Rock 'n' Roll und Halbstarke in der DDR
Die Politik, die Kirchen und die Spießer in beiden Teilen Deutschlands sind sich ausnahmsweise einig: Er ist kulturlos, unsittlich und viel zu laut. Die jungen Leute lieben ihn: den Rock 'n' Roll.
Jugendliche mit Kofferradio und James-Dean-Tasche in den 1950er Jahren.
Ideologisch nicht ganz lupenrein: Der Film „Berlin – Ecke Schönhauser“ von Wolfgang Kohlhaase (Drehbuch) und Gerhard Klein (Regie) ist in den
Kinos ein großer Erfolg. Die SED-Kulturbürokratie lässt den Streifen aber nur widerwillig zu. In den ersten drei Monaten sehen ihn über anderthalb Millionen Zuschauer.
Protokoll der Parteiaktivtagung des MfS vom 30. November 1956. Gustav Szinda, Leiter der Hauptabteilung VII des MfS, spricht über die Jugend.
Protokoll der Parteiaktivtagung des MfS vom 30. November 1956. Gustav Szinda, Leiter der Hauptabteilung VII des MfS, spricht über die Jugend.
Auch wenn Ost und West nun vieles trennt: Das gespaltene Deutschland hat durchaus Gemeinsamkeiten. Als die wilden Rhythmen der Rock-'n'-Roll-Welle über den Atlantik schwappen, ist die ältere Generation in West und Ost entsetzt. Jugendliche springen mit „unzüchtigen Verrenkungen“ auf den Tanzflächen herum! Sie kleiden sich in Lederjacken und Nietenhosen und kämmen sich eine Ente – die mit viel Pomade gestylte Frisur, die am Hinterkopf wie ein Entenschwanz aussieht.
Im Westen ziehen die Kirchen gegen den moralischen Verfall der Jugend zu Felde. Für die
Spießer nerven Jugendliche – hüben wie drüben
Humor gehört nicht zu den Stärken der SED: Für sie ist der Rock 'n' Roll ein ernst zu nehmendes „Geschütz im
Linientreues Gehoppse versus unzüchtiges Verrenken
Ein bisschen was vom Lebensgefühl der unangepassten Jugend spiegeln die DEFA-Filme aus den 1950er Jahren wider, speziell die Berlin-Filme von Wolfgang Kohlhaase und Gerhard Klein: „Alarm im Zirkus“ (1954), „Eine Berliner Romanze“ (1956) und „Berlin – Ecke Schönhauser“ (1956/57). Alle drei Streifen spielen in der geteilten Stadt Berlin vor dem
Auch der DEFA-Film „Die Glatzkopfbande“ (1963) zeigt rebellierende DDR-Jugendliche, allerdings mit belehrender Absicht. Der Film hat einen realen Hintergrund: Einige junge Leute aus Ost-Berlin und Umgebung lassen sich 1961 während ihres Ostseeurlaubs eine Glatze scheren. Und sie wagen es, Rock 'n' Roll in einem Gasthaus auf ihrem Zeltplatz zu tanzen. Als sie nicht aufhören, ruft der Wirt die Polizei. Es kommt zu Verhaftungen, wogegen weitere Jugendliche in der Polizeibaracke protestieren, bis
Die SED-Propaganda macht daraus die „Glatzkopfbande“. Das Bezirksgericht Rostock verhängt mehrere langjährige Freiheitsstrafen gegen die Aufmüpfigen. Der gleichnamige Film diffamiert die harmlosen Jugendlichen als westlich verseuchte Kriminelle. Doch die Sympathien des jugendlichen Kinopublikums sind wohl eher aufseiten der glatzköpfigen Rock-Fans. Der
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350