Kontext
Stalin, Kalter Krieg, Koreakrieg, Wasserstoffbombe, Wiederbewaffnung, Deutsche Armeen, Stalinnote, Todesurteile, Säbelgerassel und Kriegsangst, Neuer Kurs
Am 5. März 1953 stirbt der „größte Freund der Menschen“, der sowjetische Diktator Stalin. Traueranzeige für Josef Stalin im Zentralorgan der
SED, dem Neuen Deutschland.
Dresden am 9. März 1953: 200.000 Dresdner marschieren schweigend am Bildnis Stalins vor dem Ehrenmal der Sowjetarmee auf dem Platz der Einheit
vorbei. Die Kasernierte Volkspolizei senkt ihre Fahnen „vor dem Bildnis des unvergesslichen Stalin“.
Trauermarsch Ostberliner Werktätiger zum Stalin-Denkmal in der Stalinallee am 9. März 1953, dem Tag der Beisetzung Stalins in Moskau.
Einheiten der Kasernierten Volkspolizei, der Vorgängerorganisation der Nationalen Volksarmee der DDR, bei der Parade zum 1. Mai 1953 auf dem
Marx-Engels-Platz in Ost-Berlin.
"Nieder mit Adenauer": Demonstration anlässlich des 1. Mai 1953 in Ost-Berlin.
Großbritanniens Außenminister Antony Eden, Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Ministerpräsident Pierre Mends-France (ab dem 3. v. l.)
unterzeichnen die Schlussakte der Londoner Neunmächtekonferenz im Oktober 1954. Hierin erklären sie ihre Bereitschaft, das Besatzungsstatut in der Bundesrepublik Deutschland aufzuheben. Die Bundesrepublik verpflichtet sich, ihre Politik gemäß den Grundsätzen der UNO zu gestalten und eine Wiedervereinigung Deutschlands nicht mit gewaltsamen Mitteln herbeizuführen. Darüber hinaus ebnet die Konferenz den Weg zur Aufnahme der Bundesrepublik in den NATO-Verteidigungspakt.
Unterschriftenseite des Protokolls über die Beendigung des Besatzungsregimes in der Bundesrepublik Deutschland vom 23. Oktober 1954. Mit
Inkrafttreten des Vertrags beenden die drei Mächte Großbritannien, Frankreich und die USA das Besatzungsregime und heben das Besatzungsstatut auf. Sicherheitsgarantien für West-Berlin werden bekräftigt.
Bundeskanzler Konrad Adenauer bei seiner Rede im Bundestag zu den Pariser Verträgen, mit denen die Bundesrepublik der Westeuropäischen Union (WEU)
und der NATO beitreten wird.
Im Blitzlichtgewitter der Fotografen: Frankreichs Ministerpräsident Pierre Mends-France, Bundeskanzler Konrad Adenauer, Großbritanniens
Außenminister Anthony Eden und US-Außenminister John Foster Dulles (v. l. n. r.). Mit der Unterzeichnung der Pariser Verträge am 23. Oktober 1954 kommt es zu einer Neufassung des gescheiterten Deutschlandvertrags von 1952, der der Bundesrepublik Souveränität verschaffen sollte. In einem Protokoll wird die Einladung an die Bundesrepublik festgeschrieben, dem Nordatlantikpakt (NATO) beizutreten. Abschließend unterzeichnen Frankreich und die Bundesrepublik das Abkommen über das europäische Saar-Statut.
Am 5. Mai 1955 unterzeichnen die Hohen Kommissare der drei Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich die Proklamation über die Aufhebung des
Besatzungsstatuts und der alliierten Kommissariate in der Bundesrepublik. Damit ist das Besatzungsregime beendet, und die Republik wird souverän. Aus diesem Anlass wird im Garten des Palais Schaumburg (Bundeskanzleramt) im Beisein von Bundeskanzler Konrad Adenauer die Bundesflagge gehisst.
Bundeskanzler Konrad Adenauer beruft am 26. Oktober 1950 Theodor Blank zum Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten
Truppen zusammenhängenden Fragen. Das Amt Blank wird zur Keimzelle des späteren Bundesministeriums der Verteidigung. Am 5. Mai 1955 wird die Bundeswehr gegründet. Im Bild überreicht Theodor Blank, Bundesminister der Verteidigung, Bundeswehroffizieren ihre Ernennungsurkunde.
