Aktionen nach dem Tod von Matthias Domaschk
Zur Beerdigung von Matthias Domaschk kommen 300 Trauergäste: Eine kleine Demonstration. Sie sind nicht bereit, sich zu ducken und seinen Tod in der Stasi-Untersuchungshaft einfach hinzunehmen.
Als ich die Nachricht bekam, Matz soll tot sein, da habe ich begriffen: Es geht nicht mehr darum, dass du mal festgenommen wirst, dass du verhört wirst. Es geht um Leben und Tod. Da war plötzlich so eine Ernsthaftigkeit, die mich schon nachdenklich gemacht hat. Was ist das für ein Preis, den du zahlen musst, für das, wie du lebst? Ich habe lange gebraucht, eine Lebenslustigkeit wieder zu finden. Es war ja so, dass wir lebenslustige Menschen waren. Wir wollten einfach leben. Und Matz war einer von uns, er wollte auch einfach leben. Er ist nach Berlin gefahren zu einer Fete mit Freunden und wurde aus dem Zug geholt und zur
Die Reaktion für mich war ganz konkret: Zu diesem Tod musst du Zeichen setzen. Es fing an, dass wir gesagt haben: ´Es kann nicht sein, dass der einfach beerdigt wird. Wir gehen alle hin`. Und das will was heißen. Da ist ein Mensch bei der Stasi umgekommen, und wir sind nicht still und leise, sondern wir gehen hin. Das war eine Art Demonstration. Wir waren fast 300 Leute bei dieser Beerdigung. Und die Stasi hat gespürt, dass wir das nicht einfach hinnehmen, dass wir was dagegen setzen. Und zum ersten Todestag habe ich gesagt, wir müssen wieder ein Zeichen setzen. Wir müssen öffentlich machen, dass wir das nicht hinnehmen. Ich habe gedacht: Flugblätter drucken, da stellst du dich ja selber. Flugblätter drucken in dieser DDR, das ist nicht einfach, dass du in den Kopierladen gehst und was vervielfältigst.
Dann kam ich auf die Idee: Naja, lässt du das halt die
Roland Jahn, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
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