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Ulrike Poppe - Verhaftung von Mitgliedern der Gruppe Frauen für den Frieden

Ulrike Poppe - Verhaftung von Mitgliedern der Gruppe Frauen für den Frieden

Im Dezember 1983 wird Ulrike Poppe mit anderen Mitstreiterinnen unter dem Vorwurf des Landesverrats verhaftet. Die Stasi will mit dieser Maßnahme die Friedensgruppe zerschlagen.

Inhalt

Zeitzeugin: Ulrike Poppe (* 1953 in Rostock)
'83 war das Jahr, als die Entscheidung anstand: Stationierung ja oder nein. Der Bundestag musste zustimmen und auch die Interner Link: Volkskammer. Nun gut, die hat da wahrscheinlich kein eigenes Urteil gehabt, sondern es war nun zu erwarten, dass die das macht, was ihr vorgeschrieben ist.

Aber in diesem Jahr waren wir, wie Friedensgruppen überall, sehr aktiv. Und wir Frauen haben auch öffentliche Aktionen gemacht. Das blieb der Interner Link: Stasi natürlich nicht verborgen. Sie haben überlegt, wie sie die Frauengruppe zerschlagen könnten, haben aber noch den Bundestagsbeschluss abgewartet. Danach haben sie dann zugeschlagen. Wir haben das auch geahnt und uns vorbereitet auf eventuelle Verhaftungen. Wir haben ein Verhörtraining mit einem Psychologen gemacht, kannten die Strafprozessordnung. Wir haben Vollmachten für unsere Kinder geschrieben, uns einen Anwalt besorgt usw. Wir wussten aber nicht, warum, wann und wen es trifft. Und Anfang Dezember war es dann so weit. Es kam zu vier Verhaftungen. Wir vier Frauen hatten Kontakt mit einer Neuseeländerin, die eine Broschüre schreiben wollte über die Situation der Frauen in der DDR, also eigentlich ziemlich harmlos. Sie gehörte aber der Friedensbewegung an. Wir verbrachten einen Abend damit, erzählten, versprachen ihr auch, Beiträge zu liefern für diese Broschüre. Sie ist mit den Aufzeichnungen an der Grenze festgenommen worden und war einige Tage in Haft. Und in der Folge wurden wir verhaftet.

Der Paragraf, dessen ich beschuldigt wurde, § 99 Landesverrat, hatte ein relativ hohes Strafmaß, zwei bis zwölf Jahre, und der beinhaltete die Weitergabe von nicht geheimen Nachrichten, die geeignet sind, der DDR zu schaden – nicht geheime Nachrichten in Abgrenzung zum Spionageparagrafen, wo es um geheime Nachrichten ging. Diese nicht geheimen Nachrichten zum Nachteil der DDR, das war es praktisch, was wir der Barbara Einhorn, so hieß diese Neuseeländerin, erzählten. Und das ist als Anlass genommen worden, war aber sicherlich nicht der Grund der Verhaftung. Der Grund lag darin, dass die Interner Link: Staatssicherheit diese Frauengruppe zerschlagen wollte und dachte, mit den Verhaftungen von uns beiden oder uns vieren zunächst mal würden sie genug Abschreckung erzeugen, sodass die Gruppe praktisch nicht mehr arbeitsfähig ist.

Interner Link: Ulrike Poppe auf www.jugendopposition.de

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