Katrin Hattenhauer
Als sie am 4. September 1989 das Transparent "Für ein freies Land mit freien Menschen" entrollt, ist Katrin Hattenhauer klar, dass dies Konsequenzen haben wird. Für ihr Engagement bei den Leipziger Oppositionsgruppen wird Katrin Hattenhauer inhaftiert. Die Demonstration am 9. Oktober erlebt sie im Stasi-Gefängnis.
Katrin Hattenhauer im Jahr 1989.
Nach den Verhaftungen im Zuge des Straßenmusikfestival am 10. Juni 1989 geben die Oppositionellen Frank Sellenthien, Katrin Hattenhauer und Uwe
Schwabe ein Interview. Die Aufnahmen werden später außer Landes geschafft und im Westfernsehen ausgestrahlt.
Information über eine Fastenaktion in der Thomaskirche am 27. August 1989. Die Verfasser, unter anderem Katrin Hattenhauer, vergleichen die DDR mit
einem System der Leibeigenschaft und sprechen von einer „Absolutismus einer privilegierten Minderheit“.
Bei der ersten Montagsdemonstration am 4. Septemeber 1989 entrollen Gesine Oltmanns und Katrin Hattenhauer zusammen mit anderen Oppositionellen in der
Leipziger Innenstadt unter anderem dieses Transparent.
Kurze Zeit später reißt die Staatssicherheit das Plakat runter. Nur die mediale Begleitung der Demonstration durch die westlichen Medien verhindert,
dass öffentlich Verhaftungen stattfinden. Eine Woche später wird Katrin Hattenhauer (mit Brille) von der Geheimpolizei verhaftet.
Angeführt wird der Demonstrationszug von jungen Mitgliedern Leipziger Umwelt- und Menschenrechtsgruppen. Von rechts: Carola Bornschlegel, Udo
Hartmann, Uwe Schwabe, Christian Dietrich, Thorsten Beinhoff, Gesine Oltmanns, Katrin Hattenhauer.
Die Leipziger Oppositionsgruppen informieren über die Verhaftungen im Anschluss an die Montagsdemonstration am 4. September 1989.
Katrin Hattenhauer 1991 zusammen mit ihrem heutigen Partner Klaus Roewer im Leipziger Clara-Zetkin-Park. Zusammen mit Klaus Roewer und dem
Bürgerrechtler Uwe Schwabe sowie weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern gründete Katrin Hattenhauer 1991 das Archiv Bürgerbewegung Leipzig, dass seit dem das Vermächtnis der Oppositionsbewegung in Leipzig bewahrt.
Katrin Hattenhauer während ihres Interviews in den Räumen der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. am 29. November 2021.
Katrin Hattenhauer wächst in Nordhausen auf. Die kleine Stadt liegt in einer ländlichen Region, die durch ihre Lage an der innerdeutschen Grenze geprägt ist. Regelmäßig besuchen Verwandte der Großmutter die Familie. Auch als Kind realisiert Katrin, dass sie selbst wohl nie die Möglichkeit haben wird ihre Verwandten zu besuchen oder zu erfahren, wie deren alltägliches Leben aussieht.
Die Diskrepanz zwischen staatlicher Propaganda und ihrem Leben wird Katrin jeden Tag vor Augen geführt. Etwa, wenn sie in der Zeitung vom Erfolg der sozialistischen Wirtschaft liest, aber ihre Mutter in der Kaufhalle an der Kasse oft wieder Sachen zurückgeben muss, weil das Geld doch nicht reicht. Oder, wenn sie daran denkt, dass die Bevölkerung der DDR eingesperrt und durch eine
Nach einer langen Krankheit verwehrt ihr der Staat eine Zulassung zur
Noch in ihrer Schulzeit engagiert sie sich in einer kirchlichen Umweltgruppe in ihrer Heimatstadt Nordhausen. Bis in die 1980er Jahre belastete sogenannter saurer Regen die Wäldern im Harz. Um der Entlaubung des Waldes entgegen zu wirken, beteiligte sich Katrin an den Baumpflanzaktionen der Gruppe. Durch ihre Mitarbeit in der Nordhausener Gruppe wird sie für die Umweltprobleme in der DDR sensibilisiert. Als am 26. April 1986 im sowjetischen
Die Wachsmatrize im Studentenzimmer
1988 beginnt Katrin ein Studium am theologischen Seminar in Leipzig. Als einzige Frau hat sie in diesem Jahr einen der begehrten Plätze für das Theologie Studium an der kirchlichen Lehranstalt erhalten. Katrin ist überzeugt von ihrem Studium und will später auch als Pfarrerin arbeiten. Umso tiefer sitzt der Schmerz als sie bereits nach einem dreiviertel Jahr wegen ihrer Mitarbeit im
