„Abstimmung mit den Füßen“ – Republikflucht, Ausreise, Freikauf
Zwischen 1949 und 1989 verlassen ca. 3,8 Mio. DDR-Bewohner ihre Heimat – legal oder illegal. Über Tausend von ihnen bezahlen ihre Flucht mit dem Leben.
Bis zum Bau der Mauer am 13. August 1961 haben die Menschen in der DDR dank der offenen Grenzen die realistische Möglichkeit, die DDR zu verlassen.
In den Jahren zwischen 1949 und 1961 flüchten etwa 2,7 Millionen in Richtung Bundesrepublik, um dort ein neues Leben zu beginnen. Flüchtlinge aus der DDR überqueren die Grenze zur Bundesrepublik (1949/50).
Landschaftliche Idylle am Schlagbaum bei Asbach (Thüringen). 1950 können sich diese beiden Männer noch ungestört über den Schlagbaum hinweg
unterhalten. In den folgenden Jahren baut die DDR die Grenze zur Bundesrepublik zu einem fast unüberwindbaren Hindernis aus. Metallgitterzäune, Stacheldraht, Minenfelder, Selbstschussanlagen, Postentürme und Wachhunde sollen eine Flucht aus der DDR verhindern. Wer es dennoch versucht, muss damit rechnen, von Grenzposten erschossen zu werden.
Kein seltener Anblick: Familien mit fünf oder mehr Kindern wagen den Sprung aus der DDR in die Bundesrepublik. Eine Familie 1950 im Durchgangslager
Gießen.
Richtfest des Notaufnahmelagers Berlin-Marienfelde 1952. Etwa 1,35 Millionen politische Flüchtlinge aus der DDR durchlaufen von 1953 bis 1990 das
Notaufnahmelager in Berlin-Marienfelde. Hier werden sie untergebracht, mit dem Nötigsten versorgt und durchlaufen das notwendige Verfahren, um eine Aufenthaltsgenehmigung für die Bundesrepublik und West-Berlin zu erhalten.
Flüchtlinge aus der DDR vor der Meldestelle des Westberliner Senats in der Kuno-Fischer-Straße im August 1952.
Flüchtlinge aus der DDR im Juli 1961 im Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde.
Ausweis für Vertriebene und Flüchtlinge.
Im November 1961 flüchtet der 17-jährige Schüler Falco Werkentin nach West-Berlin und erhält, nachdem er das Notaufnahmeverfahren durchlaufen hat,
die Erlaubnis zum ständigen Aufenthalt im Bundesgebiet. Formular zum Notaufnahmeverfahren.
Formular zum Notaufnahmeverfahren.
Im November 1961 flüchtet der 17-jährige Schüler Falco Werkentin nach West-Berlin. In einem Brief an einen Freund schildert er seine Flucht.
Im November 1961 flüchtet der 17-jährige Schüler Falco Werkentin nach West-Berlin. In einem Brief an einen Freund schildert er seine Flucht.
Im November 1961 flüchtet der 17-jährige Schüler Falco Werkentin nach West-Berlin. In einem Brief an einen Freund schildert er seine Flucht.
Im November 1961 flüchtet der 17-jährige Schüler Falco Werkentin nach West-Berlin. In einem Brief an einen Freund schildert er seine Flucht.
Im November 1961 flüchtet der 17-jährige Schüler Falco Werkentin nach West-Berlin. In einem Brief an einen Freund schildert er seine Flucht.
Im November 1961 flüchtet der 17-jährige Schüler Falco Werkentin nach West-Berlin. In einem Brief an einen Freund schildert er seine Flucht.
Weil er ohne staatliche Genehmigung die DDR verlassen hat, wird gegen Folco Werkentin am 9. Januar 1962 ein Haftbefehl erlassen.
In der Nacht zum 6. Februar 1989 stirbt der 21-jährige Chris Gueffroy durch Schüsse von DDR-Grenzposten bei einem Fluchtversuch an der Berliner
Mauer. Ein Großaufgebot von Kräften des Ministeriums für Staatssicherheit und der Volkspolizei schirmt die Trauernden während der Beisetzung am 23. Februar 1989 ab.
Kaum gibt es die Chance, ohne Gefahr für Leib und Leben das Land zu verlassen, machen sich Zehntausende auf den Weg, um über die sozialistischen
Nachbarstaaten der DDR den Rücken zu kehren. DDR-Flüchtlinge in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag (1. Oktober 1989).
Am 19. August 1989 fand das sogenannte "Paneuropäische Picknick" am Grenzübergang Sopron (Ungarn)/St. Margarethen (Österreich) statt. Die Grenze
wurde an diesem Tag geöffnet und hunderte DDR-Bürger nutzen diese Gelegenheit, um in den Westen zu fliehen. Viele gingen einfach über Äcker und Wiesen zu Fuß nach St. Margarethen, von wo es mit Reisbussen nach Wien zum Bahnhof für eine Weiterreise in die Bundesrepublik ging. Über Feldwege geht es in österreichische St. Margarethen.
