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Proteste der DDR-Prominenz gegen die Biermann Ausbürgerung

Proteste der DDR-Prominenz gegen die Biermann Ausbürgerung

Redaktion

Beliebte Künstler bitten die DDR-Führung, Biermanns Ausbürgerung zu überdenken. Auch der Rockmusiker Christian Kunert protestiert. Er will ein Lied schreiben und muss Mercedes fahren.

(© Neues Deutschland, 22. November 1976, S. 3 ) (© Neues Deutschland, 22. November 1976, S. 3 ) (© Bundesarchiv/183-T0530-0410/Klaus Franke)

Einer der Ersten, der 1976 öffentlich auf die Nachricht von der Ausbürgerung Wolf Biermanns reagieren, ist dessen enger Freund Interner Link: Robert Havemann. Der damals wahrscheinlich bekannteste DDR-Regimekritiker spricht sich in einem Offenen Brief an Interner Link: Erich Honecker klar gegen die Ausbürgerung aus. Er schreibt: „Die Männer, die diesen Beschluss gefasst haben, waren wirklich schlecht beraten. Sie waren es, die das Ansehen unserer DDR, das wir verteidigen, beschmutzt haben.“ (Der Spiegel, Nr. 49, 22. November 1976)

Schon einen Tag vor der Ausbürgerung Wolf Biermanns wird ein Haftbefehl gegen Robert Havemann ausgestellt. Doch den Mächtigen ist das Risiko zu groß, dass der gesundheitlich angeschlagene Antifaschist, der ein Todesurteil der Interner Link: Nazis überlebt hat, im DDR-Gefängnis stirbt. Kurz nach Erscheinen des Spiegel-Artikels wird Robert Havemann deshalb mit einem Hausarrest belegt, der zweieinhalb Jahre andauert.

Auch zahlreiche andere Prominente nehmen Stellung. Einige der wichtigsten DDR-Künstler und Schriftsteller verfassen unmittelbar nach Wolf Biermanns Ausbürgerung am 16. November 1976 ebenfalls einen Offenen Brief an die DDR-Führung. Weltweit bekannte Namen wie Interner Link: Christa Wolf, Interner Link: Stefan Heym oder Interner Link: Franz Fühmann erscheinen in der Unterschriftenliste. Die DDR-Oberen sind empört.

Ohnehin ist das Verhältnis der Staatsführung zu „ihren“ Künstlern seit jeher schwierig gewesen. Die Interner Link: SED ist gezwungen, den Intellektuellen gewisse Rechte und Privilegien einzuräumen, versucht aber auch immer wieder, ihre kritischen Stimmen unter Kontrolle zu halten. Der Offene Brief wird nun als direkter Angriff gegen den Staat verstanden, der umso schlimmer wiegt, da er vor den Augen der Weltöffentlichkeit stattfindet.

Es gibt aber auch Prominente, die die Entscheidung der DDR-Führung unterstützen – wie die Schriftstellerin Interner Link: Anna Seghers. Oder solche, die unter dem Druck der SED-Führung ihre Unterschriften unter den Bittbrief zurückziehen – wie der Bildhauer Interner Link: Fritz Cremer. Im Partei-Verlautbarungsblatt Interner Link: Neues Deutschland vom 22. November 1976 wird deren Zustimmung zur Ausbürgerung veröffentlicht. Es wird jedoch keine einzige kritische Meinung abgedruckt – auch nicht der Protest der prominentesten Künstler des Staates.

Der Offene Brief der Prominenten wird aber auch ohne die DDR-Presse im ganzen Land bekannt: durch die Westmedien. Einige mutige DDR-Bürger lesen den Brief ihren Freunden vor, schreiben ihn ab und verbreiten ihn illegal. Viele von ihnen werden dafür hart bestraft.

Fussnoten

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Protest gegen Ausbürgerung Biermanns

Zwölf namhafte Künstler der DDR protestieren mit einem offenen Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Immer mehr Menschen schließen sich DDR-weit mit ihrer Unterschrift diesen Protesten an.

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Robert Havemann

Wegen seiner Solidarität mit Wolf Biermann wurde Robert Havemann über zwei Jahre im eigenen Haus eingesperrt. Trotz des Hausarrests hielt er engen Kontakt zu jungen Oppositionellen.

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Stephan Hermlin

Schriftsteller und Lyriker Stephan Hermlin ist einer der Hauptinitiatoren und Verfasser des Offenen Briefs, mit dem die DDR-Künstlerprominenz 1976 sich gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wendet.

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Jurek Becker

Jurek Becker (geb. 1937), Überlebender der KZs Ravensbrück und Sachsenhausen, zog nach dem Krieg nach Berlin. Dort studierte der jüdisch-polnische Schriftsteller von 1957 bis 1960 Philosophie.

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Manfred Krug

Als Manfred Krug die DDR 1977 in Richtung Westen verlässt, ist er einer der berühmtesten und beliebtesten Schauspieler des Landes.

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Bettina Wegner

Bettina Wegner unterschrieb als eine der Ersten gegen Biermanns Ausbürgerung. Die Folge: Die Stasi verschärfte die Überwachung massiv und schränkte ihre Auftrittsmöglichkeiten weiter ein.

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Fuchs, Kunert und Pannach

Sie schreiben und singen kritische Texte und ihr Protest gegen die Biermann Ausbürgerung bringt sie ins Gefängnis. Die DDR sollten sie erst nach dem Mauerfall wieder sehen.

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Kontext

Studentenunruhen 1968, Vietnam, Prager Frühling, Grundlagenvertrag, Tramperszene, Notstandsgesetze, KSZE, Renft-Combo

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350