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Die junge oppositionelle Szene in Jena

Die junge oppositionelle Szene in Jena

Redaktion

Für die vielen jungen Leute in Jena gibt es wenig interessante Angebote, dafür viel staatliche Enge. Einige versuchen, sich Freiräume zu schaffen.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz/RHG_Fo_HAB_10728) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz/RHG_Fo_HAB_11173) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0045) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz/RHG_Fo_HAB_11174) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0046) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fak_0112) (© BStU, MfS, Ast. Gera, KD Jena 740/77, Seite 1 von 2) (© BStU, MfS, Ast. Gera, KD Jena 740/77, Seite 2 von 2) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz/RHG_Fo_HAB_10984) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz/RHG_Fo_HAB_11172) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Hans-Helmut Kurz/RHG_Fo_HAB_12743) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_12389) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_12152) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_12151) (© Archiv Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Uwe Gerig, Bild 9)

Was ihre Bevölkerungsstruktur in der DDR anbelangt, nimmt die Stadt Jena in den 1980er Jahren eine Sonderstellung ein. Der kleine Ort wächst vor allem durch die Universität und das Interner Link: Zeiss-Werk rasch zu einer Groß- und Industriestadt heran. 1975 hat Jena über 100.000 Einwohner. Vor allem junge Menschen ziehen hierher: um zu studieren oder sich in einem der Großbetriebe wie Interner Link: VEB Jenapharm und VEB Interner Link: Carl Zeiss Jena ausbilden zu lassen. Jena ist bekannt für seine optische und pharmazeutische Industrie sowie für seine Glaswerke.

Das kulturelle Angebot für Jugendliche hinkt den Wünschen allerdings hinterher. Manche Studenten und Lehrlinge versuchen deshalb, eigene Alternativen zu entwickeln – unabhängig von Interner Link: SED- und Interner Link: FDJ-Veranstaltungen. Viele Aktivitäten werden privat organisiert: Wanderungen ins Umland, Hoffeste, Kunstausstellungen, Kinderfeste, Lesungen, Konzerte. Bei diesen Gelegenheiten wird nicht nur gefeiert, sondern auch über die politischen Zustände im Land diskutiert.

Manchmal gelingt es den Jugendlichen, öffentliche Räume für ihre kulturellen Aktivitäten zu erobern. 1973 initiiert der 21-jährige Autor Interner Link: Lutz Rathenow einen Zirkel in seiner Wohnung: Literatur und Lyrik. Drei Monate später zieht der Kreis ins Kulturhaus Jena-Neulobeda. Hier können auch Autoren auftreten, die außerhalb der offiziellen DDR-Literaturszene agieren, zum Beispiel Interner Link: Bernd Markowsky und Interner Link: Wolfgang Hinkeldey.

Junge Jenenser widersetzen sich dem befohlenen Kulturprogramm

Auch Interner Link: Jürgen Fuchs liest in Jena-Neulobeda. 1975, zwei Jahre nach der Gründung, wird der Zirkel von den Behörden zerstört. Die zuständigen SED-Kulturfunktionäre haben Wind davon bekommen, dass die jungen Leute dort auch über etwas anderes diskutieren als nur über Literatur.

Einer der tragenden Pfeiler der alternativen Jugendkultur in Jena ist die Interner Link: Junge Gemeinde (JG) Stadtmitte. Ab März 1983 kommt die Interner Link: Friedensgemeinschaft Jena hinzu, die teilweise aus der JG hervorgeht. (Dorothea Fischer berichtet im Zeitzeugen-Interview darüber.)

Unter dem Dach der Kirche organisieren Jenaer Jugendliche ihr eigenes Kulturprogramm. Die offizielle Unterstützung durch die Kirchengemeinden beschränkt sich meist auf die kostenlose Bereitstellung von Räumlichkeiten. Und doch: Mancher Diakon hilft auf eigenes Risiko und ohne Absprache mit der Kirchenleitung den Aktivisten bei Widerstandsaktionen – zum Beispiel beim Vervielfältigen von Flugblättern. Häufig finden die Veranstaltungen im Rahmen der sogenannten Interner Link: Offenen Arbeit der Kirche statt. Und immer unter den Argusaugen der Interner Link: Staatssicherheit.