Am 19. August 1989 fand das sogenannte "Paneuropäische Picknick" am Grenzübergang Sopron (Ungarn)/St. Margarethen (Österreich) statt. Die Grenze
wurde an diesem Tag geöffnet und hunderte DDR-Bürger nutzen diese Gelegenheit, um in den Westen zu fliehen. Viele gingen einfach über Äcker und Wiesen zu Fuß nach St. Margarethen, von wo es mit Reisbussen nach Wien zum Bahnhof für eine Weiterreise in die Bundesrepublik ging. Über Feldwege geht es in österreichische St. Margarethen.
Geflüchtete DDR-Bürger am 25.8.1989 im Notaufnahmelager im westfälischen Schöppingen.
Geflüchtete DDR-Bürger am 25.8.1989 im Notaufnahmelager im westfälischen Schöppingen. Betriebe aus der Umgebung suchen unter den geflüchteten
DDR-Bürgern mit selbstgestalteten Jobangeboten nach Arbeitskräften.
Bis zum Bau der
Auffällig sind die jährlichen, in manchen Zeiten die monatlichen Schwankungen in der Zahl der Flüchtigen. Je radikaler die SED bis zum Sommer 1961 den Aufbau des
Rund 2,7 Mio. DDR-Bewohner werden zwischen 1949 und dem 13. August 1961 im
Zum Entsetzen der SED sind es gerade junge Menschen, die massenhaft das Land verlassen. Ihr Anteil (Flüchtlinge unter 25 Jahren) liegt bei etwa 50 Prozent. Sie gehen, obwohl man sie von Kindesbeinen an in der Schule durch die Jungen
Die Bundesrepublik hat unterdessen Probleme, die vielen Flüchtlinge aufzunehmen. Und so fordert am 10. August 1961 der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer, die DDR-Bevölkerung dazu auf, in der Heimat zu bleiben.
Die DDR droht auszubluten. Der Bau der Mauer in Berlin am 13. August 1961 und der weitere Ausbau der innerdeutschen Grenze sind der einzige Ausweg, um die SED-Herrschaft und damit die Existenz der DDR zu retten. Zwangsläufig geht die Zahl der Flüchtlinge deutlich zurück. Große Teile der eingemauerten Bevölkerung arrangieren sich mit dem aufgezwungenen politischen System und seinen politischen Ritualen, so lange es keine Hoffnung gibt, etwas zu ändern. Wie brüchig dieses Arrangement und wie wenig es ein Ausdruck der politischen Zustimmung ist, zeigt sich ab Sommer 1989. Sofort nachdem es die Chance gibt, ohne Gefahr für Leib und Leben das Land zu verlassen, machen sich Zehntausende auf den Weg, um über die sozialistischen Nachbarstaaten der DDR den Rücken zu kehren.
Aber auch zuvor haben Hunderttausende nach dem Mauerbau jede nur denkbare Möglichkeit genutzt, in die Bundesrepublik zu gelangen. Am einfachsten ist es für Menschen im Rentenalter. Sie dürfen in der Regel die DDR legal verlassen, da sie keinen Beitrag mehr zum Aufbau des Sozialismus leisten und nur Kosten verursachen. Andere, meist Künstler, Wissenschaftler, Ingenieure, Sportler oder Geschäftsleute, nutzen genehmigte Dienstreisen ins westliche Ausland, um nicht zurückzukehren.
1975 unterzeichnet die DDR die
Den dramatischsten und gefährlichsten Weg gehen die „Sperrbrecher“. Damit sind Personen gemeint, die mit oder ohne Hilfe westlicher Fluchthelfer versuchen, die immer undurchdringlicher werdenden Grenzanlagen und Grenzübergänge zu überwinden. Für die Zeit zwischen dem 13. August 1961 und Ende 1988 sind das ca. 40.000 Menschen.
Strafverfahren zur Ahndung von Fluchtversuchen, zur Bestrafung von Fluchthelfern und zur strafrechtlichen Abwehr von Ausreiseanträgen machen seit dem Mauerbau mehr als zwei Drittel aller politischen Strafverfahren aus. Mit dem sozialistischen Strafgesetzbuch von 1968 wird ein eigener Straftatbestand zum
Doch noch größer ist die Gefahr, beim Fluchtversuch getötet zu werden. Allein an der
Alles in allem verlassen zwischen 1949 und 1989 ca. 3,8 Mio. DDR-Bewohner ihre Heimat – legal oder illegal.
Weitere Inhalte
Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.
Kontakt zur Redaktion von www.jugendopposition.de: E-Mail Link: info@jugendopposition.de
Für den Hinweis auf Texte von www.jugendopposition.de, die keine konkrete Autorin/ keinen konkreten Autor genannt haben, empfehlen wir folgende Zitierweise (Beispiel):
„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350