Leipziger Basisgruppen
Rainer Müller (links) und Uwe Schwabe (rechts) tragen auf der Abschlussveranstaltung des Kirchentags der Sächsischen Landeskirche in Leipzig ein
Transparent mit den chinesischen Schriftzeichen für Demokratie (9. Juli). Sie protestieren damit gegen die blutige Niederschlagung der friedlichen Proteste in Peking am 4. Juni 1989. Die SED-Führung begrüßt das Massaker ausdrücklich.
Gesetzesinitiative zur Gründung eines Sozialen Friedensdienstes als Ersatz für den, für jeden DDR Jugendlichen obligatorischen, Wehrdienst. Die
Initiative geht zurück auf den Dresdner Pfarrer Christoph Wonneberger. 1981 verschickten Wonneberger und seine Mitstreiter Eingaben mit den Forderungen unter anderem an die Volkskammer der DDR, Seite 1.
Seite 2 der Gesetzesinitiative zur Gründung eines Sozialen Friedensdienstes als Ersatz für den, für jeden DDR Jugendlichen obligatorischen,
Wehrdienst. Die Initiative geht zurück auf den Dresdner Pfarrer Christoph Wonneberger. 1981 verschickten Wonneberger und seine Mitstreiter Eingaben mit den Forderungen unter anderem an die Volkskammer der DDR.
Oliver Kloss war 1986 einer der Gründer der AGM. Pfarrer Wonneberger kannte er bereits aus Dresden, wo er sich für dessen Initiative Sozialer
Friedensdienst begeisterte. Das Bild zeigt Oliver Kloss im Jahr 1988 in der Saalfelder Straße in Leipzig.
Zum Umweltgottesdienst "Unsere Zukunft hat schon begonnen" am 12. Juni 1988 in Deutzen bei Leipzig bringen die beiden jungen Oppositionelle Frank
Richter (21, auf der rechten Seite des Transparents) und Christoph Motzer (25, verdeckt auf der linken Seite des Transparents) ihr eigenes Transparent mit. Aus ihrer christlichen Überzeugung heraus fordern sie "1. Gebot Umweltschutz - Abrüstung".
Uwe Schwabe (Mitte) mit Christian Dietrich (2. v. l.) und Udo Hartmann (2. v. r.) bei der Montagsdemonstration vom 4. September 1989.
Mitglieder der oppositionellen Szene in Leipzig versuchen Anfang Juni 1989, ein Straßenmusikfestival zu organisieren. Die Veranstaltung wird nicht
genehmigt. Trotzdem kommen 15 Musik- und Theatergruppen aus der ganzen DDR am 10. Juni 1989 nach Leipzig, um in der Innenstadt zu spielen.
Flugblatt für das Leipziger Straßenmusikfestival am 10. Juni 1989.
Die verbotene Luxemburg-Liebknecht-Demonstration in der Leipziger Petersstraße (15. Januar 1989). Über 500 Menschen versammeln sich in der
Innenstadt und fordern ihr verfassungsmäßiges Recht auf Meinungsfreiheit. Polizei und Stasi lösen die Demonstration gewaltsam auf und verhaften mehr als 50 Teilnehmer.
Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom, denken sich die Leipziger Oppositionsgruppen: Mit dem Pleiße-Marsch am 5. Juni 1988 (Weltumwelttag) machen
sie auf die Umweltzerstörung in ihrer Stadt aufmerksam. Es ist die erste größere Leipziger Aktion außerhalb kirchlicher Räume. Im Bild: ein Aufnäher zum ersten Pleiße-Gedenk-Umzug in Leipzig.
Am 5. Juni 1988 gedenken Bürgerrechtler der durch Umweltverschmutzung gezeichneten Pleiße mit einem Trauermarsch. Das Bild zeigt den Zug der rund
200 Demonstranten entlang der Weißen Elster.
Am 5. Juni 1988 gedenken Bürgerrechtler der durch Umweltverschmutzung gezeichneten Pleiße mit einem Trauermarsch. Michael Arnold, Mitglied der
Initiativgruppe Leben und einer der Initiatoren des Gedenkmarsches, nimmt eine Wasserprobe des verseuchten Flusses.
Der Arbeitskreisgerechtigkeit (AKG) und die Arbeitsgruppe Menschenrechte (AGM) organisieren den Statt-Kirchentag. Dieser findet vom 7. Bis 9.
September 1989 in der Leipziger Lukaskirche statt und bietet den oppositionellen Gruppen eine unabhängige Alternative zum parallel stattfindenden offiziellen Kirchentag. Dieser Aushang hängt 1989 in vielen Leipziger Kirchen und wird zwischen den Oppositionellen weitergegeben.
