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Roland Bude - Konspirativer Widerstand

Roland Bude - Konspirativer Widerstand

An der Uni Rostock war das in erster Linie eine Sache des persönlichen Vertrauensverhältnisses. Darauf vertrauen, dass die drei, die ich kenne, genauso denken wie ich.

Inhalt

In Rostock war das in erster Linie eine Sache des persönlichen Vertrauensverhältnisses. Es war gewissermaßen unsere konspirative Strategie: Keiner darf mehr als drei andere kennen und wissen, dass der der gleichen Meinung ist. Darauf vertrauen, dass die drei, die ich kenne, genauso sind wie ich. Als in Rostock die große Verhaftungswelle war – mit Esch und mehreren anderen –, da haben wir uns abgesprochen. Wir, das war Egon Klepsch, der in der Interner Link: SED und in der Interner Link: FDJ war. Das war Gerhard Popp, Vorsitzender der CDU-Gruppe, und das war Bernhard Ohse, Vorsitzender in der Interner Link: LDP und im Interner Link: Kulturbund. Ich war auch im Kulturbund. Wir haben uns gesagt: Erstmal treffen wir uns jeden Tag um zwölf Uhr an der Universität im Hauptgebäude im Foyer, wo die Aushänge sind. Nicht, dass wir miteinander reden, sondern dass wir einander wahrnehmen. Wenn einer fehlt, dann erkundigt man sich sofort, weshalb. Und wenn man nicht weiß, wo er ist, muss man wissen, dass er drei Tage dicht halten kann.

Nicht, dass er sich verplappert [wenn man ihn fragt]: ´Wer sind Ihre Bekannten?`. Darauf haben wir uns eingeschworen, und das haben wir auch durchgehalten. Das merkte man auch im Knast, wenn Neuzugänge kamen. Das wurde immer sofort abgeklopft. Hartwig Bernitt, der hat das irgendwo geschrieben. Die haben ja die unsinnigsten [Dinge geschrieben]: Was ich alles für Kontakte hatte, was ich alles gemacht hatte, und was wir alles vorhatten ... Ich habe gesagt: ´Nein, nein, nein`. Doch als sie mich in der dritten Nacht so verprügelt haben, dass ich nicht mehr wusste, ob ich Männchen oder Weibchen bin, habe ich alles unterschrieben.

Teil unserer konspirativen Verhaltensweise war auch, dass einer, wenn er verhaftet worden ist, alles auf die abladen kann, die schon im Westen sind. Ich habe später mit Entsetzen meine Akte bei der Interner Link: Stasi in Rostock [eingesehen] und gedacht: Menschenskinder, war ja eigentlich leichtsinnig, dass du das gesagt hast – wo doch dein Onkel in West-Berlin wohnt. Aber wir haben ja solche Kontakte nicht als verbrecherisch betrachtet, und wir haben uns gesagt, dass die das ja nachprüfen können. Und dann werden die sehen: Wenn wir da schon die Wahrheit gesagt haben, dann werden sie uns zugute halten, dass wir auch die Wahrheit über die Kontakte oder Nichtkontakte sagen, die wir in der Zone haben.

Das war ein großer Irrtum von mir, und ich bin bei manchem erschrocken, als ich in meine Stasi-Akte geguckt habe. Wie einfältig, wie vertrauensselig. Das ist ja kein Verbrechen, wenn der sich mit dem über das oder das unterhält. Natürlich, das war im amerikanischen Interner Link: Sektor. Um Gottes willen, das war ein Onkel meiner Frau! Um Gottes willen, und da habe ich die Adresse angegeben, der wohnte in Hamburg und in West-Berlin, was für ein Leichtsinn! Dich hätten die Leute aus dem Westen holen können. Es herrschte eine Denkens- und Verhaltensweise des totalen Misstrauens und der totalen Unterstellung bei jedem anderen – selbst wenn er das Parteiabzeichen der SED hatte und in Funktion war. Man musste immer annehmen, dass er täuscht, dass er ein raffinierter Agent ist. Diese Denkungsweise, die kannten wir ja gar nicht.

Roland Bude, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de

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  • Spieldauer: 4 Min.

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