Der Arbeitskreis Gerechtigkeit war eine streng hierarchisch organisierte und konspirativ arbeitende Oppositionsgruppe, die die Ressourcen der Kirche nutzte, aber sich selbst nicht als kirchliche Gruppe verstand. Katrin wird schon zu Beginn ihres Studiums am theologischen Seminar von ihrem Mitstudenten Rainer Müller (22) gefragt, ob sie sich nicht am Arbeitskreis beteiligen wollen würde. Wenig später ist Katrin Mitglied einer kleinen, aber hochaktiven Gruppe junger Leute, die nicht nur über philosophische Fragen diskutieren und über die Widersprüche im
Als der Arbeitskreis Gerechtigkeit einen sicheren Raum für eine Druckmaschine sucht, stellt Katrin ihr Zimmer im Konvikt des theologischen Seminars zur Verfügung. Die illegale Maschine nimmt einen Großteil des kleinen Zimmers ein und ist nicht zu übersehen. Da es sich um einen kirchlichen Raum handelt, müssen Durchsuchungen allerdings erst angemeldet werden, was Katrin genügend Zeit gibt, die Maschine in einem Zimmer einer ihrer Kommilitoninnen oder eines Kommilitonen zu verstecken. Damit Niemand aus der Gruppe in einem möglichen Verhör das Versteck der Druckmaschine verraten kann, wissen nur Katrin und der Sprecher der Gruppe, Thomas Rudolph (26), von dem Standort des Vervielfältigungsgerätes.
Katrin Hattenhauer - Interview zum Straßenmusikfestival am 10. Juni 1989 in Leipzig
„Der Bewegung ein Gesicht geben!“
Katrin erkennt, dass diese Geheimhaltung wichtig ist für die Arbeit der Gruppe und für den Schutz ihrer Mitglieder. Aber ihr reicht es nicht, dass die Gruppe unter sich bleibt: Sie träumt von einer Bewegung, die sich für demokratische Reformen in der DDR einsetzt. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen, wie dem Straßenmusikfestival am 10. Juni 1989, will sie auch die Teile der Bevölkerung erreichen, die nicht auf den Veranstaltungen der kirchlichen Gruppen zu finden sind oder sich im alternativen Kreisen aufhalten.
Zusammen mit ihrer Freundin Gesine Oltmans (24) entrollt Katrin nach dem Friedensgebt am 4. September 1989 ein Transparent auf dem Leipziger Nikolai-Kirchhof. „Für ein freies Land mit offenen Menschen“ steht darauf geschrieben, gut sichtbar für viele internationale Journalisten. Diese befinden sich auf Grund der Leipziger Messe und gerade in der Stadt. Das Transparent wird ihnen bereits nach wenigen Metern von Mitarbeitern der
Doch für ihren mutigen Protest zahlt Katrin einen hohen Preis. Katrin ist schon vorher bewusst, dass sie mit dieser Aktion eine Grenze überschreiten würde. Am 11. September wird sie wie schon viele Male zuvor verhaftet. Doch die Verhaftung läuft nicht wie eine der zahlreichen Zuführungen ab, bei denen sie wenig später wieder freigelassen wird. Dieses Mal wird ihr ein Haftbefehl vorgelegt. An Katrin soll ein Exempel statuiert werden. Das Zeichen an die anderen Oppositionellen: Eine Aktion, wie die am 4. September vor der
Als Kind einer Krankenschwester ist Katrin Hattenhauer oft auf dem Bauernhof der Großmutter. Nicht-religiös erzogen, findet sie während einer schweren Krankheit im Alter von 14-15 Jahren zur Kirche.
Meine Mutter war Krankenschwester und meine Großmutter hatte einen Bauernhof. Also, wenn ich nicht bei meiner Mutter zu Hause war, waren wir auf dem Hof meiner Großmutter. Das heißt, wir alle sind im Grunde auf dem Land groß geworden, mit Tieren und mit der Arbeit, die zu einem Hof gehört. Die politischen Ansichten kann man vielleicht so beschreiben: wie viele der Bauern in der DDR, die ja ihr Land an die Genossenschaft, die
Produktion: 2021
Spieldauer: 3 Min.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350