Kirche und Opposition
Die Evangelische Kirche ist die Basis für viele Aktionen der Opposition. Es gibt aber immer wieder Ärger zwischen unangepassten Jugendlichen und der staatshörigen Kirchenleitung.
Ein Plakat, das auf der 3. Friedenswerkstatt in der Erlöserkirche in Berlin verkauft wird (8. Juli 1984).
Ein Plakat am Stand des Friedenskreises Friedrichsfelde während der Friedenswerkstatt. Sie findet auf dem Gelände der Berliner Erlöserkirche am 8.
Juli 1984 statt.
Der Stand des Friedenskreises Friedrichsfelde bei der Friedenswerkstatt.
Die Evangelische Kirche bildet in vielerlei Hinsicht die Basis der Oppositionsarbeit in der DDR. Obwohl sie in den 1950er Jahren durch politisch motivierte Repressionen weitgehend entmachtet ist und nach inneren Kämpfen die
Hier finden kirchlich gebundene Kreise den nötigen Freiraum, um abseits vom staatlichen Diktat arbeiten, Veranstaltungen organisieren und landesweit kommunizieren zu können. In den beiden kirchlichen Hochschulen der DDR, dem Katechetischen Oberseminar in Naumburg/Saale und dem Berliner Sprachenkonvikt, herrscht ein freigeistiges Klima, wie es Studenten an den dem
Verschiedene kirchliche Institute verbreiten Literatur, die in der DDR sonst nicht erscheinen darf. Viele Theologiestudenten und kirchliche Mitarbeiter sind in Oppositionskreisen aktiv und prägen später als aktive Bürgerrechtler die Friedliche Revolution, zum Beispiel
Vielen jugendlichen Oppositionellen ist die Kirche zu angepasst
Der Spagat zwischen oppositioneller Arbeit und Systemtreue bleibt ein fortdauerndes Problem der Kirchen in der DDR. Die Kirchenleitung, grundsätzlich nicht gegen freiheitliche Bewegungen eingestellt, ist jedoch an einem entspannten Verhältnis zum Staat interessiert. Offene Konflikte, die aus der Arbeit der Oppositionellen im kirchlichen Raum resultieren, versucht die Leitung zu vermeiden. In Einzelfällen werden kirchliche Mitarbeiter gemaßregelt, etwa durch Versetzung. Diese Anpassung an den Staat ist vor allem den jugendlichen Oppositionellen ein Dorn im Auge. Denn deren Aktionen sind gerade auf Provokation und aktiven Widerstand angelegt.
In der vor allem unter jungen Menschen beliebten
Christliche Basisdemokratie: Die Kirche von Unten
Die Konflikte innerhalb der Kirche werden durch gezielte Spitzeltätigkeit der
Ab Mitte der 1980er Jahre verstärkt sich der Konflikt zwischen Oppositionsgruppen und Kirchenleitung. Ursache ist die zunehmende Aktivität der
Immer weniger Christen haben Verständnis für den Schmusekurs der Amtskirche gegenüber dem SED-Staat.
In der Revolutionszeit 1989 bilden die Kirchen im ganzen Land die Basislager vieler Demonstrationen. Sie sind außerordentlich wichtige Sammelorte der oppositionellen Bewegung.
Trotz Massenflucht und Montagsdemo: Für den stellvertretenden Vorsitzenden der Evangelischen Kirchen in Deutschland und späteren Ministerpräsidenten Brandenburgs Manfred Stolpe gehen zwei Monate vor dem Fall der Mauer die Forderungen der Oppositionellen zu weit. Er sieht den Prozess der Annäherung zwischen Staat und Kirche gefährdet.
Sprecher (off):
„
„Ich bin der Überzeugung, dass die vorhandenen Strukturen erst einmal wirklich darauf abgeklopft werden müssten, ob sie diesen Meinungsstreit nicht hergeben. Das muss ernsthaft passieren. Neue Strukturen stehen nach meiner Überzeugung gegenwärtig nicht an.“
Ausschnitt aus einem Bericht im SFB-Politikmagazin Kontraste vom 12. September 1989.
Produktion: 12.09.1989
Spieldauer: 1 Min.
hrsg. von: Sender Freies Berlin, Redaktion Kontraste
© Rundfunk Berlin Brandenburg
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350