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Jugendkultur

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Redaktion

An den Wochenenden dröhnt der Blues durch die DDR-Provinz. Tausende langhaarige Jugendliche sind unterwegs, immer beobachtet vom wachsamen Auge der Staatssicherheit.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_14883) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0308) (© Bundesarchiv/Filmarchiv) (© Bundesarchiv/Filmarchiv) (© Archiv StAufarb, Bestand Klaus Mehner, 73_0511_KUL_Plenzdorf_01) (© Bundesarchiv/183-T0617-001/Link) (© Privatarchiv Christian Kunert)

1971 löst der ehemalige Vorsitzende der Interner Link: Freien Deutschen Jugend (Interner Link: FDJ) Interner Link: Erich Honecker den greisen Interner Link: Walter Ulbricht an der Spitze der Sozialistischen Einheitspartei (Interner Link: SED) ab. Sein Ausspruch, dass es nicht darauf ankomme, was jemand auf dem Kopf trage, sondern was er im Kopf habe, läutet zu Beginn der 1970er Jahre eine kurze Phase der geistig-kulturellen Entspannung ein. Lange Haare und westliche Modetrends sind nicht mehr so verpönt wie in den 1960er Jahren, als vielerorts langhaarigen Jugendlichen zwangsweise die Haarpracht abgeschnitten wurde.

Plötzlich ist es sogar möglich, relativ unbefangen über die Verhältnisse in der DDR zu diskutieren. In Kulturhäusern finden Veranstaltungen statt, in denen Texte kritischer Schriftsteller gelesen werden. In Jena gründet Interner Link: Lutz Rathenow den Arbeitskreis für Literatur und Lyrik, in dem Jugendliche erste Kontakte mit bisher verbotener Literatur bekommen. Die Liedermacherin Bettina Wegner organisiert in Berliner Jugendklubs die Veranstaltungsreihe „Interner Link: Eintopp“ mit kritischen Liedern und lyrischen Texten.

Ein Ereignis der Superlative: Vom 28. Juli bis zum 5. August 1973 finden in Ost-Berlin die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt. Neun Tage herrscht eine Art Ausnahmezustand in Berlin. Rund acht Millionen Menschen kommen in Berlin zusammen, darunter über 25.000 ausländische Schüler und Studenten aus 140 Ländern. Von über 90 Bühnen ertönt Musik, vom politischen Lied bis zur Beat- und Rockmusik ist alles vertreten. Die Jugendlichen diskutieren und feiern miteinander bis in die frühen Morgenstunden. Und doch guckt die Interner Link: Stasi ganz genau hin: Die X. Weltfestspiele werden bereits im Vorfeld von einer massiven Einschüchterungs- und Festnahmewelle begleitet.

Unter Interner Link: Erich Honeckers Regie wird die FDJ Anfang der 1970er Jahre noch enger an die SED angebunden. Die Jugend der DDR soll den Interner Link: Marxismus-Leninismus als einzig wahre Weltanschauung begreifen. Schüler und Studenten werden mit platten und unverständlichen Politphrasen bombardiert. Sie lernen sie zwar auswendig, verinnerlichen sie aber nicht.

Musik, Literatur, Theater: Ein Hauch von Fernweh und Rebellion

Das staatliche Freizeitangebot bleibt derweil weit hinter den Bedürfnissen der Jugend zurück. 60 Prozent der in den Diskotheken und bei Tanzveranstaltungen gespielten Musik muss aus sozialistischen Ländern kommen. Dabei orientieren sich die Jugendlichen viel lieber an westlichen Musik- und Modetrends.

Platten westlicher Rock- und Popidole finden ihren Weg über Verwandte und Bekannte aus der Bundesrepublik in die DDR, wo sie für 100 Mark oder mehr weiterverkauft werden. Bands wie die Interner Link: Rolling Stones, Deep Purple oder Led Zeppelin stehen hoch im Kurs. Abgeschriebene Texte und zigfach kopierte Tonbänder sind begehrt und werden von Hand zu Hand gereicht.

Mitte der 1970er Jahre erreicht die Tramperbewegung in der DDR ihren Höhepunkt. Die Tramper, Blueser oder Kunden, wie sie sich selbst nennen, sind die ostdeutsche Variante der westlichen Blumenkinder. Sie leben die aus dem Westen herübergeschwappten Ideale von Love and Peace und versuchen, der spießbürgerlichen Enge des DDR-Alltags zu entkommen. Dabei riskieren sie ständig einen Konflikt mit der Staatsmacht.

Die Musik verbindet alle in der Szene: An den Wochenenden trifft man sich in den Tanzsälen der Provinz bei Konzerten von Engerling, Monokel, Jürgen Kerth oder Interner Link: Renft, die in ihren Liedtexten teils unverhohlen die verordnete sozialistische Moral ablehnen.

Alles, was den Hauch von Fernweh und Rebellion an sich hat, wird von Tausenden Jugendlichen begeistert aufgenommen. Bücher wie J. D. Salingers „Der Fänger im Roggen“, „Unterwegs“ von Jack Kerouac oder Hermann Hesses „Steppenwolf“ verschlingen auch die Jugendlichen in der DDR.

Auf Flower Power folgt eine neue kulturpolitische Eiszeit

1972 wird in Halle an der Saale das Bühnenstück „Die neuen Leiden des jungen W.“ von Interner Link: Ulrich Plenzdorf uraufgeführt. Das Theaterstück ist im Jargon der DDR-Jugend geschrieben und beschreibt die tragische Geschichte eines Lehrlings, der versucht, aus seiner kleinbürgerlichen Welt auszubrechen, um sich selbst zu verwirklichen. Es wird zu einem großen Erfolg, und die 1973 erscheinende Romanfassung ist besonders unter Jugendlichen beliebt.

Zu einem Kassenschlager an den ostdeutschen Kinos entwickelt sich der amerikanische Film „Blutige Erdbeeren“, der von seiner ergreifenden Handlung und mitreißenden Musik lebt. Wegen der Songs von Größen wie Crosby, Stills, Nash & Young, Joni Mitchell und nicht zuletzt John Lennon wird der Film unter den ostdeutschen Jugendlichen zum Kult.

Mitte der 1970er Jahre zieht die SED-Führung die Zügel in der Jugend- und Kulturpolitik wieder straffer an. Der von Lutz Rathenow in Jena geleitete Arbeitskreis "Literatur und Lyrik" wird 1975 von den staatlichen Organen ebenso verboten wie die Veranstaltungsreihe „Eintopp“ von Bettina Wegner im Ostberliner Haus der Jungen Talente. Mit dem Verbot der Interner Link: Klaus Renft Combo Ende September 1975 und der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 beginnt eine neue kulturelle Eiszeit in der DDR.

Fussnoten

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Die X. Weltfestspiele 1973

Sommer 1973: Zu den X. Weltfestspielen in Ost-Berlin schickte die Stasi 4.000 Spitzel unters Volk. Hunderte „Störenfriede“ wurden vorab aus der Stadt verbannt oder an der Einreise gehindert.

Zeitzeugin

Bettina Wegner

Die Studentin Bettina Wegner ist kommunistisch erzogen. Sie kann wie viele junge Menschen nicht begreifen, dass die sozialistische ČSSR 1968 von ihren Bruderstaaten brutal überfallen wird.

Zeitzeuge

Christian Kunert

Christian Kunert ist seit 1971 Keyboarder der Band Renft. Diese wird 1975 endgültig verboten. Gerulf Pannach, seinem Musikerkollegen, ist schon vorher ein Auftrittsverbot erteilt worden.

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Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350