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Für Frieden, Einheit und Freiheit - Der 17. Juni 1953 in Halle

Für Frieden, Einheit und Freiheit - Der 17. Juni 1953 in Halle

Redaktion

Drei Studenten rufen über die Lautsprecheranlage eines Verkehrspostens zu einer Demo auf. Es wird die größte Protestkundgebung in der Geschichte der Arbeiterstadt.

(© Verein Zeitgeschichte(n) e. V. Halle ) (© Archiv Alexander K. Ammer) (© Archiv Alexander K. Ammer) (© Bildarchiv Foto Marburg )

Im Waggonbau Ammendorf bei Halle wird am 17. Juni 1953 mit Beginn der Frühschicht gestreikt. Gruppen von Arbeitern ziehen von Betrieb zu Betrieb, um ihre Kollegen zum Streik zu ermuntern. In Marschkolonnen bewegen sich die Streikenden in den Vormittagsstunden Richtung Innenstadt.

Die politischen Parolen sind eindeutig: freie Wahlen und Rücknahme der Normerhöhung. Das Verhalten der Demonstranten lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Streikbewegung nach und nach zum Volksaufstand entwickeln wird. Überall reißen die Menschen die Fahnen und Parolen der Partei herunter. „Spitzbart, Bauch und Brille sind nicht des Volkes Wille!“ skandiert die Menge. Damit spielen sie auf Interner Link: Walter Ulbricht, Interner Link: Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl an, die drei führenden Männer des Staates. In den Geschäften und Gaststätten entfernt das Personal eilig die Bilder der Interner Link: SED-Führer. Viele Geschäftsinhaber lassen die Rollläden herunter und schließen sich dem Demonstrationszug an.

Spitzbart, Bauch und Brille sind nicht des Volkes Wille!

Doch den Demonstranten fehlt jegliche Organisation – zu spontan hat sich die Masse zusammengefunden. So beginnen sich die Streikenden in der Stadt zu zerstreuen. Der Großteil der Demonstranten versammelt sich am Reileck, einer verkehrsreichen Kreuzung am Rand der Altstadt. Dort verharren viele unschlüssig. In dieser Situation ergreifen vier Studenten der Landwirtschaftlichen Fakultät Halle die Initiative: Hans-Georg Isermeyer, Wieland Krüger, Herbert Priew und Harry Schuster. Sie besetzen das Häuschen der Verkehrspolizei. Ein Arbeiter kann die vorhandene Lautsprecheranlage in Gang bringen. Die Studenten ergreifen das Mikrofon und sprechen zur Menge: „Deutsche Männer! Deutsche Frauen! Wir demonstrieren heute Abend um 18 Uhr auf dem Hallmarkt für Frieden, Einheit und Freiheit. Erscheint in Massen, verhaltet euch diszipliniert. Denn nur so können wir etwas erreichen. Einheit macht stark!“

Die Studenten wiederholen ihren Appell zur friedlichen Massendemonstration auf dem zentralen Platz der Stadt einige Male. Dann tritt ein Arbeiter vom Waggonbau Ammendorf ans Mikro. Er fordert die Demonstranten auf, zum nahe gelegenen Interner Link: Gefängnis Roter Ochse zu ziehen, um die politischen Häftlinge zu befreien. Der Sturm auf das Gefängnis scheitert, doch die Nachricht von der geplanten Demonstration auf dem Hallmarkt verbreitet sich in der ganzen Stadt. Mit einem geenterten Lautsprecherwagen informiert die eilig gegründete zentrale Streikleitung die Bevölkerung über die Ereignisse.

Halle starrt in sowjetische Geschützrohre

Im Lauf des Nachmittags spitzt sich die Situation in Halle zu. Die Besatzungsmacht verkündet den Ausnahmezustand, und sowjetische Soldaten gehen gegen die Demonstranten vor. Die Interner Link: Kasernierte Volkspolizei und die Sowjettruppen versuchen, die Innenstadt abzusperren – und scheitern.

Gegen 18 Uhr strömt eine riesige Menschenmenge auf dem Hallmarkt zusammen. Die Mitglieder des Zentralen Streikkomitees reden zu den rund 60.000 Menschen. Sie fordern die Senkung der Preise, die Herabsetzung der Normen und freie Wahlen. Gegen Ende der Kundgebung tauchen sowjetische Panzer auf. Sie rollen langsam über den Platz und richten ihre Geschützrohre drohend gegen die Rednertribüne. Die Veranstaltung wird im Anblick der sowjetischen Panzerkanonen zu Ende geführt. Zum Abschluss singen die Menschen das Interner Link: Deutschlandlied. Danach rollen die Panzer über den Platz und vertreiben die Demonstranten.

Die größte friedliche Demonstration, die am 17. Juni 1953 in der DDR stattfindet, ist aufgelöst. Für viele Teilnehmer bleibt die Großkundgebung auch nach Jahrzehnten noch ein bewegendes Erlebnis. Die vier Studenten der Landwirtschaft, die mutig zum Mikrofon gegriffen haben, werden in den Tagen nach dem 17. Juni festgenommen und zu Haftstrafen verurteilt.

Vor den Toren des Gefängnis Roter Ochsen filmt der Kameramann Albert Ammer mit der Filmassistentin Jutta-Regina Lau die versuchte Befreiungsaktion mit einer 35rnm Filmkamera. Von dem Film sind heute nur noch einzelnen Fotoaufnahmen erhalten. Eine Auswahl dieser Bilder befindet sich in der Bildergalerie. Albert Ammer wird am Morgen des 18. Juni 1953 von der Interner Link: Stasi im Keller des Interner Link: Roten Ochsen weggesperrt. Ammer verbüßt insgesamt drei Jahre hinter den Gittern von DDR-Gefängnissen für die Dreharbeiten und erhält Berufsverbot. Die Filmaufnahmen helfen 50 Jahre später die dramatischen Ereignisse in Halle vom 17. Juni 1953 zu rekonstruieren.

Achim Beyer - Der 17. Juni 1953 in der Stasihaftanstalt "Roter Ochse" in Halle

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350