Das Erste Regiment der Nationalen Volksarmee der DDR wird am 30. April 1956 vereidigt.
Parade mit Stalin-Transparent und Partei-Parolen zum 1. Mai 1956 in Ost-Berlin.
Am 7. August 1952 wird auf Beschluss der DDR-Regierung die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) gegründet. In der (GST) sollen Jugendliche auf
ihre künftige Soldatenrolle vorbereitet werden. Die GST wirbt mit attraktiven Wehrsportprogrammen wie Segelfliegen, Kleinkaliberschießen und Fallschirmspringen. Sehr populär ist bei Jugendlichen die Möglichkeit, bei der GST einen kostenlosen Motorrad- und Kraftwagenführerschein zu erwerben. Im Bild Mitglieder der Berliner Bezirksleitung der GST.
14. Mai 1956 in Ost-Berlin: Mitglieder der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) demonstrieren. Auf dem Transparent steht: „Die Aneignung der
Waffenkenntnis und der Technik dient dem Schutz unseres Arbeiter- und Bauernstaates, der Verteidigung des Friedens und der Völkerfreundschaft“.
Mitglieder der paramilitärischen GST demonstrieren am 14. Mai 1956 in Ost-Berlin und zeigen ihre Verbundenheit mit der SED.
Ein Werbeplakat für die GST: Über die im Sommer 1952 gegründete Gesellschaft sollen Jugendliche auf ihre künftige Soldatenrolle vorbereitet
werden. Die GST wirbt mit attraktiven Wehrsportprogrammen wie Segelfliegen, Kleinkaliberschießen und Fallschirmspringen.
Hier geht es um die Ehre: Ein Werbeplakat für den Dienst bei der Deutschen Volkspolizei.
Angehörige der Freien Deutschen Jugend verpflichten sich zu Ehren des 1. Mai 1957 zum Eintritt in die Nationale Volksarmee.
Internationales Geschehen
1952 wird der
Seit 1950 führen das kommunistische Nordkorea, unterstützt von der Volksrepublik China, und das pro-amerikanische Südkorea, unterstützt von UN-Truppen (in erster Linie US-amerikanische Soldaten), einen mörderischen Krieg. 1952 kommt die Front entlang des 38. Breitengrads zum Stehen, und im Juli 1953 tritt ein zerbrechlicher Waffenstillstand in Kraft. Beide Blöcke begleiten den Koreakrieg mit Propagandaschlachten auf der ganzen Welt.
Am 1. November 1952 zünden die USA auf dem Eniwetok-Atoll in der Südsee „erfolgreich“ ihre erste
Im August 1953 kommt es zu einem Putsch im Iran. Er wird vom amerikanischen Geheimdienst CIA und vom britischen Geheimdienst MI6 organisiert und finanziert. Durch die Geheimdienstoperation „Ajax“ wird der im Volk populäre und demokratisch gewählte Premierminister Mohammad Mossadegh gestürzt. Die neuen Machthaber installieren eine Militärregierung, die von Reza Schah Pahlavi unterstützt wird. Hintergrund der Aktion ist die von Mohammad Mossadegh geplante Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie. Er will sie vor dem Zugriff ausländischer Ölgesellschaften schützen.
Das Genfer Abkommen, das im Juli 1954 in Kraft tritt, beendet den Indochinakrieg und die französische Kolonialzeit in Asien. Vietnam wird entlang des 17. Breitengrads geteilt: Es entsteht ein Nordteil (später Nordvietnam) unter der Führung von Ho Chi Minh und ein Südteil (später Südvietnam) unter der Präsidentschaft von Ngo Dinh Diem.
Das Jahr 1956 ist ein internationales Krisenjahr: Britische und israelische Truppen überfallen Ende Oktober Ägypten, nachdem die ägyptische Regierung den Suezkanal verstaatlicht hat. Auf Veranlassung der USA, die ein Eingreifen der
Aber auch der gesamte
Deutschland Ost und West
Noch sind die beiden deutschen Staaten formal keine Mitglieder der jeweiligen Militärallianzen, noch verfügen sie über keine eigenständigen Armeen. Doch in der DDR wie in der Bundesrepublik sind die Weichen auf Wiederbewaffnung gestellt, in der DDR allerdings weitaus früher.