Der Arbeitskreisgerechtigkeit (AKG) und die Arbeitsgruppe Menschenrechte (AGM) organisieren den Statt-Kirchentag. Dieser findet vom 7. Bis 9. Juli
1989 in der Leipziger Lukaskirche statt und bietet den oppositionellen Gruppen eine unabhängige Alternative zum parallel stattfindenden offiziellen Kirchentag. Das Bild zeigt die beiden Mitglieder des AKG Thomas Rudolph (links) und Jochen Läßig (rechts).
Frank Sellenthin (links, stehend) und Uwe Schwabe (mitte, kniend) bei den Vorbereitungen zur Demonstration auf der Abschlussveranstaltung des
Kirchentages der Evangelischen Landeskirche Sachsen am 9. Juli 1989 in Leipzig. Mit dem chinesischen Schriftzeichen für Demokratie protestieren die Bürgerrechtler gegen die blutige Niederschlagung der friedlichen Proteste auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking im Juni 1989.
Leipziger Oppositionsgruppen appellieren am 9. Oktober 1989 an alle Demonstranten und Einsatzkräfte, sich friedlich zu verhalten.
Selbstverständniserklärung (Januar 1989) der Initiativgruppe Leben Leipzig, einer von der Arbeitsgruppe Umweltschutz (AGU) Leipzig abgespaltenen
Gruppe, die wesentlich konfliktorientierter agiert. Zu ihren Gründern gehören Uwe Schwabe, Frank Sellentin, Kerstin Heuschert und Jens Kronberg.
Selbstverständniserklärung (Januar 1989) der Initiativgruppe Leben Leipzig, einer von der Arbeitsgruppe Umweltschutz (AGU) Leipzig abgespaltenen
Gruppe, die wesentlich konfliktorientierter agiert. Zu ihren Gründern gehören Uwe Schwabe, Frank Sellentin, Kerstin Heuschert und Jens Kronberg.
Als den Leipziger Basisgruppen im September 1988 das Mitspracherecht an der Gestaltung der Friedensgebete entzogen wird, fühlen sie sich entmündigt.
Es folgen verschiedene kollektive Protestaktionen, auf die die Staatsmacht mit Verhaftungen und Zuführungen reagiert. In einer Erklärung vom 26. Oktober 1988 protestieren Vertreter der IGL und des AKG gegen die Gewalt und verweisen auf das Recht auf freie Meinungsäußerung. Aufrufe, wie dieser, werden in der ganzen DDR verbreitet und schaffe eine Gegenöffentlichkeit zum staatlichen Informationsmonopol.
Auch ein Gemeinschaftsprojekt: Varia – Arbeitstexte zum DDR-weiten Aktionstag für die aus politischen und religiösen Gründen Inhaftierten in der
ČSSR. Herausgegeben wurde Varia von Mitarbeitern Arbeitsgruppe Menschenrechte und des Arbeitskreises Gerechtigkeit. Einer der Redakteure war Frank Richter. Publikationen, wie diese gingen über verschiedene Verteiler an Oppositionsgruppen in der gesamten DDR. Dieses Exemplar stammt aus der Berliner Umweltbibliothek.
Beim Friedensgebet am 5. September 1988 in der Nikolaikirche verteilen Mitglieder des Arbeitskreises Gerechtigkeit das Protokoll eines Treffens
zwischen Landesbischof Werner Leich und dem Politbüromitglied Werner Jarowinsky. SED-Mann Jarowinsky fordert „deutliche Äußerung der Kirche und Abgrenzung von bestimmten Vorgängen“. Für die Oppositionsgruppen ist es das endgültige Zeichen, dass die Kirchenleitung nicht auf ihrer Seite steht. Seite 1.
Beim Friedensgebet am 5. September 1988 in der Nikolaikirche verteilen Mitglieder des Arbeitskreises Gerechtigkeit das Protokoll eines Treffens
zwischen Landesbischof Werner Leich und dem Politbüromitglied Werner Jarowinsky. SED-Mann Jarowinsky fordert „deutliche Äußerung der Kirche und Abgrenzung von bestimmten Vorgängen“. Für die Oppositionsgruppen ist es das endgültige Zeichen, dass die Kirchenleitung nicht auf ihrer Seite steht. Seite 2.
Beim Friedensgebet am 5. September 1988 in der Nikolaikirche verteilen Mitglieder des Arbeitskreises Gerechtigkeit das Protokoll eines Treffens
zwischen Landesbischof Werner Leich und dem Politbüromitglied Werner Jarowinsky. SED-Mann Jarowinsky fordert „deutliche Äußerung der Kirche und Abgrenzung von bestimmten Vorgängen“. Für die Oppositionsgruppen ist es das endgültige Zeichen, dass die Kirchenleitung nicht auf ihrer Seite steht. Seite 3.