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Bernd Eisenfelds Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings

Bernd Eisenfelds Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings

Redaktion

„Am liebsten würde ich Berlin oder Leipzig in der Rolle des heutigen Prag sehen“, schreibt Bernd Eisenfeld an Radio Prag. „Ich sehe Zukunft. Viele sehen Zukunft.“

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Seit Anfang 1968 tun sich in der Interner Link: Tschechoslowakei (Interner Link: ČSSR) erstaunliche Dinge. Der „Interner Link: Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ wird verkündet. Und auf die Worte folgen Taten: Die Interner Link: Zensur wird abgeschafft, ausländische Zeitungen werden zugelassen, unabhängige Gruppen entstehen, die Grenzen werden geöffnet. Das wirkt auf viele DDR-Bürger wie ein schöner Traum. Die Interner Link: SED-Führung verfolgt die Demokratisierung voller Hass und Misstrauen. Umso mehr, weil es auch unter SED-Mitgliedern Sympathien für den Reformkurs gibt.

Chefideologe Interner Link: Kurt Hager und andere Interner Link: Politbürokraten ergehen sich deshalb in düsteren Andeutungen über die „schleichende Konterrevolution“. Ansonsten senkt sich ein Vorhang des Schweigens über die Vorgänge im Nachbarland. Die westlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten berichten nicht allzu viel zu diesem Thema. Ihr Herz für den Prager Reformkommunismus entdecken sie erst nach dessen Ende.

Das deutschsprachige Programm von Interner Link: Radio Prag liefert Informationen aus erster Hand. Besonders junge Menschen in der DDR stürzen sich auf jede Nachricht aus der Tschechoslowakei. Interner Link: Bernd Eisenfeld (27) aus Halle/Saale schreibt einen Brief an das Jugendstudio des Senders: „Ich bin verliebt! Verzeihen Sie, dass ich Hals über Kopf all meine Sehnsucht, meine Hoffnungen und all meine Liebe heraussprudele, ohne dass Sie mich überhaupt kennen. [...] Ich beneide Sie so furchtbar ehrlich, dass ich am liebsten Berlin oder Leipzig in der Rolle des heutigen Prag sehen wollte. [...] Halten Sie ganz fest, was Sie sich jetzt erobert haben. Ich sehe Zukunft. Viele sehen Zukunft. [...] Können Sie sich vorstellen, wie es in Deutschland weitergeht, wenn in der DDR so empfunden werden darf wie heute bei Ihnen?“

Verliebt in die Freiheit: Bernd Eisenfeld hat Hoffnung

Den Kopf voller Ideale und Träume geht der junge Mann ins Haus der Interner Link: Deutsch-Sowjetischen Freundschaft in Halle/Saale und greift dort in eine öffentliche Diskussion anlässlich der neuen Verfassung der DDR ein. Der Referent, ein Dozent für Interner Link: Marxismus-Leninismus, schreibt in seinem Bericht an die Interner Link: Stasi, dass Bernd Eisenfeld behauptet habe, „dass es in der DDR keine Informationsfreiheit gäbe“. Weiter heißt es: „Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung in der ČSSR und äußerte, dass diese Entwicklung auch für unsere Gesellschaftsordnung notwendig wäre.“

Im Sommer 1968 machen sich viele DDR-Jugendliche auf die Reise, um ein bisschen Freiheitsluft zu schnuppern. In Prag und anderswo machen sie die Erfahrung, dass Tschechen und Slowaken begeistert über ihre kommunistische Führung sprechen. Anzeichen für eine Konterrevolution können sie nicht feststellen.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0502)

Umso größer ist der Schock, als sich am 21. August 1968 die Nachricht verbreitet, dass die Truppen des Interner Link: Warschauer Paktes die Tschechoslowakei überrollen. Bernd Eisenfeld schickt ein Solidaritätstelegramm an die Botschaft der ČSSR. Am 20. September 1968 verteilt er im Stadtzentrum von Halle/Saale Flugblätter. Als er das am nächsten Tag wieder tun will, erwartet ihn die Stasi bereits. Er wird verhaftet und im Februar 1969 zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er muss die Strafe vollständig absitzen.

Fussnoten

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Kontext

Black Panther, Studentenrevolte, Martin Luther King, Vietnamkrieg, Kulturrevolution, Che Guevara, APO, Rudi Dutschke, Straßenschlachten, Politsekten, Warschau, Ulbricht tritt ab – Honecker an

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Prager Frühling

Was sich in diesen Monaten in der CSSR ereignet, wühlt die ganze Welt auf: Freiheit und Sozialismus sollen eine Einheit bilden.

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Reisen in die ČSSR

Im Frühjahr und Sommer 1968 ist Prag begehrtes Reiseziel von vielen Jugendlichen aus der DDR. Zu dieser Zeit erscheint die CSSR als Land fast unbegrenzter Möglichkeiten. Aber der Schein trügt.

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Einmarsch des Warschauer Paktes

Im August 1968 marschieren die Truppen der Warschauer Pakt Staaten in die CSSR ein und zerschlagen die Hoffnung auf einen demokratischen Kommunismus.

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Ich unterschreibe nicht!

Im August 1968 beendet der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen den Prager Frühling. Die „sozialistische Bruderhilfe“ erschüttert den Glauben an demokratischen Sozialismus.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350