Anfang 1952 verfügt die Bundesrepublik über knapp 20.000 „Polizeisoldaten“ (10.000 Mann kasernierte Bereitschaftspolizei der Länder und 10.000 Mann Bundesgrenzschutz). Die DDR verfügt bereits über 50.000 Mann kasernierte Polizeitruppen. Zur „Verteidigung des Friedens“ werden in der DDR seit 1952 unverdeckt Einheiten der
Im März 1952 schlägt die Sowjetführung den West-Mächten überraschend vor, die Wiedervereinigung Deutschlands im Rahmen eines Friedensvertrags zu akzeptieren. Deutschland soll neutral sein und das Recht haben, eine eigene Armee aufzustellen. Die Bonner Regierung unter
In der Bundesrepublik der frühen 1950er Jahre weht zwischen Opposition und Regierung ein scharfer Wind; zwischen den beiden deutschen Staaten wird die Tonlage geradezu hysterisch. Sieben Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg herrscht in Deutschland Kriegsangst – und es wird ein intensiver Propagandakrieg geführt. Jeder Kritiker in den eigenen Reihen läuft Gefahr, als Erfüllungsgehilfe der Gegenseite diffamiert zu werden. In der DDR kann das lange Haftstrafen und sogar Todesurteile zur Folge haben. In der Bundesrepublik werden kommunistische Organisationen wie die
Am 5. März 1953 stirbt der sowjetische Diktator Josef Stalin. Der von der
Wenige Jahre später befindet sich die SED erneut in einer Krise, und die DDR-Bürger werden abermals mutig: Nachdem der Parteichef der KPdSU,
Der Ausbau der innerdeutschen Grenze zu Beginn der 1950er Jahre. „Unzuverlässige“ Personen werden ausgesiedelt. Ganze Dörfer werden geschleift, um ein freies Schussfeld zu haben.
Sprecher (off):
„Als ich das erste Mal dort war an der Zonengrenze, 1950, war ich enttäuscht. Dieser mickrige Stacheldraht, der eher einem simplen Weidezaun glich, sollte die
Das Dorf ist in Aufruhr. Vergangene Nacht hat man die Bewohner der unteren Mühle abgeholt, zwangsevakuiert – wohin, weiß niemand. Und jetzt steht dort ein Schützenpanzer. Drei Tage zuvor war im Neuen Deutschland noch zu lesen: 'Wie von wohlunterrichteter Seite bekannt ist, ist keinerlei Aussiedlung aus dem Grenzstreifen beabsichtigt.' Jetzt verlädt man die letzten Habseligkeiten der verschleppten Müllersleut.
Aus dem Grenzgebiet Ausgewiesene dürfen nie mehr, selbst besuchsweise nicht, wieder in ihren Heimatort zurückkommen. Für die Ausweisung genügte schon, wenn man als 'unzuverlässige Person' denunziert wird. Ende Mai/Anfang Juni 1952 gab es etwa 8.000 solcher 'unzuverlässiger Personen'. 3.000 von ihnen gelang noch, oft in letzter Minute, die Flucht in die Bundesrepublik.
Leer stehende Häuser an der Grenze werden abgerissen. Sie könnten Agenten, Diversanten, Spionen aus dem kapitalistischen Westen als Unterschlupf dienen, so die Argumentation in den DDR-Zeitungen. Bei der Grenzpolizei weiß man es besser: Sicht- und Schussfeld müssen geschaffen werden, wenn man Fliehender noch auf den letzten Metern habhaft werden will.“
Ausschnitt aus der Dokumentation Halt! Zonengrenze von F.J. Schreiber aus dem Jahr 2004.
Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
hrsg. von: Bundesstiftung Aufarbeitung
© 2004 Bundesstiftung Aufarbeitung
Weitere Inhalte
Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.
Kontakt zur Redaktion von www.jugendopposition.de: E-Mail Link: info@jugendopposition.de
Für den Hinweis auf Texte von www.jugendopposition.de, die keine konkrete Autorin/ keinen konkreten Autor genannt haben, empfehlen wir folgende Zitierweise (Beispiel):
„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350