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Frank Ebert - Die Kommunalwahlen im Mai 1989

Frank Ebert - Die Kommunalwahlen im Mai 1989

Der Gang zur Wahlurne wird in der DDR oft als „Zettelfalten“ bezeichnet, weil das Ergebnis immer vorher feststeht. Im Mai 1989 wollen junge Oppositionelle beweisen, dass Wahlergebnisse gefälscht sind.

Inhalt

Tja, was bedeutet Wahl? Zettelfalten, nicht wissen, wie ich einen Kandidaten abwähle, nicht wissen, wie ich einen Kandidaten raufsetze und im Endeffekt eigentlich nur hingehen, Zettel falten und reinstecken und damit alle Kandidaten wählen. Man konnte ja nicht mal Ungültig wählen, das ging ja gar nicht so richtig – das bedeutete Wahl. Na, zur Wahl offiziell standen die Kandidaten der Interner Link: Nationalen Front. So, und die Interner Link: Nationale Front waren die verschiedensten politischen Gruppierungen, zumindest so, wie sie sich benannten, sie hießen ja alle anders, hatten aber trotzdem ein und dasselbe Ziel. Eine politische Aussage, eine politische Grundrichtung war in dem Fall nicht wählbar, es sei denn, nur eine, und das ist die der Interner Link: SED. Ich bin hingegangen, um einerseits mit Nein zu stimmen, das heißt also, wir haben uns dann informiert, wie kann ich denn überhaupt Kandidaten oder wie kann ich einen Stimmzettel entweder ungültig machen, wie kann ich Kandidaten, einzelne Kandidaten abwählen. Es kann ja auch sein, dass jemand dabei ist, den möchte man gerne wählen, es gab ja nicht nur Idioten in der Partei, es gab ja auch paar ganz pfiffige Typen. Das war aber alles relativ schwierig, und ich muss ehrlich sagen, ich wüsste nicht mehr, wie ich es damals gemacht habe. Ich glaube, ich habe alle gerade durchgestrichen und damit war die Stimme zumindest, glaube ich, ungültig. Und dann bin ich wieder hin, um die Wahlen natürlich mit auszuzählen, die Wahlergebnisse sozusagen zu überprüfen. Das war ja … in Berlin wurde das relativ gut organisiert. Hauptsächlich in Weißensee, Prenzlauer Berg und Pankow, ein bisschen noch in Friedrichshain und Mitte sind mehrere Wahllokale überprüft worden durch Leute aus der – sage ich jetzt mal so – politischen Szene. Das wurde versucht auszudehnen auf die gesamte DDR. Und ich war an dem, ich glaube, es war ein Wochenende, muss ja irgendwie, war ich in Halle. Und in Halle war ich dann abends in diesem Wahllokal. Und ja, das Dumme war, ich war da relativ kurz drin, ich glaube zehn Minuten, und dann wurde ich rausgetragen, hab daraufhin mich beschwert beim Wahlleiter, der auch tatsächlich kam, der hat auch meine Beschwerde entgegengenommen, also zur Kenntnis genommen und hat gesagt, ich soll das schriftlich machen. Was ich dann auch tat, aber das wars dann auch. Da hast du dann so eine vorgefertigte Antwort gekriegt, und das wars dann. Also der Witz war, ich hab ja noch nicht mal was gesagt, also …

Warum wurden Sie rausgetragen? Was war …?

Na, weil ich sozusagen – Herrgott, vielleicht wussten die das – sozusagen an der Auszählung teilnehmen wollte. Und das durfte ja theoretisch jeder DDR-Bürger, außer eben ein paar bestimmte.

Interner Link: Frank Ebert, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de

Mehr Informationen

  • Produktion: 2004

  • Spieldauer: 3 Min.

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