Christian Halbrock
Seit 1983 ist Christian Halbrock im Umweltkreis der Evangelischen Studentengemeinde in Berlin aktiv. Er beteiligt sich z. B. an Aktionen gegen den Autobahnbau bei Schwerin oder an Fahrrad-Demonstrationen gegen die Umweltverschmutzung in der DDR. Halbrock will aktiv sein, nicht nur diskutieren.
Passfoto von Christian Halbrock (1985). Dieses Foto verwendet das MfS in einer Dokumentation über die Mitglieder der UB.
Weil Christian Halbrock einen solchen Aufnäher am Parka trägt, darf er während seiner Berufsausbildung das Schulgebäude nicht mehr betreten. Die
Staatssicherheit beschlagnahmt schließlich Parka samt Aufnäher.
Wehrdienstausweis von Christian Halbrock, ausgestellt am 24. März 1981.
Berlin-Prenzlauer Berg, Hinterhof der Dunckerstraße 21 (1985). Im September 1982 bezieht Christian Halbrock illegal eine Wohnung in diesem Haus.
Berlin-Prenzlauer Berg, Hinterhof der Dunckerstraße 21 (1985). Von den Hausbesetzern angefertigte Postkarte.
Am 18. Mai 1984 organisieren Michael Beleites und der Bitterfelder Kreisjugendpfarrer Jürgen Kohtz einen Protestmarsch von Bitterfeld über Greppin
nach Wolfen. Damit wollen sie auf die Umweltzerstörung in dieser Region aufmerksam machen. V.l.n.r.: Christian Halbrock, Oliver Groppler und Jens Albert Möller.
Christian Halbrock im besetzten Haus in der Ostberliner Lychener Straße 61 Mitte der 1980er Jahre.
Erste Ausgabe des Informationsblattes der UB. Über Ursachen und Folgen des Super GAUs von Tschernobyl 1986 wird in der DDR offiziell so gut wie nicht
informiert. Die Ostdeutschen sind höchst beunruhigt, fragen nach möglichen Verhaltensweisen und sicheren Lebensmitteln. Die UB stellt Daten und Fakten zusammen und führt Veranstaltungen zu diesem Thema durch.
Aus einer Stasi-Dokumentation über die Mitglieder der UB: Christian Halbrock wird vom MfS mit versteckter Kamera observiert.
Das MfS observiert die Wohnung von Christian Halbrock in Berlin, Senefelderstraße 18 und erstellt am 3. März 1987 diesen detaillierten Lageplan.
1986 gründet Christian Halbrock den Friedens- und Umweltkreis der Pfarr- und Glaubenskirche in Berlin-Lichtenberg mit, ein Vorläufer der im
September zusammen mit Wolfgang Rüddenklau und Carlo Jordan gegründeten Umwelt-Bibliothek (UB). Bis zum Herbst 1989 ist er in der UB aktiv und Mitglied im Gemeindekirchenrat der Zionsgemeinde. Plakat und Flugblatt der Umwelt-Bibliothek.
Christian Halbrock, 3. November 2004.
Ost-Berlin 1983. Christian Halbrock ist 20 Jahre alt und im Umweltkreis der Evangelischen Studentengemeinde aktiv. Er beteiligt sich unter anderem an Aktionen gegen den Autobahnbau bei Schwerin und an Fahrrad-Demonstrationen gegen die Umweltverschmutzung in der DDR. Christian Halbrock will aktiv sein und auf die Straße gehen – nicht nur diskutieren und
Wenn man in dieser Zeit unter dem Label „Öko“ aktiv ist, wird man von der Partei nicht sofort als Staatsfeind definiert, auch wenn mit Umwelt nicht nur die Natur, sondern die gesamte Gesellschaft gemeint ist. Christian Halbrock und seine Freunde wollen diese Gesellschaft verbessern. Bei ihren Demos können die Aktivisten auf Unterstützung aus der Bevölkerung hoffen: Sie kann nicht verstehen, warum man die Jugendlichen verhaftet, wo sie doch etwas für die Umwelt tun!
Zusammen mit
Mit der Etablierung der UB als öffentlicher Treffpunkt für Andersdenkende wird das
Biografische Angaben zu Christian Halbrock finden sie im
Opposition aus Tradition: In seiner Familie lernt Christian Halbrock, die Dinge kritisch zu hinterfragen. Doch sein konsequentes Verhalten hat Folgen: Er erhält Berufsschulverbot.
Mein Vater war Pfarrer, und ich komme aus einer Familie, die politisch bürgerlich, leicht konservativ geprägt ist. Der Großvater war bereits im Widerstand gegen die
Da gab es einen relativ einschneidenden Konflikt, und zwar im Zusammenhang mit dem Open-Air-Aufnäher ´Schwerter zu Pflugscharen`, der damals anlässlich der zweiten
Dieser ganz Ärger zog sich so zwei Wochen hin. Aber an einem Tag, ich glaube an einem Freitag, bröckelte die Front ganz schnell. Das sprach sich schnell rum: Der hat nachgegeben, der hat es abgemacht. Ich blieb dann mehr oder weniger als Einziger mit dem Aufnäher übrig. Ich wurde vor die Alternative gestellt, ihn abzumachen, aber ich habe mich geweigert. Dann habe ich Berufsschulverbot bekommen.
Ein weiteres einschneidendes Erlebnis war für mich, bevor ich überhaupt etwas politisch gemacht habe, eine Festnahme. Ich stand unter Verdacht der Republikflucht, auf dem Bahnhof in Wismar. Total schwachsinnig, denn ich hatte alles: Fahrkarte nach Rostock und so. Zu Ostern war das. Ich gehe selbst im Juli nicht in die Ostsee, weil das zu kalt ist, aber Ostern schon gar nicht. Also, das war mir vollkommen unverständlich. Jedenfalls wurden da ziemlich harte Geschütze aufgefahren, mit einer relativ hohen Brutalität von Seiten der Polizei. Vernehmungen hin und her. Es endete damit, dass mich dieser Chefvernehmer als ´Angehöriger einer katholischen Sekte` titulierte. Ich habe gesagt: Es gibt keine katholischen Sekten; Sekten sind eine evangelische Erscheinung. Gut, irgendwann kam ich dann doch raus, aber damit war für mich der Ofen aus.
Christian Halbrock, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 4 Min.
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350