Herbst 89
Der Wille siegt über die Angst: In Dresden, Leipzig, Ost-Berlin, in der ganzen Republik entmachten die Bürger die verhassten Funktionäre.
Ab Juli 1989 flüchten Tausende DDR-Bürger über Ungarn, Polen und die Tschechoslowakei in den Westen. Es kommt zu Botschaftsbesetzungen. Am 1. und
4. Oktober 1989 fahren Tausende Flüchtlinge mit Sonderzügen quer durch die DDR in den Westen. Entlang der Bahnstrecke in der DDR spielen sich tumultartigen Szenen ab. Im Bild der Hauptbahnhof in Dresden, wo sich am 3. und 4. Oktober 1989 Tausende Demonstranten und Sicherheitskräfte Straßenkämpfe liefern.
Nicht zuletzt wegen seiner Forderungen Glasnost und Perestroika (russisch für Transparenz und Umgestaltung) hat der sowjetische Staatschef Michael
Gorbatschow viele Fans in der DDR. Am 6. Oktober 1989 wird er von DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker am Flughafen Schönefeld begrüßt.
In vielen DDR-Städten geht die Staatsmacht mit Gewalt gegen Demonstranten vor. Im Bild: Plauen am 7. Oktober 1989.
Während die Partei- und Staatsführung im Palast der Republik den 40. Jahrestag der DDR feiert, gehen Polizei und Staatssicherheit brutal gegen
Demonstranten vor.
Am 9. Oktober 1989 demonstrieren mehr als 70.000 Menschen in Leipzig friedlich gegen das SED-Regieme und fordern Reformen. Aram Radomski und Siegbert
Schefke filmen und fotografieren heimlich dieses Ereignis. Anschließend werden ihre Aufnahmen mit Hilfe von West-Journalisten nach West-Berlin geschmuggelt. Die sensationellen Bilder sind noch am selben Abend in den Tagesthemen zu sehen.
Im Herbst 1989 geht man an vielen Orten der DDR zuerst zum Friedensgebet in die Kirche und dann auf die Straße. Im Bild: die Demonstration in Leipzig
am 23. Oktober 1989 mit über 300.000 Teilnehmern.
„Gorbi, Gorbi hilf uns!“ Die Stasi erstellt eine Liste der auf den Demos gezeigten und gerufenen Forderungen und Losungen (23. Oktober 1989).
Großdemonstration für Reformen und Demokratie am 4. November 1989 auf dem Alex in Ost-Berlin.
Am 10. November 1989 stehen Bewohner aus West- und Ost-Berlin auf der Mauerkrone am Brandenburger Tor. 28 Jahre lang ist das Brandenburger Tor das
Symbol für die Teilung der Stadt gewesen. Nun ist es für alle Deutschen zum Greifen nahe. Am 22. Dezember 1989 wird endlich auch die Mauer am Brandenburger Tor geöffnet.
Der Beginn der demokratischen Revolution in der DDR ist nicht an einem genauen Datum festzumachen. Zu vielfältig sind die Ereignisse, die schon seit Anfang des Jahres 1989 dazu führen, dass den DDR-Oberen die Zügel aus den Händen gleiten. Dabei sind es maßgeblich zwei Phänomene, die an den Grundfesten des Staates rütteln: zum einen die Fluchtwelle, zum anderen die Protestwelle derjenigen, die auf der Straße „Wir bleiben hier!“ skandieren. Im Verlauf des Spätsommers und Herbstes 1989 werden diese beiden Strömungen zu den treibenden Kräften, die zum Sturz der
Springt auf! Es geht ein Sonderzug in die Freiheit!
Eines der wichtigsten Ereignisse der Revolution ist die Straßenschlacht um den Dresdner Hauptbahnhof in der Nacht vom 3. zum 4. Oktober 1989. Hunderte DDR-Bürger, die die Prager Botschaft der Bundesrepublik besetzt haben, um ihre Ausreise aus der DDR zu erzwingen, werden in dieser Nacht in Zügen der Deutschen Reichsbahn quer durch die DDR nach Westen gefahren. Die Nachricht wird im West-Fernsehen gesendet und verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der ganzen DDR.
Tausende Menschen versammeln sich daraufhin am Dresdner Hauptbahnhof, um auf den Zug nach Westen, den Zug in die Freiheit, aufzuspringen. Es kommt zu einer regelrechten Straßenschlacht zwischen schwer bewaffneter Polizei und meist jugendlichen Demonstranten, die vergeblich versuchen, den Bahnhof zu stürmen. Viele DDR-Bürger sehen in dieser Nacht das erste Mal in ihrem Leben Wasserwerfer und Polizisten mit Helm und Schild.
Am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR, und in den Tagen danach finden Protestdemonstrationen im ganzen Land statt, die größten in Ost-Berlin, Plauen und Leipzig. Die Demonstranten fordern nicht nur
Die wichtigsten Daten der friedlichen Revolution kann man heute wie folgt umreißen: die Öffnung der ungarischen Grenze zu Österreich, der Aufruf des
Nicht zu vergessen ist die Bedeutung der vielen Demonstrationen im ganzen Land; ebenso die der Gründung von Bürgerbewegungen, unabhängigen Gewerkschaften, Initiativen in Städten, Kreisen und Dörfern; der vielen regionalen und thematischen Runden Tische; der Einnahme aller Stasi-Objekte und hierbei die Initiative des Volks, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Einige der wichtigsten Aktionen werden von Jugendlichen organisiert und getragen.
Aus dem Widerstand kleiner Gruppen entwickelt sich im Herbst 1989 eine gesellschaftliche Kraft, sodass man nicht mehr dieses Gefühl hatte, im Keller alleine zu sein.
„Was neu war, waren die vielen Menschen, die aus unterschiedlichen Anlässen für ihre Rechte auf die Straße gingen. Das brachte eine enorm positive Stimmung, so dass man nicht mehr dieses Gefühl hatte, im Keller alleine zu sein und in kleinen Grüppchen vor sich hin zu kochen. Sondern wirklich Breite zu gewinnen und gesellschaftliche Kraft zu entwickeln.“
Till Böttcher, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 1 Min.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350