofstraße in Bützow angebracht.
Am 29. August 1968 registriert die Transportpolizei Losungen gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR im Bahnhof von Pritzwalk.
Am 29. August 1968 registriert die Transportpolizei Losungen gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR im Bahnhof von Pritzwalk.
Zwei Lehrlinge, 18 und 19 Jahre alt, bringen in der Nacht vom 28. zum 29. August 1968 7 Parolen gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im
Bahnhof Pritzwalk an.
Zwei Lerhlinge, 18 und 19 Jahre alt, bringen in der Nacht vom 28. zum 29. August 1968 7 Parolen gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im
Bahnhof Pritzwalk an.
Die Volkspolizei registriert am Morgen des 22. August 1968 Losungen gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR an der Außenwand des
Konsums in Neu-Gülze (Kreis Hagenow).
"Ulbricht läßt wieder deutsche Soldaten schießen, er kommt Adolf gleich." Diese Losung bringt ein 18-jähriger Lehrling am 21. August 1968 an der
Wand der Konsumverkaufsstelle in Neu-Gülze (Kreis Hagenow) an.
"Ulbricht ist ein Schwein." Diese Losung bringt ein 18-jähriger Lehrling am 21. August 1968 an der Wand der Konsumverkaufsstelle in Neu-Gülze (Kreis
Hagenow) an. Schon wenige Tage später wird er von der Staatssicherheit verhaftet.
Haftbefehl gegen den 18-jährigen Lehrling aus Neu-Gülze. Am 6. Februar 1969 verurteilt ihn das Bezirksgericht Schwerin zu einer Freiheitsstrafe von
20 Monaten. Im April 1969 wird die Freiheitsstrafe zu einer Bewährungszeit von zwei Jahren ausgesetzt.
Die Stasi protokolliert mit. Im Bild: Bericht des MfS über einen Jugendlichen, der sich in Lübbenau an Protestdemonstrationen gegen die
Niederschlagung des Prager Frühlings beteiligt. Deswegen werden ihm vom MfS gewaltsam die Haare geschnitten.
Protestaktion auf der Fernverkehrsstraße 96. Ermittlungsfoto des MfS vom 27./28. August 1968.
Protestaktion auf der Fernverkehrsstraße 96. Ermittlungsfoto des MfS vom 27./28. August 1968.
Übersicht zum "Anfall von selbstgefertigten Hetzschriften 1968", die der Staatssicherheitsdienst erstellt hat. Nicht einmal ein Viertel aller
registrierten Protestaktionen konnte aufgeklärt werden.
Der 21. August 1968 ist ein schwülheißer Hochsommertag. Seit den frühen Morgenstunden verbreiten die Ostsender Erklärungen über eine „Hilfsaktion der sozialistischen
Die ersten Fernsehbilder aus Prag zeigen junge Leute, die sich den Panzern entgegenstellen: empörte und fassungslose Menschen, die versuchen, mit den Sowjetsoldaten zu reden. Die Fernsehzuschauer sehen außerdem Jugendliche, die eine
In der DDR herrscht an diesem Sommertag Ruhe. Die Städte machen einen ausgestorbenen Eindruck. Nur dem aufmerksamen Beobachter fällt die erhöhte Polizeipräsenz in den Straßen auf. Seit dem Vorabend herrscht bei allen bewaffneten Organen höchste Alarmstufe. Die Genossen der
Die Stille im Lande steht im Gegensatz zur inneren Aufgewühltheit der Menschen. Sie spüren, dass an diesem Tag etwas geschehen ist, das niemals wiedergutzumachen ist. Über den in der Tschechoslowakei proklamierten „
Nach den Ereignissen in Prag blüht der Widerstand wieder auf
Der Widerspruch zwischen der Ruhe, die nach außen hin demonstriert werden muss, und der inneren Empörung zerreißt viele junge Leute förmlich. Etliche machen ihrer Enttäuschung durch spontane Aktionen Luft, ziehen nachts los und malen Parolen an Häuserwände. Sie fertigen handgeschriebene Flugblätter an, die sie in Hausbriefkästen werfen oder an die Wände kleben.
Andere entschließen sich zu offenen Formen des Widerstands: Sie geben Protesterklärungen ab oder verweigern sich den überall eingeforderten Zustimmungserklärungen, welche die SED in diesen Tagen verschickt und mit denen man die parteitreue Gesinnung schriftlich dokumentieren soll. Zahlreiche Aktivisten werden verhaftet. In einigen brandenburgischen und thüringischen Städten treibt die Polizei Jugendliche auseinander, die ihren Protest auf die Straße tragen wollen.
Im Oktober 1968 legt der Generalstaatsanwalt der DDR eine Statistik über Personen vor, die im Zusammenhang mit den „Hilfsmaßnahmen der Bruderstaaten“ auffällig werden. Dies betrifft insgesamt 1.189 Personen, wobei die Masse der „Straftäter“ zwischen 16 und 30 Jahre alt ist. Zählt man noch diejenigen unter 16 Jahren hinzu, kommt man auf 75 Prozent, das heißt, drei Viertel aller Ermittelten sind unter 30 Jahre. Erstaunlich: 84,2 Prozent der belangten Personen sind Arbeiter, während nur 1,7 Prozent Intellektuelle und 8,5 Prozent Schüler und Studenten sind.
Bei allen, die gegen die Niederschlagung in Prag aufbegehren, überwiegt das Gefühl von Ohnmacht und Isolation. Die breite Masse der Bevölkerung scheint die völkerrechtswidrige Gewaltaktion gleichgültig hinzunehmen. Der Theaterregisseur Adolf Dresen hat über die Protestaktion von Thomas Brasch, einem Ostberliner Funktionärssohn und angehenden Lyriker, ein Gedicht geschrieben, dass diese Stimmung zum Ausdruck bringt:
BRASCH
Als die Interventen in Prag einmarschierten
Verteilte Brasch am Prenzlauer Berg Flugblätter:
Wollt ihr euch denn alles gefallen lassen?
Das Schlimme war nicht, dass sie ihn nach drei Tagen abholten
Das Schlimme war, dass er nach drei Tagen merkte, ja
Sie wollen sich alles gefallen lassen.
Wer nicht Mitglied in der Pionierorganisation ist, muss schon als Kind lernen, zu argumentieren.
Ich war die Einzige, die in der Klasse nicht bei den Pionieren war. Oder gab es noch eine Zweite? Doch, eine Familie, die vor '61 in den Westen ging. Es waren oft Familien. Es war irgendwie merkwürdig: 'Es ist aber schade, dass du nicht bei den Pionieren bist. Lassen dich deine Eltern nicht, und warum willst denn du nicht?'. Solche Fragen zu beantworten in der ersten, zweiten, dritten Klasse, so übt man schon argumentieren.
Hildegart Becker, Zeitzeugin auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2007
Spieldauer: 1 Min.
© 2007 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350