Im Februar 1983 verfasst die Geraer Interner Link: Bezirksverwaltung der Interner Link: Stasi eine „Jahreseinschätzung zur politisch-operativen Lage unter der Jugend des Bezirkes Gera“ (Bildergalerie). Dabei stellen die Stasi-Leute fest: „Zunehmend zeigt sich, daß Jugendliche und Jungerwachsene eine bevorzugte Zielgruppe des Gegners darstellen. [...] Territoriale Schwerpunkte bilden die Kreise Jena, Saalfeld und die Bezirksstadt (Gera).“

Als problematisch empfindet die Stasi unter anderem „die Unterwanderung und Schwächung der Wehrbereitschaft, Verteidigungs- und Friedenspolitik der sozialistischen Staaten“. Sie glaubt auch, eine „Unterwanderung der sozialistischen Jugend“ sowie eine „Diffamierung der Tätigkeit der Schutz- und Sicherheitsorgane“ zu erkennen.

Fussnoten

Weitere Inhalte

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Kontext

Atomares Wettrüsten, NATO-Doppelbeschluss, Kriegsrecht in Polen, Afghanistan, Punk, Rock für den Frieden

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Fuchs, Kunert und Pannach

Sie schreiben und singen kritische Texte und ihr Protest gegen die Biermann Ausbürgerung bringt sie ins Gefängnis. Die DDR sollten sie erst nach dem Mauerfall wieder sehen.

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Die Aktion der Jungen Gemeinde Stadtmitte

Mitglieder der Jungen Gemeinde Jena Stadtmitte und Freunde unterstützen per Unterschriften den Protest gegen Biermanns Ausbürgerung. Viele von ihnen landen kurz darauf in der Bundesrepublik.

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Friedensgemeinschaft Jena

Für die Friedensaktivisten steht fest: Die Kirche ist obrigkeitshörig. Sie setzen lieber auf eigene Aktionen. Bald sind die Jenenser über die Stadt hinaus bekannt.

Zeitzeugin

Dorothea Fischer

Am 12. April 1981 stirbt Matthias Domaschk während eines zweitägigen Verhörs durch die Staatssicherheit. Der Tod ihres Freundes schockt und radikalisiert die Jugendlichen.

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Kirche und Opposition

Die Evangelische Kirche ist die Basis für viele Aktionen der Opposition. Es gibt aber immer wieder Ärger zwischen unangepassten Jugendlichen und der staatshörigen Kirchenleitung.

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Kirche von Unten

1987 entsteht in Ost-Berlin mit dem „Kirchentag von Unten“ ein kraftvolles Gegengewicht zum offiziellen Kirchentag. Tausende kommen, um über Frieden, Umwelt und Freiheit zu diskutieren. Daraus…

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Jugendkultur

An den Wochenenden dröhnt der Blues durch die DDR-Provinz. Tausende langhaarige Jugendliche sind unterwegs, immer beobachtet vom wachsamen Auge der Staatssicherheit.

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Widerstand in Jena

Parolen und Flugblattaktionen in der Jenaer Innenstadt werden sechs jungen Arbeitern aus Jena zum Verhängnis. Für ihre Meinung werden sie 1963 mit Freiheitsentzug und Zuchthaus bis zu fünfeinhalb…

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Protest in Jena

Die Mitglieder der Jungen Gemeinde Stadtmitte sind empört über die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Sie wollen das Unrecht nicht hinnehmen und bekennen Farbe.

Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.

Kontakt zur Redaktion von www.jugendopposition.de: E-Mail Link: info@jugendopposition.de

Für den Hinweis auf Texte von www.jugendopposition.de, die keine konkrete Autorin/ keinen konkreten Autor genannt haben, empfehlen wir folgende Zitierweise (Beispiel):

„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350