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Rock 'n' Roll und Halbstarke in der DDR

Rock 'n' Roll und Halbstarke in der DDR

Redaktion

Die Politik, die Kirchen und die Spießer in beiden Teilen Deutschlands sind sich ausnahmsweise einig: Er ist kulturlos, unsittlich und viel zu laut. Die jungen Leute lieben ihn: den Rock 'n' Roll.

(© DHM ) (© DHM ) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 1 von 2 ) (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, Seite 2 von 2 )

Auch wenn Ost und West nun vieles trennt: Das gespaltene Deutschland hat durchaus Gemeinsamkeiten. Als die wilden Rhythmen der Rock-'n'-Roll-Welle über den Atlantik schwappen, ist die ältere Generation in West und Ost entsetzt. Jugendliche springen mit „unzüchtigen Verrenkungen“ auf den Tanzflächen herum! Sie kleiden sich in Lederjacken und Nietenhosen und kämmen sich eine Ente – die mit viel Pomade gestylte Frisur, die am Hinterkopf wie ein Entenschwanz aussieht.

Im Westen ziehen die Kirchen gegen den moralischen Verfall der Jugend zu Felde. Für die Interner Link: SED steht nun fest, dass „der Fäulnisprozess des Kapitalismus in sein letztes Stadium getreten ist“. Die Jugendlichen werden gesamtdeutsch als „Halbstarke“ missbilligt. Zunächst ist das ein Schimpfwort, später aber bezeichnen sich die Jugendlichen selbst so. Ihr Idol ist Interner Link: James Dean, der Rebell aus dem Film „... denn sie wissen nicht, was sie tun“ (1955; Englischer Originaltitel: „Rebel Without a Cause“). In Deutschland prägt Horst Buchholz im Film „Die Halbstarken“ (1956) das Bild des gegen die Spießer rebellierenden Jugendlichen. Vor allem aber ist es Elvis Presley, der King of Interner Link: Rock 'n' Roll, dem die Herzen zufliegen.

Spießer nerven Jugendliche – hüben wie drüben

Humor gehört nicht zu den Stärken der SED: Für sie ist der Rock 'n' Roll ein ernst zu nehmendes „Geschütz im Interner Link: Kalten Krieg“. Im Oktober 1958 gibt es in westdeutschen Städten und in West-Berlin Krawalle nach Bill-Haley-Konzerten. Das dient der DDR-Propaganda als Beispiel dafür, was die „amerikanische Unkultur“ in den Hirnen der Jugendlichen anrichtet. Das Interner Link: FDJ-Organ Junge Welt schreibt: Diese Musik solle die Jugend „systematisch verdummen und verrohen“. Der angebliche Grund: Die jungen Leute sollen zu „willfährigen Werkzeugen der Kriegspolitik der Interner Link: NATO“ werden. Interner Link: Walter Ulbricht polemisiert gegen die „ekstatischen Gesänge eines Presley“. All das kratzt die Jugendlichen aber nicht sonderlich: Elvis' Popularität bleibt ungebrochen. Allerorten bespöttelt werden dagegen die Versuche, dem Rock 'n' Roll mit dem Modetanz Lipsi eine sozialistische Tanzkultur entgegenzusetzen.

Linientreues Gehoppse versus unzüchtiges Verrenken

Ein bisschen was vom Lebensgefühl der unangepassten Jugend spiegeln die DEFA-Filme aus den 1950er Jahren wider, speziell die Berlin-Filme von Wolfgang Kohlhaase und Gerhard Klein: „Alarm im Zirkus“ (1954), „Eine Berliner Romanze“ (1956) und „Berlin – Ecke Schönhauser“ (1956/57). Alle drei Streifen spielen in der geteilten Stadt Berlin vor dem Interner Link: Mauerbau. Sie sind zwar propagandistisch gefärbt (der Westen gilt als „Reich des Bösen“), jedoch werden die Probleme im Osten kaum beschönigt. Sie zeigen Jugendliche, die aus der Enge ihres Milieus auszubrechen versuchen. Besonders „Berlin – Ecke Schönhauser“ ist ein großer Erfolg in den Kinos. Bei der SED-Kulturbürokratie stößt er auf Kritik.

Auch der DEFA-Film „Die Glatzkopfbande“ (1963) zeigt rebellierende DDR-Jugendliche, allerdings mit belehrender Absicht. Der Film hat einen realen Hintergrund: Einige junge Leute aus Ost-Berlin und Umgebung lassen sich 1961 während ihres Ostseeurlaubs eine Glatze scheren. Und sie wagen es, Rock 'n' Roll in einem Gasthaus auf ihrem Zeltplatz zu tanzen. Als sie nicht aufhören, ruft der Wirt die Polizei. Es kommt zu Verhaftungen, wogegen weitere Jugendliche in der Polizeibaracke protestieren, bis Interner Link: FDJler und eine LKW-Ladung Grenzpolizisten auch diese Jugendlichen festnehmen.

Die SED-Propaganda macht daraus die „Glatzkopfbande“. Das Bezirksgericht Rostock verhängt mehrere langjährige Freiheitsstrafen gegen die Aufmüpfigen. Der gleichnamige Film diffamiert die harmlosen Jugendlichen als westlich verseuchte Kriminelle. Doch die Sympathien des jugendlichen Kinopublikums sind wohl eher aufseiten der glatzköpfigen Rock-Fans. Der Interner Link: Progress Filmvertrieb nimmt den Film deshalb vorsichtshalber aus dem Programm.

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350